Die Achse des Guten im Kampf gegen das linke Böse

Stoff für die Wutmedien

Die Initiative, die fragwürdig ist, allerdings in einem Feld agiert, in dem private Unternehmen und Agenturen die Freiheit haben zu entscheiden, wo sie werben wollen, was der große Unterschied zu einer staatlichen Zensur wäre, kitzelt natürlich die Wutbürgermedien heraus, als die sich Achgut.com oder Tichys Einblick geben.

Broder hat dies schon lange zu seiner Rolle gemacht. Wenn jetzt ihre Medien weniger Anzeigenschaltungen haben, dann holt man die Rhetorik heraus, dass man als avantgardistische, die Wahrheit vertretende Minderheit, die für Freiheit und Vielfalt eintritt, unterdrückt wird. Das kann in dem noch vom Kalten Krieg und Antikommunismus geprägten Wutbürger-Weltbild irgendwie nur von Links erfolgen, wo das Böse haust und wo sich auch die Union unter Merkel begeben hat.

Achgut-Blogger und Ex-WAZ-Chefredakteur Rainer Bonhorst sieht in der angeblich vorhandenen Schwarzen Liste, die von der Agentur "Scholz & Friends" und speziell von Gerald Hensel stammen soll, die McCarthy-Zeit und sogar Lenin wiederkehren und spricht von "Kampfvorstößen nach der Methode McCarthy/Lenin". Das soll dann wohl die Achse des Guten hoch werten.

Damals ging es bei der Hatz auf Linke allerdings nicht um Werbeschaltungen, sondern um politische Reinigung. Die neuen "Kampfvorstöße", ein seltsamer Begriff, aber Bonhorst liebt das Umsichwerfen mit modischen Begriffen, richten sich für Bonhorst "natürlich nicht gegen Kommunisten, sondern gegen 'Rechte' oder gerne auch gegen 'Faschisten', die in den Augen der 'genießenden' (soll man sagen: heuchelnden?) Linken schon tief in der großen bürgerlichen Mitte beginnt. Diese Einzelkämpfer gegen unlinke Umtriebe haben dank einer Fehleinstellung ihres Blickes die Mehrheit der Deutschen im Visier. Sie sehen überall Faschisten wie McCarthy überall Kommunisten witterte".

Zur genießenden Linken scheint in diesem Fall der angebliche "links gewendete" McCarthy-Nachfolger Gensler zu gehören, "ein obskurer Mitarbeiter einer größeren, staatlich alimentierten Werbeagentur", der "zum Möchtegern-Unterdrücker freier Meinungen avancieren" will, indem er zum Anzeigen-Boykott gegen ein "freiheitlich gesonnenes, mitten in der bürgerlichen Gesellschaft stehendes Medium" aufruft.

Unterdrückung hieße hier also, dass womöglich weniger Werbung geschaltet wird, was irgendwie von links kommen muss, weil in der Mitte ja Bonhorst, der möglicherweise nicht umsonst gerne das Wort "postfaktisch" verwendet, und die Achse des Guten stehen.

Aber der Chef der Guten, Henryk Broder, muss den Aufschlag selbstverständlich überbieten und zieht die gewohnt wenig argumentativen Register, um die gegeißelte Denunziation noch besser zu denunzieren. Der "schmutzige Erfolg der Denunzianten" ist es, dass nun sein Projekt etwas weniger Geld einfährt. Broder zieht sofort die billige Nazi-Keule, darunter geht es nicht, die funktioniert in Deutschland.

Broder vergleicht Hensels Initiative mit dem Nazi-Boykott jüdischer Geschäfte, um die Minderwertigkeit von ihm zu suggerieren, weil er ja die historische Dimension, die Broder natürlich für sich vereinnahmt, nicht kenne und keine Ahnung habe, "dass der Spruch 'Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden!' die Mutter aller Hashtags war". Das ist gute sophistische Rhetorik und sollte Hensel zufriedenstellen, der noch am 6. Dezember sagte, er hätte mehr Widerstand von den "Schlechtmenschen" erwartet.

Für Broder, dessen Welt, wie gesagt, in der Vergangenheit liegt, ist Hensel ein "Kultur-Stalinist". Und er ist kein Demokrat, weil er "nicht zwischen rechts, rechtsradikal und rechtsextrem" unterscheidet. Wo also würde sich Broder einordnen, bei rechts? Es sei schließlich "kein Makel, rechts zu sein". Das gehöre zur Demokratie, rechts sei, wenn man die "Willkommenskultur für eine Form der kollektiven Psychose" hält, aber nichts über Völkisches, Nationalistisches oder Rassistisches sagt, das damit schnell einhergeht. Broder, der wackere Kämpfer für Rechts und die Freiheit, muss dann auch zeigen, wie demokratisch er ist, in dem er Hensel als "Würstchen" beschimpft.

Aber Broder reicht die persönliche Beleidigung nicht, er muss auch noch weiter ausschlagen, weil er gerade so schön in Fahrt ist und das schon länger ein Thema der Rechten und auf Achgut.com ist, etwa durch die wackere Vera Lengsfeld, die nicht nur das "Netz-Gegen-Nazis", sondern auch die Ex-Stasiinformantin Anetta Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung geißelt. Broder findet es nicht gut, wenn die auch von der AfD attackierte Stiftung unter der Kategorie "Beliebte rechtspopulistische Blogs" neben Nazi-Websites auch Achgut.com, Roland Tichy und Vera Lengsfeld eingeordnet hat.

Da Broder sich selbst als rechts bezeichnet, wäre es wohl besser gewesen, eine Kategorie "Beliebte rechte Blogs" aufzumachen. Die Stiftung zensiert allerdings nichts, auch nicht im Auftrag des Justizministeriums, so die Verschwörungstheorie.

Aber bei aller aufgepumpten Aufregung über Denunziation und der Neigung zur Diffamierung Anderer kann sich Broder - natürlich ganz witzig - nicht enthalten, seine Widersacher zu bedrohen: "Seht Euch vor, ihr seid an den Falschen geraten. Euch mache ich, wenn es sein muss, am frühen Morgen fertig, noch bevor ich meinen Hund Gassi geführt habe." Da müssen wir also darauf warten, bislang ist nur Pose, wie das Hunde auch gerne machen.

Achgut, Broders Mitstreiter Dirk Maxeiner, auch ursprünglich von den Mainstreammedien kommend, erklärt, dass mit dem Rückzug der Werbekunden von Achtgut.com das "wertvollste demokratische Porzellan" zerschlagen worden sei. Deutschlands wertvollstes Porzellan ist damit Achgut.com wohl an erster Stelle für Maxeiner.

Der sieht die Nischenpublikation in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft: "Die Achse hat über eine halbe Million Leser und drei Millionen Seitenaufrufe pro Monat und wird eine immer lautere Stimme. Es geht in diesem Fall nicht um den Kampf gegen den gefährlichen rechten Rand unserer Gesellschaft, es geht um die Stigmatisierung und Einschüchterung der bürgerlichen Mitte."

Ist jede Website mit gerade einmal 3 Millionen Pageviews die bürgerliche Mitte? Man sei eine "eine wichtige Stimme im demokratischen Spektrum", meint Maxeiner, von sich und seinen Kollegen überzeugt, weil doch "zahlreiche Unternehmer und Top-Manager" Leser seien. Wo bleibt das Volk? Und es wird noch besser: "Gerald Hensel verpasst mindestens der Hälfte der deutschen Gesellschaft einen Tritt - möglicherweise handelt es sich sogar um die Mehrheit." Könnte man von einer gewissen Selbstüberschätzung sprechen?

Geradezu weinerlich und narzisstisch gekränkt meint Dushan Wegner auf Tichys Einblick: "Das Problem mit vorlaufender Zensur ist: So wie niemand das ungezeugte Kind vermisst, so vermisst niemand die ungesagte Wahrheit. Niemand fragt nach der Wahrheit, von der er nicht hörte. Ich sage Ihnen persönlich eine besinnliche Weihnachtszeit voraus!"

Soll man jetzt sagen, dass im postfaktischen Zeitalter der Informationskriege die Wahrheit sowieso keine Rolle mehr spielt und daher Medien wie Achgut.com ebenso verzichtbar sind wie andere? Natürlich sollen Medien wie Achgut.com Meinungen ventilieren können, auch wenn sie nicht gerade einen Beitrag für Aufklärung leisten und mit grandioser Selbstüberhöhung die schlechte Stimmung - "Würstchen" - fördern, was man eben populistisch nennt. Wo Unternehmen und Agenturen ihr Geld lassen, ist allerdings, gefördert durch Kampagnen oder nicht, deren Entscheidung, so lange wir keinen Kommunismus haben. Den finden angeblich auch die Rechten, die sich von Rechtsextremen unterscheiden wollen, nicht attraktiv.

Anzeige