Die AfD nach dem Kölner Parteitag: "Und dann rocken wir Deutschland"

Medien featuren die Rassisten

Die AfD zieht nach wie vor die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. Das hofiert die Rassisten und beschwert ihnen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Alle waren da, von der ARD bis zum Spiegel. Telepolis blieb draußen.

Phoenix, der Dokumentationskanal von ARD und ZDF, berichtete live von der Versammlung der Nationalisten. So wie Phoenix das eben tut: Kamera draufhalten, Ton an und los. Stundenlang. Jetzt steht es in YouTube.

Focus richtete einen Live-Ticker ein, der über die Demonstrationen draußen vor dem Hotel und über die Versammlung berichtete.

Antifaschisten zeigen der AfD die rote Karte

Wochenlang vor dem Parteitag hat die bürgerliche und die linke Öffentlichkeit in Köln für Gegendemonstrationen und eine Verhinderung des Rassistentreffens mobilisiert. Etwa 40.000 Demonstranten kamen am Samstag zu zwei Großdemonstrationen nach Köln. Das bürgerliche Bündnis Köln stellt sich quer und das linke Bündnis Köln gegen rechts hatten jeweils zu Protestaktionen aufgerufen.

Das Festkomittee Kölner Karneval veranstaltete etwas außerhalb der Innenstadt ein eigenes Programm.

Die von zwei Silvesternächten mit völlig falscher Lageanalyse traumatisierte Kölner Polizeiführung hatte immer wieder öffentlich erklärt, sie habe Erkenntnisse über Planungen zu Ausschreitungen und einem Sturm auf das Hotel durch linksextreme Gruppen. Das Boulevardblatt Express brachte am Samstag einen ganzseitigen "Aufruf", bitte doch friedlich zu protestieren, den die Leser sich ausreißen und hochhalten sollten.

Die Polizei hatte sich entschieden, mit einem Großaufgebot alles abzusichern. 4.000 Polizisten und etliche Wasserwerfer riegelten das Hotel und die Demonstrationswege ab. Die Kölner Innenstadt war an vergangenen Samstag ungewöhnlich ruhig, weil der Verkehr weiträumig umgeleitet wurde.

Autonome versuchten am frühen Samstagmorgen, den Einzug von Versammlungsteilnehmern ins Hotel zu stören. Polizei eskortierte die Parteitagsdelegierten zum Versammlungsort. Ein Randalierer griff einen Versammlungsteilnehmer mit einer Holzlatte an, ein Polizist, der dazwischen ging, wurde dabei verletzt.

Im Großen und Ganzen verliefen die Protestaktionen friedlich. Aus der linken Demo heraus flogen einige Steine in Schaufensterscheiben von Banken und McDonalds, und es gab ein paar Bengalofeuer. Die Veranstalter der Demonstration des bürgerlichen Bündnisses verurteilten diese Aktionen. Viele Demonstrationsteilnehmer äußerten, dass sie so etwas strikt ablehnen. Zum Abschluss gab es eine Tanzparty auf dem Heumarkt, in Sichtweite des Maritim. Das Thema: "Tanz die AfD".

Diesmal ist den Antifaschisten nicht gelungen, das Treffen zu verhindern. Vor sechs Monaten, als das Compact-Magazin von Jürgen Elsässer einen "islamkritischen Kongress" in einem traditionsreichen Veranstaltungsort in Köln abhalten wollte, musste der Kongress kurzfristig nach Berlin verlegt werden.

Die seit Jahren politisch aktive Künstlerszene hatte sich geweigert, dort aufzutreten, wo zuvor Rassisten hatten tagen wollen und bereiteten Demonstrationen vor. Der private Betreiber des Tagungsortes kündigte den Mietvertrag. Außerdem gab es, wie jetzt auch gegen Mitarbeiter des Maritim, Morddrohungen gegen Mitarbeiter des Hauses. Von wem die kamen, ist bislang unbekannt. Die Polizei ermittelt.

Jedenfalls feierten die Künstler und Karnevalisten ein paar Wochen später in diesem Traditionssaal ein rauschendes Fest, auch um den Betreiber für die entgangenen Einnahmen zu entschädigen.

Das Maritim- Hotel hat den schon im Juni vergangenen Jahres mit der AfD geschlossenen Mietvertrag nicht gekündigt, wohl aber dem Thüringer Björn Höcke in allen Häusern in Deutschland Hausverbot erteilt. (Annette Hauschild)

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