Die Alt-Right-Ansichten des Constantinos Bogdanos

US-Demokraten, die New York Times und Netflix: Teil der "neomarxistischen Propagandamaschine"

Constantinos Bogdanos hat mit seinen 41 Jahren schon vieles geschafft. Er hat Journalistik an der Pantion-Universität in Athen studiert, später Philosophie am King’s College in London. Neben einer Tätigkeit in der Kommunikationsabteilung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London besuchte er Seminare über Makroökonomie an der London Business School. Dann kehrte er nach Griechenland zurück und machte beim Sender SKAI Karriere. Und Constantinos Bogdanos ist Abgeordneter der Nea Dimokratia im griechischen Parlament.

Einer der Höhepunkte seiner journalistischen Tätigkeit war ein tränenreicher Auftritt in einer Sendung des Schweizer Fernsehens im Juli 2015. Bogdanos, ein fanatischer Verfechter der Sparmaßnahmen, fürchtete damals, Griechenland könne wegen des Referendums über den Sparkurs aus der Europäischen Union ausgeschlossen werden. Bogdanos sah in der Regierung Tsipras ein linksextremes, potenziell totalitäres Regime.

Später nutzte er seine täglichen Rundfunksendungen, um in aller Schärfe gegen Tsipras zu opponieren. Schließlich kündigte ihm der Sender SKAI am 5. Juli 2017, nachdem Bogdanos die Attentäter eines Anschlags auf den ehemaligen Premier Loukas Papademos als "frühere Genossen des griechischen Premiers (Tsipras)" bezeichnet hatte und an seiner Behauptung festhielt. Bodganos wechselte daraufhin in die Redaktion von Proto Thema, wo er erneut eine Radiosendung moderierte. Heute hat er neben seiner parlamentarischen Tätigkeit beim Sender Parapolitika eine politische Radiosendung.

"Neue linke Weltordnung"

In seiner Selbstdarstellung bezeichnet sich Bogdanos als patriotischen Liberalen. Die orthodoxe Kirche ist ihm besonders wichtig. Flüchtlinge und Immigranten sieht er als "Invasoren". Bogdanos, der Asylberechtigte am liebsten auf Felseninseln in der Ägäis verbannen möchte, warnt vor einer "Islamisierung". Zu seinen weiteren Feindbildern gehören "vegane Lesben", "anarchistische Hexen", "Bürgerrechtler" usw., die er alle als Zeichen einer "neuen linken Weltordnung" sieht. Er wehrt sich dagegen, als rechtsextrem bezeichnet zu werden.

Constantinos Bogdanos nutzt jede Gelegenheit, um sich über seine Lieblingsthemen auszulassen. In der vergangenen Woche war es wieder so weit, als er in eine Talkrunde beim Sender Alert eingeladen wurde, um über verkehrspolitische Probleme in der Hauptstadt Athen zu diskutieren. Statt über die verkehrspolitischen Maßnahmen des Athener Bürgermeisters Kostas Bakoyiannis zu reden, lenkte er das Gespräch auf sein Lieblingsthema der Flüchtlingspolitik.

Bogdanos griff dabei einen Vorschlag seiner Partei- und Parlamentskollegin Dora Bakoyianni auf. Bakoyianni, selbst ehemalige Bürgermeisterin von Athen und frühere Außenministerin Griechenlands, ist Schwester von Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Diesen greift Bogdanos nie persönlich an, wie er auch in seinen Äußerungen über die übrigen Familienmitglieder des Mitsotakis-Clans vorsichtig ist.

Bakoyianni hatte vorgeschlagen, dass Flüchtlinge und Asylbewerber aus den überfüllten Lagern auf den Inseln im gesamten Land verteilt werden könnten. Sie sprach von Gruppen von knapp fünf bis zehn Familien pro Dorf. Bodganos meinte dazu, dies würde ihn an den Film A remarkable Tale erinnern, einer Komödie, die auf dem Streaminganbieter Netflix zu sehen ist. Und Netflix, so Bogdanos weiter, sei das "größte Werkzeug der neomarxistischen Propaganda auf der Welt".

Der Spruch löste Wellen der Entrüstung aus, aber auch breite Zustimmung bei den Anhängern von Bogdanos. Ergo wiederholte der Politiker ihn auf Twitter.

Kritikern wirft er Päderastie vor

Bogdanos wurde erneut ins Fernsehen gerufen, diesmal in eine politische Talksendung beim Sender Mega. Thema war das Demonstrationsverbot, welches die Regierung Mitsotakis am 2. Juli im Parlament verabschiedet hatte. Dort meinte Bogdanos, es wäre an der Zeit die Öffentlichkeit über Netflix aufzuklären.

Er selbst verfolge intensiv, was auf dem Streamingdienst angeboten werde, um "seinen Gegner zu kennen". Der Politiker zählte auf, was er für "neomarxistische Propaganda" hält: 73 Serien und Filme mit dem Thema Migration, 42 über Black Lives Matter, "Heiligenbilder über Che Guevara und Trotzki", ein Dokumentarfilm über Salvador Allende sowie sieben Sendungen, die Kapitalismuskritik üben.

Jüdische Themen, die er ebenfalls ansprach, und Black Lives Matter bei Netflix seien das, was den Politiker dazu bewegt, sich eine "konservative Alternative zu Netflix" zu wünschen. Diese könnte dann auch das orthodoxe Christentum verbreiten, sinnierte er. Wer nun immer noch Zweifel habe, meinte Bogdanos, solle sich selbst ein Bild machen und die Serie Casa de Pappel (Haus des Geldes) ansehen, welche eine Hommage an Partisanen sei. Bogdanos scheint dabei vergessen zu haben, dass sein Parteichef Kyriakos Mitsotakis im Wahlkampf 2019 mit Begeisterung verkündet hat, er sei ein Fan dieser Serie.

Auf Twitter präsentiert Bogdanos auch Belege dafür, dass Netflix nicht nur Kritik an Trump üben würde, sondern dem US-Präsidenten mit Seriennamen absichtlich die Namen seiner Projekte klauen würde. Für Bodganos gilt als bewiesen, dass die Demokratische Partei der USA ebenso neomarxistisch ist wie die Zeitung New York Times. Schließlich meint er, dass der frühere Finanzminister Euklid Tsakalotos ebenfalls ein von den USA in Griechenland installierter Politiker des Neomarxismus' sei. Tsakalotos selbst goutierte das überhaupt nicht. Seinen Kritikern wirft Bogdanos gerne vor, sie würden die Päderastie propagieren, wie etwa der Medienkritikerin und Journalistin Elena Akrita, als sie sich über die Einordnung von Netflix als neomarxistische Streamingplattform lustig machte.

Insgesamt gesehen sind die Ansichten und Verschwörungstheorien, welche Bogdanos verbreitet, durchaus kein Unikum. Ähnliche Positionen finden sich in der Alt-Right-Bewegung der USA. Was ein Politiker mit diesem ideologischen Profil in der EVP-zugehörigen Nea Dimokratia verloren hat, darüber hat sich seine eigene Partei bisher noch nicht geäußert. (Wassilis Aswestopoulos)