Die Amerikaner sind unter Trump weniger stolz auf ihre Nation

Bild: Weißes Haus

Trump ist angetreten, Amerika wieder groß zu machen. Nicht alle Amerikaner sind begeistert

Auf dem Höhepunkt des amerikanischen Hegemonismus nach den 9/11-Anschlägen und den militärischen Interventionen im Rahmen des ausgerufenen Globalen Kriegs gegen den Terrorismus (GWOT), waren die Amerikaner nationalistisch und stolz auf ihre Nation. Der Anschlag ließ reflexartig die Nation zusammenrücken, Kritik an Bush war verpönt, selbst der Umstand, dass er in den Wahlen gar nicht die Mehrheit erreicht hatte, wurde nicht weiter beachtet.

Das Meinungsforschungsinstitut Gallup hat seit 2000 für den 4. Juli, den Nationalfeiertag der USA, eine Umfrage durchgeführt, um zu eruieren, wie stolz die Amerikaner sind, Amerikaner zu sein. In der Umfrage sollten die Befragten ihren Patriotismus auf einer Skala mit 5 Optionen von extrem stolz bis gar nicht stolz einordnen.

2000 sagten auch schon 55 Prozent, sie seien sehr stolz Amerikaner zu sein. Die 9/11-Anschläge führten dann zu einer patriotischen Explosion, jetzt waren 65 Prozent extrem stolz, was wohl auch heißt, dass das Bewusstsein über die Folgen der amerikanischen Außenpolitik zunehmend verklebt wurde. Mit dem Irak-Krieg kletterte die Selbstüberzeugung, trotz Folter, Drohnenkrieg, völkerrechtswidrigem Krieg und einem Sumpf an Korruption der richtigen Seite anzugehören, noch auf 79 Prozent im Jahr 2004. Als dann die Folgen und Kosten des Kriegs gegen den Terror deutlicher wurden, fiel der extreme Stolz 2005 auf 60 Prozent zurück.

Ab 2015 wurden die Amerikaner nach der Umfrage unzufriedener mit der Nation, deren Regierung sich offenbar weniger so verhielt, wie sie wollten. 2017 waren nur noch 51 Prozent extrem stolz (interessant wäre, wie sich die Deutschen bei dieser Frage positionieren würden). Und dann kam Donald Trump, der zum Präsidenten gewählt wurde und Amerika wieder groß machen wollte, was mit der sich ausbreitenden Stimmung zu tun hat, dass viele Amerikaner ihr Land nicht mehr als herrschende Hegemonialmacht betrachteten, die amerikanische Werte global durchsetzt.

Erstaunlich ist allerdings, dass Donald Trump den Patriotismus nicht befördert hat. Vielmehr ist die Zahl der Amerikaner, die extrem stolz auf ihre Nation sind, auf ein Rekordtief von 47 Prozent gefallen. Sieht man aber auf die Gesamtergebnisse, dann muss man feststellen, dass die Amerikaner, Trump hin oder her, sehr patriotisch sind. 25 Prozent sagten, sie seien sehr stolz, 16 Prozent, mäßig stolz, nur 10 Prozent waren nur ein bisschen stolz und gerade einmal 3 Prozent gar nicht.

Da scheint also mehr als ein Trump kommen zu müssen, um das Selbstwertgefühl der Amerikaner als führender Nation zu irritieren. Der Nationalstolz ist bei den Amerikanern größer geworden, bei den Unabhängigen und Demokraten aber eingebrochen. Nur - oder immer noch? - 32 Prozent der Demokraten bezeichnen sich als sehr stolz, Amerikaner zu sein. Aber auch wenn die Werte eingebrochen sind, sind sie immer noch extrem hoch und scheinen dafür zu sprechen, dass die Amerikaner in einer Blase leben, in der sie die Ungleichheit im Land und die militärischen und geheimdienstlichen Eskapaden im Ausland mit ihren Folgen ausblenden. (Florian Rötzer)

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