Die Amerikaner versinken in Schulden

Bis zum Ende des Jahres werden die Kreditkartenschulden der US-Amerikaner die Schwelle von einer Billion US-Dollar erreichen oder überschreiten

In den USA kämpfen vor allem die neoliberalen Republikaner gegen die rapid ansteigende Verschuldung und wollen einen schlanken Staat durchsetzen, Polizei und Militär ausgenommen.

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Allerdings weicht der republikanische Präsidentschaftskandidat hier wie in vielen anderen Dingen von Dogmen seiner Partei ab. "Ich bin der König der Schulden. Ich liebe Schulden", sagte er kürzlich in einem Interview: "Ich liebe es, damit zu spielen." Auch als Präsident würde er Schulden aufnehmen. Er wisse, dass man selbst dann, wenn die Wirtschaft zusammenkracht, ein Geschäft machen kann: "Man kann nicht verlieren." Zudem habe die Regierung sowieso keine Probleme von Schulden zu erwarten, weil sie ja Geld drucken könne.

Die Amerikaner scheinen sich ein Vorbild an Trump zu nehmen. Nach Cardhub wird der Kreditkarten-Schuldenstand am Jahresende die Billionengrenze erreichen oder überschreiten. Jetzt liegt er bei 885 Milliarden US-Dollar, letztes Jahr waren es zur selben Zeit 832 Milliarden US-Dollar. Im letzten Quartal 2015 waren es schon 919 Milliarden, vor Weihnachten klettern die Schulden immer nach oben. Davon ist auch dieses Jahr auszugehen. Damit nähern sich die Amerikanern wieder dem Rekordschuldenstand in der Finanzkrise an. Vor der Finanzkrise wuchs der Schuldenstand an, 2006 machte er einen großen Sprung.

2008 waren sie mit 984 Milliarden auf ihren Kreditkarten verschuldet, dann versuchten sie sich ein wenig zurückzuhalten. Jetzt ist durchschnittlich jeder verschuldete Haushalt mit 8.500 US-Dollar belastet. Auffällig ist nach Cardhub, dass im ersten Vierteljahr 2016 nur 26,8 Milliarden US-Dollar an Schulden beglichen wurde, so wenig hatten sie seit 2008 in der stärksten Krise sonst nicht mehr abgestottert, 2008 waren es nur 17 Milliarden. Dafür haben sie aber jetzt bereits 71 Milliarden an neuen Schulden gemacht, weswegen die Rückzahlung gerade einmal 38 Prozent des Schuldenzuwachses ausmacht.

Es scheint also rasant in weitere Schulden hineinzugehen, was bei den Kreditkartenunternehmen die Kassen noch stärker klingeln lassen wird. Durchschnittlich müssen 15 Prozent Zinsen gezahlt werden - in einer Zeit, in der die Zinsrate bei 1,5 Prozent liegt.

Die Lage sieht also nicht gut aus, wenn sich die Menschen zunehmend verschulden müssen. Eine Studie der Fed vom letzten Jahr hatte festgestellt, dass 47 Prozent, also fast die Hälfte der Amerikaner nicht genügend Geld vorrätig haben, um eine Notausgabe von nur 400 US-Dollar leisten zu können. Sie müssten dann etwas verkaufen oder sich eben Geld leihen. Im Jahr 2014 hatten sich 31 Prozent nicht medizinisch behandeln lassen, weil das Geld fehlte. Und 20 Prozent sagten, dass ihre Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Nach der Fed hatten 2014 23 Prozent der Amerikaner keine Kreditkarte. (Florian Rötzer)

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