Die Angst vor dem First Contact

Exobiologischer Darwinismus

Andere Skeptiker üben sich in ähnlich gearteter Schwarzmalerei. So bezeichnet der Pulitzer-Preisträger und Evolutionsbiologe Jared Diamond die Vorgehensweise der "Active SETI"-Anhänger als "naiv" und "gefährlich". Die Arecibo-Botschaft von 1974 wertet er als "selbstmörderische Eselei" und setzt diese Aktion mit einem historischen Beispiel in Korrelation. Denn einstmals hätte auch der Herrscher der Inkas den goldgierigen spanischen Eroberern von dem Reichtum seiner Stadt erzählt und diese damit nur noch neugieriger gemacht. Die Geschichte des Homo sapiens lehre eben, dass ein erster Kontakt und Austausch zwischen primitiven Völkern und hochstehenden Zivilisationen, die in unterschiedlichen Ökosystemen und Kulturen leben, sehr oft mit der Vernichtung des Schwächeren ende. Sein Resümee ist hochgradig pessimistisch:

Wenn dort draußen wirklich Zivilisationen existieren, die Radioastronomie betreiben und innerhalb unserer Reichweite sind, dann sollten wir um Himmelswillen unsere Transmitter ausschalten, um einen Kontakt zu vermeiden, andernfalls sind wir dem Untergang geweiht.

Auch der Nobelpreisträger für Medizin (1967) George Wald gesteht freimütig, dass er sich keinen schrecklicheren Albtraum vorstellen könne, als mit einer außerirdischen überlegenen Technologie in Kontakt zu treten.

Selbst die New York Times schenkte diesem delikaten Thema Aufmerksamkeit. 1982 schürte ein namentlich nicht aufgeführter Autor in einem Beitrag viele altbekannte Science-Fiction-Ängste und warf die Frage auf, was wohl passierte, wären hoch technisierte Aliens "unfreundlich, hinterhältig oder sogar kannibalistisch" veranlagt. Da unsere Vergangenheit zeige, dass stets die rücksichtsloseren und stärkeren Nationen ihre unterlegenen Nachbarn angegriffen, ausgelöscht oder unterdrückt hätten, könnte ein Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen hochgefährlich werden.

Michael Archer, ein in Sydney forschender und lehrender australischer Biologe, sieht größten Anlass zur Vorsicht, weil auch jede außerirdische Kreatur auf ihrem Planeten die Evolutionsleiter Sprosse für Sprosse mühsam habe erklimmen müssen. Wer diesen beschwerlichen Weg einmal gegangen sei und überstanden habe, müsse im höchsten Grade abgehärtet und kämpferisch sein. Daher würden auch andere außerirdische intelligente Arten nicht minder böse und durchtrieben sein als wir: "Sie werden wie ein extrem angepasster und aggressiver Superräuber sein", so Prof. Archer.

Absoluter Verzicht auf Kontaktaufnahme

Neben Bracewell sind auch andere Astronomen auf die vermeintlichen Hochkulturen im Universum nicht gut zu sprechen, wie etwa Robert T. Rood von der University of Virginia in Charlottesville (USA). Der Astronom warnt davor, sich der Illusion hinzugeben, ein gutgemeinter Ruf ins All ziehe ausschließlich ein positives Echo nach sich. Eine solche Aktion ähnele vielmehr der eines urzeitlichen Hominiden, der von der Baumkrone aus mit Rufen eine Katze anzulocken versuche, in Wirklichkeit aber einen Säbelzahntiger aus der Höhle hole.

Auch Robert T. Rood warnt vor blindem Optimismus. Bild: University of Virginia

Der 1993 in England verstorbene tschechische Astronom Zdenek Kopal empfiehlt sogar, auf eine Kontaktaufnahme mit intelligenten fremden Geschöpfen ganz zu verzichten. Sollte das Weltraumtelefon klingeln, wäre es ratsam, nicht abzuheben und zu antworten, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Wer unnötig auf sich aufmerksam mache, laufe Gefahr, für den anderen, besser gesagt die Anderen eine Spur zu attraktiv und interessant zu werden.

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