Die Angst wächst bei den Amerikanern

Hinter der wachsenden Angst vor Terroranschlägen könnte auch die Verunsicherung stehen, die aus der Politik Trumps hervorgeht

Unter Präsident Trump nimmt die Angst der Amerikaner zu. Das ist durchaus eine gefährliche Entwicklung, da mit einem bislang wenig kühle Rationalität zeigenden Präsidenten sich die Gefahr erhöht, unüberlegt auch militärisch zu reagieren. Mit 38 Prozent haben nach einer Gallup-Umfrage derzeit mehr Amerikaner Angst, große Versammlungen zu besuchen, als dies nach den 9/11-Anschlägen der Fall war.

Ins Ausland wollen die Amerikaner, was Trumps isolationistischen Tendenzen entspricht, eher nicht. 46 Prozent erklären, sie hätten Angst vor Terroranschlägen. Dass die erhöhte Gefahr im Ausland womöglich etwas mit der US-Politik nicht erst seit Trump zu tun hat, wurde allerdings nicht gefragt. Die Angst ist bei den Anhängern der Republikaner und damit auch bei Trump-Wählern deutlich höher. Wahlkampf mit Angst zu führen, scheint effektiv zu sein.

Natürlich hat die Angst der Amerikaner, Massenveranstaltungen zu besuchen, mit den Anschlägen von IS-Sympathisanten in Europa zu tun. Sie befolgen die Aufforderungen, etwa mit Fahrzeugen in Menschenmengen zu fahren oder auch mit Messern beliebige Menschen zu töten. Die Angst nimmt seit 2006 stetig zu, nachdem sie nach einem Hoch von 32 Prozent, die sagen, sie würden große Menschenmengen vermeiden, auf 23 Prozent gesunken war. Schon vor den Anschlägen in Boston und Orlando stieg die Angst, die dadurch bestätigt wurde.

32 Prozent sagen, sie seien jetzt weniger willens, ein Flugzeug zu besteigen, 2011 sagten dies erst 24 Prozent. 26 Prozent zögern, in ein Hochhaus zu gehen, das ist beachtlich, da seit 2001 kein Angriff mehr auf ein Hochhaus stattgefunden hat.

Gallup weist darauf hin, dass nichts darüber bekannt ist, ob die Amerikaner wirklich ihr Verhalten geändert haben, aber wenn jetzt 60 Prozent - 2011 sagten dies noch 38 Prozent - glauben, dass sich in den nächsten Wochen ein Terroranschlag ereignen könnte, dann scheinen sich die Amerikaner zunehmend unwohl zu füllen. Das könnte etwas mit dem neuen Präsidenten zu tun haben, aber auch mit der militärischen Politik, die Trump weiter betreibt, obgleich dies auch ein Grund war, warum Hillary Clinton weniger Stimmen als erwartet erhielt.

Gleichwohl ist das Vertrauen in die Behörden wieder gestiegen, die Amerikaner vor Terroranschlägen zu schützen. 70 Prozent setzen ihr Vertrauen in die Regierung, 2016 waren es nur 55 Prozent, ab 2012 fiel das Vertrauen von 75 Prozent stetig ab. 42 Prozent haben Sorge, Opfer eines Terroranschlags werden zu können. Das sagten 2011 36 Prozent, 2016 aber nach Orlando 51 Prozent.

Ängstliche Menschen bevorzugen starke Führer oder solche, die dies am besten inszenieren. Das war ein Teil von Trumps Erfolg. Aber wenn die "starken Männer" dann nicht wissen, wie sie erfolgreich handeln können, verfliegt der Nimbus schnell. Im Nahen Osten eskaliert der Konflikt, gegenüber Nordkorea, das als größtes Risiko deklariert worden war, hat Trump trotz großer Töne, kleineren Sanktionen und dem Senden seiner "Armada" bislang keinen Ansatz finden können. Der Tod des amerikanischen Studenten Warmbier, der nach seiner Freilassung aus nordkoreanischer Gefangenschaft starb, verstärkte die ungelöste Nordkorea-Frage noch einmal in der amerikanischen Öffentlichkeit.

Der Druck seitens China und der neuen südkoreanischen Regierung wächst, dass Trump umschaltet von militärischer Drohung gegenüber Nordkorea zu Verhandlungen. Trump musste einräumen, dass er wohl keine Strategie hatte, sondern nur auf China setzte, das es aber nicht geschafft habe, Nordkorea zur Aufgabe seines Atomwaffen- und Raketenprogramms zu bringen. Nun ist Trump, der an sich vom chinesischen Präsidenten über die Probleme im Umgang mit Nordkorea aufgeklärt worden war, selbst gefordert, eine Lösung zu entwickeln, zumal Nordkorea angeblich wieder auf seinem Atomwaffentestgelände Aktivitäten stattfinden lässt.

Zwar sprach Kye Chun-yong, ein nordkoreanischer Diplomat, in Indien am Mittwoch von der Bereitschaft, über ein Moratorium des Atomwaffen- und Raketenprogramms zu verhandeln, in Südkorea ist man aber skeptisch. (Florian Rötzer)

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