Die Antivergewaltigungshose für Frauen

Durch ein Crowdfunding-Projekt sollen Hosen entwickelt werden, die sich nicht schneiden, zerreißen und herunterziehen lassen

12 Tage kann man noch in ein Crowdfunding-Startup von Ruth & Yuval aus New York investieren, das Antivergewaltigungskleidung für Frauen (AR-Wear) herstellen will. Bis zum 22. November sollten 50.000 US-Dollar zusammenkommen, jetzt sind es schon ein paar hundert Dollar mehr. Frauen sollen mit der ab Juli 2014 bestellbaren AR-Wear sicherer sein, wenn sie abends joggen, ein Blind Date eingehen, überhaupt ausgehen oder in andere Länder reisen – und Frauen sollen damit Angst verlieren und einen Raum erobern, bis die Gesellschaff sich verändert hat und Vergewaltiger möglichst verschwunden sind.

Bild: AR—Wear

Im Prinzip besteht die Kleidung aus Hosen aller Art, die sich mit Gewalt nicht so einfach herunterziehen lassen sollen. Es geht also um eine Art des Keuschheitsgürtels, der das gewaltsame männliche Begehren verhindern soll. Aber die Frauen wollen natürlich nicht davon verunstaltet werden, sondern trotzdem angezogen sexy aussehen. Und sie sollen geschützt sein, auch wenn sie betrunken sind, unter Drogen stehen oder schlafen, also keine Gegenwehr leisten können.

Um einen Schutz zu gewährleisten und den Angreifer zu frustrieren, darf die Hose nicht leicht zerrissen oder zerschnitten werden können, sie soll sich auch nicht über die Hüften herunterziehen lassen. Zwar heißt es, man habe aus Studien herausgefunden, dass das Vergewaltigungsrisiko sinken würde, wenn die Frau Widerstand leistet, was sie hier auch durch ihre Kleidung macht, aber die Schutzkleidung könnte den Täter auch zu mehr Gewalt provozieren, könnte man vermuten. Gefunden habe man jedenfalls einen Stoff, der so mit einer "innovativen Skelettstruktur" hergestellt wird, dass er "weich und ergonomisch" bleibt, aber nicht ohne weiteres zerschnitten oder zerrissen werden kann. Die Hose könne auch nicht über die bei Frauen breiteren Hüften gezogen werden, wofür ein "einzigartiger Verschluss" garantiere. Und sie liegen so fest an den Schenkeln an, dass sie auch dort nicht aufgezogen werden können. Kosten werden die billigsten Hosen wohl so um die 50-60 US-Dollar.

Logo von AR-Wear

Gefragt wurde denn schon auch, wie lange die derart gesicherten Frauen brauchen, um ihren Schutz los zu werden, wenn sie auf die Toilette gehen. Für Feministinnen ist die Antivergewaltigungskleidung nur eine materielle Erinnerung daran, ein Objekt der Vergewaltigung zu sein. Noch subtiler ist die Kritik, dass damit die Verantwortung den Frauen zugeschoben werde. Sie müssten sich gegen Vergewaltigung ebenso schützen wie vor der Befruchtung durch die Antibabypille, während der Mann so bleiben könne, wie er ist.

Nach einiger Übung, so sagen die Anbieter, könnten die Frauen den Verschluss, über den nichts verraten wird, so schnell öffnen, dass sie die Sicherheitshose so schnell wie eine normale andere ausziehen könnten. Ein Problem ist allerdings, wenn es zu einem Notfall kommt. Zur Behandlung könnten Sanitäter oder das Team der Notaufnahme ja die Teile der Hose entfernen, die sich schneiden ließen. Zudem gebe es ja die Vorteile eines Teams, die Patientin könne mithelfen (soweit sie bei Bewusstsein ist) und in der Notaufnahme gebe es ja genügend Werkzeuge, um das Sicherheitsgewebe doch durchzuschneiden. Das klingt jetzt nicht sehr vertrauenserweckend. Übrigens soll auch eine Produktlinie für Männer angeboten werden. Aber hier müsse man erst herausfinden, wie das auch beim männlichen Körper gehen könne. (Florian Rötzer)

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