Die Bertelsmann-GLS-Bank-Connection

Wilhelm von Humboldt (Lithographie von Franz Krüger). Bild: HU Berlin / gemeinfrei

Über fragwürdige Verflechtungen einer Öko-Bank mit einer Privatuniversität und einer Lobby-Organisation

Die Universität Witten-Herdecke wurde 1983 als erste private Hochschule in Deutschland gegründet. Und zwar maßgeblich von Anthroposophen und Elite-Sprösslingen wie Gerhard Kienle und Konrad Schily (FDP), Bruder des Ex-Ministers Otto Schily. Mit Geldern und ideeller Unterstützung der Deutschen Bank, der Krupp-, der Zeit- sowie der Bertelsmann Stiftung.

Bei diesen Finanzgebern braucht man sich keine Illusionen über die gesamtgesellschaftlichen Motive der Hochschule zu machen: Es geht darum, Bildung als Ware zu handeln und darum aufzuzeigen, dass Bildung eben nicht nur staatlich, sondern auch privat finanziert funktioniert. Funktioniert im Sinne der Wirtschaft.

Diese Bildungseinrichtung stellt, wie gezeigt werden soll, ein Labor für neoliberale Möglichkeitsräume und damit eine Gefahr für das staatliche Bildungssystem dar, das zunehmend ins Fadenkreuz von Wirtschaftslobbys und transnationalen Konzernen wie Bertelsmann gerät. Gerade der Bertelsmann-Konzern arbeitet systematisch daran, mit privaten Dienstleistungen in den Bildungsbereich vorzurücken.

Elitenbildung und Exzellenzstreben liegen im Trend, wie man an der hohen medialen Aufmerksamkeit für vermeintliche Innovationen in Schule und Universität und Bildungs-Rankings erkennen kann. Neoliberale Vordenker finden regelmäßig Gehör etwa in Bildungs-Magazinen wie Campus & Karriere auf Deutschlandfunk oder in Zeitungen wie Die Zeit, die mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) zusammenarbeitet und ein Mal im Jahr dessen Hochschulranking veröffentlicht und bewirbt.

Die Universität Witten-Herdecke ist durchsetzt vom Bertelsmann-Konzern, auch aufgrund des direkten Zugriffs durch die konzerneigene Stiftung. So hat die Bertelsmann-Stiftung seit 2010 ein eigenes Institut als integralen Bestandteil der Hochschule eingesetzt und finanziert es seither. Es trägt den Namen "Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance (RMI)" und hat inzwischen zwei Honorarprofessoren und insgesamt 12 Mitarbeiter.

Im Kuratorium der Universität sitzen wenig verwunderlich mehrere Bertelsmänner und -frauen (Brigitte und Liz Mohn sowie De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung). Von Seiten der Stiftung hieß es zu Beginn: "Die Ideen Reinhard Mohns zur Unternehmenskultur und -führung sollen in dem neu gegründeten Forschungsinstitut fortgeschrieben" werden. Die neoliberale Agenda des Bertelsmannkonzerns wird hierbei also nicht verborgen.

Ganz offen heißt es von Liz Mohn, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann Stiftung: "Die Reform des Bildungswesens lag meinem Mann immer sehr am Herzen." Es gehe schließlich darum, dass "private Hochschulen den Wettbewerb beleben und wichtige Reformimpulse geben können". Also der Umbau auch der staatlichen Hochschullandschaft ist das erklärte Ziel.

Die Uni Witten-Herdecke hat heute insgesamt rund 2.400 Studierende, die zu einem Teil zu Promotoren einer durchökonomisierten Bildung werden, wie weiter unten aufgezeigt werden soll. Insgesamt liegen Privat-Universitäten hierzulande weiterhin im Trend, wie auch von Telepolis bereits mehrfach berichtet wurde.

Die Universität Witten-Herdecke hat wohl nicht nur aufgrund der räumlichen Nähe zur GLS-Bank in Bochum ihr Konto bei der Ökobank. Im Sinne der Gründungsväter der Hochschule verbindet sie die Anthroposophie, also die Lehre des Reformpädagogen Rudolf Steiners (1861-1925).

Neben der Finanzierung etwa von neoliberalen Spin-Offs aus der Universität durch die GLS-Bank finden aber auch zentrale Veranstaltung der Bank bzw. der GLS-Bank-Stiftung in der Uni Witten-Herdecke statt. So zuletzt der "Geldgipfel 2016" mit dem hochtrabend, bildungsbürgerlichen Titel "Homo civilis et oeconomicus - vom Fußabdruck zum Handabdruck".

Auf der Veranstaltung kamen durchaus kritische Köpfe wie Reinhard Loske zu Wort, der Professor an der Uni Witten-Herdecke ist. Etwas unkritischere Beiträge kamen dann wieder von den Initiatoren der "Chancen e.G", über die es im letzten Kapitel dieses Artikels geht.

An vielen inhaltlichen Beiträgen der Veranstaltung ist wenig auszusetzen, denn sie setzen sich kritisch auseinander mit dem pathologischen Wachstumszwang, der Durchökonomisierung der Gesellschaft und den Grundfehlern des kapitalistischen Wirtschaftssystems. So heißt es etwa vom Stiftungs-Vorstand Lukas Beckmann:

Richten wir unser Augenmerk auf diesem Geldgipfel auf den Homo oeconomicus - eine Weltanschauung, die als Denk- und Handlungspraxis alle gesellschaftlichen Bereiche durchdrungen hat und das Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft und von Bürger*innen zu Staat und Wirtschaft leider weitestgehend bestimmt. Gesellschaft und Staat sind mehr und mehr zu einer Funktion für die Wirtschaft geworden.

Lukas Beckmann

Weitere durchaus kapitalismuskritische Beiträge kamen zum Thema der ökonomisch geleiteten Entwicklungshilfepolitik, zu ethisch motivierten Investments und gemeinwohlorientiertem Wirtschaften. Nur der seltsame Widerspruch zur Wahl des Veranstaltungsortes - nämlich einer privaten Elite-Universität blieb unausgesprochen.

Bei genauerem Hinsehen, wirken die Aussagen des GLS-Manns Beckmann etwas seltsam, wenn man sie in den Kontext der Kritik an seiner Person betrachtet:

Auch im Filz der Ruhrgebiets sind die angeblichen Gut-Banker längst angekommen: Lukas Beckmann, der langjährige ehemaliger Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Bundestag und heutiger Vorstand der GLS-Treuhand, sitzt im Kuratorium der RAG-Stiftung, deren Aufgabe es ist, neben der Befriedigung der Eitelkeit ihres Chefs Werner Müller, die Ewigkeitskosten des Bergbaus abzudecken.

Ruhrbarone

Es sollte aber auch noch einmal genauer angeschaut werden, um was für eine Universität es sich konkret bei der in Witten-Herdecke handelt. Oberflächlich betrachtet liegt die Hauptgemeinsamkeit mit der GLS-Bank im proklamierten Humanismus.

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