Die Black Bag Jobs des Richard Nixon

Präsident Nixon mit Tom Charles Huston

Nach 50 Jahren geben die USA den aggressiven Huston-Plan zur illegalen Inlandsüberwachung frei

Als nach Watergate das Treiben der US-Geheimdienste durchleuchtet wurde, stießen Ermittler auf ein als Huston-Plan bezeichnetes Dokument, von dem bislang nur Teile für die Öffentlichkeit freigegeben waren.

Dieser Plan sah einen intensiven Informationsaustausch unter den US-Nachrichtendiensten vor allem über die Friedens- und die Schwarzenbewegung vor, eine Ausweitung der elektronischen und sonstigen Bespitzelung sowie von sogenannten "Black Bag Jobs". Darunter verstand man Einbrüche zum Schnüffeln und Verstecken von Wanzen, verdeckte Ermittlungen und die Beobachtung politischer Organisationen im Inland. Ein FBI-Memo von 1973 bezeichnete den Plan als Streben nach einem "Hitler-artigen" Regime.

Der im Juni 1970 entworfene Huston-Plan spielte eine Rolle im Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Nixon und wurde nun endlich von den Historikern der George Washington University freigeklagt. Das Vorhaben steht im Kontext zu den anderen schmutzigen Tricks Nixons wie Schmierkampagnen, Verletzung des Steuergeheimnisses politischer Gegner und Abhören der Demokratischen Partei.

Tom Charles Huston

Namensgeber des Dokuments war der rechte Politaktivist Tom Charles Huston. Mit nur 28 Jahren hatte es der stramme Antikommunist zum Redenschreiber des Präsidenten gebracht und fungierte als dessen Verbindungsmann zum neugegründeten Interagency Committee on Intelligence, in dem die US-Geheimdienstchefs ihre Maßnahmen gegen innenpolitische Gegner koordinieren sollten.

Huston träumte offenbar von einer Art geheimen Staatspolizei. FBI-Vize Mark Felt bezeichnete Huston sogar mit dem deutschen Wort "Gauleiter".

Young Americans for Freedom

Huston verdankte die Amthor-hafte Blitzkarriere ins Weiße Haus seinem Engagement als rechter Aktivist, der eine Brücke zwischen den eher alten Republikanern zur jungen Generation schlug.

Mit gerade einmal 24 Jahren hatte Huston als Jurastudent die größte konservative Studentenvereinigung Young Americans for Freedom (YAF) angeführt. Die YAF galt manchen als Schlägertruppe in Anzügen und warb in den politisch aufgeladenen 1960er Jahren vor allem für den ultrarechten Barry Goldwater. Huston eiferte dem paranoiden Kommunisten-Hexenjäger Joseph McCarthy nach und gründete die konservative Zeitschrift National Review.

In der intern äußerst zerstrittenen YAF lernte Huston, dass man vor allem mit schmutzigen Tricks wie manipulierten Wahlen und ähnlicher Intriganz weiterkam. Huston witterte überall Kommunisten, rief zum Boykott von US-Firmen wie IBM auf, die mit dem Ost-Block Geschäfte machten, und bekämpfte die National Students Association - die ironischerweise heimlich von der CIA finanziert wurde. Seinen Rückhalt in der YAF verlor Huston jedoch, als er sich gegen Rassismus aussprach und Afroamerikaner als vollwertige Bürger akzeptieren wollte. Doch auch die YAF konnte 1967 die Aufhebung der Rassengesetze nicht abwenden. Finanziert von Geschäftsmännern veranstaltete Huston diverse konservative Demonstrationen und blutete vor allem für den Vietnamkrieg, und zwar durch Organisation von Blutspenden für US-Soldaten.

Nach seinem Studium ging 1967 Huston für zwei Jahre zum Army-Geheimdienst und arbeitete in dieser Zeit heimlich für Nixons Wahlkampf. Während man bei YAF als Präsidentschaftskandidat den ultrakonservativen Ronald Reagan favorisierte, brachte Huston die konservative Krabbelgruppe auf Nixon-Kurs. Im Wahlkampf von 1968 kam es zu einigen der gewaltsamsten Demonstrationen in der US-Geschichte. "Tricky Dick" verdankte seinen mit einem Prozent knappen Wahlsieg nicht zuletzt seinen Straßenkämpfern und belohnte Huston dafür mit einem Job als Redenschreiber. Nixon selber hatte einst auf ähnliche Weise Karriere gemacht, indem er die republikanischen Dulles-Brüder hofierte.