Die Bush-Familie und der Cocktailputsch

1934 untersuchte ein Regierungsausschuss einen Geheimplan einflussreicher amerikanischer Industrieller, Präsident Roosevelt zu entmachten und eine Diktatur nach italienischem Vorbild zu errichten. Unter den Hintermännern war möglicherweise auch der Großvater des jetzigen Präsidenten

Aufgedeckt wurde das Vorhaben ausgerechnet von der Vorläuferorganisation des Ausschusses für un-amerikanische Umtriebe, dem McCormack-Dickstein-Committee. Bei dem hatte sich der Ex-Marine Major General Smedley Butler gemeldet, an den die Gruppe über Gerald MacGuire herangetreten war. Der New Yorker Broker hatte Butler im Verlauf mehrerer Treffen zwischen Juli und November 1933 nach und nach die Pläne einer Gruppe von Industriellen und Bankiers enthüllte, in deren Auftrag er handelte.

Diese wollten Roosevelt und den Kongress entmachten und eine Diktatur nach italienischem Vorbild errichten. Teil des Plans war, dass eine Pressekampagne über Roosevelts Gesundheitszustand und seine Fähigkeit das Land zu regieren lanciert werden sollte. Möglich wäre dies nach den Aussagen Butlers dadurch gewesen, dass die Gruppe den wichtigsten Teil der amerikanischen Presse kontrolliert hätte.

Butler sollte im Rahmen dieses Plans eine halbe Million unzufriedener Weltkriegsveteranen in einer Privatarmee organisieren, die dann als nützliche Idioten die Rolle der SA spielen sollte. Auf die Veteranen waren die Industriellen und Bankiers gekommen, weil tausende von ihnen nach dem Beginn der Wirtschaftskrise nach Washington gezogen waren, wo sie die sofortige Auszahlung von Leistungen forderten, die ihnen für das Jahr 1945 versprochen worden waren.

Auf diese Weise sollte Druck auf Roosevelt ausgeübt werden, der seine Macht – ähnlich dem italienischen König – faktisch an einen von den Industriellen ausgewählten "Secretary of General Affairs" abgeben sollte, welcher die Nation dann nach den Plänen der Gruppe regieren würde.

MacGuire hatte die Notwendigkeit eines solchen Putsches dem Journalisten Paul Comley French gegenüber, damit begründet, dass Amerika eine faschistische Regierung brauche, weil dies der einzige Weg sei, "das kapitalistische System zu retten".

Nachdem einige der von MacGuire über seine Hintermänner und den Fortgang der Putschpläne gemachten Vorhersagen genau auf die American Liberty League zutrafen, kam Butler zu der Überzeugung, dass nur diese Organisation die von seinem Mittelsmann erwähnte sein könne. Tatsächlich druckte "Affairs", das Organ der American Liberty League damals in relativer Deutlichkeit Propaganda für einen Systemwechsel:

"Popular government is a perilous extravagance in times of emergency. The present situation is more destructive than war and much more difficult for a popular government to handle."

Deshalb, so Affairs, sollte der Kongress wie andere "unfähige Herrscher" in der Geschichte behandelt werden.

Hinter der American Liberty League standen unter anderem Führungskräfte und Eigner von General Food, Colgate, dem Ketchupimperium Heinz (in das später der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry einheiratete), US Steel, General Motors, J. P. Morgan, der Chemiemagnat du Pont, der von Orson Welles in Citizen Kane verewigte Pressezar William Randolph Hearst und George W. Bushs Großvater Prescott, der später wegen sehr enger und teilweise illegaler Außenhandelskontakte mit Nazideutschland auffiel.

In seinem Abschlussbericht bestätigte der Ausschuss zwar die Existenz einer Verschwörung, klagte aber keinen der mutmaßlichen Hintermänner an. Butler beklagte sich darauf hin bitterlich, dass man die Kleinen gehängt und die Großen Laufen gelassen habe.

In seinem Bericht hatte das Kommittee – wie in den 1970er Jahren festgestellt wurde - unter anderem die Teile über J. P. Morgan, Du Pont und Remington entfernt. Andere Teile blieben bis heute unauffindbar. Warum sie herausgenommen wurden und warum das Gremium den vorhandenen Spuren nicht weiter nachging, ist bis heute ein Rätsel. Eine oft geäußerte Vermutung ist, dass man die Geschäftsleute nicht wegen Verschwörung anklagte und sie im Gegenzug dazu verpflichtete, ihren Widerstand gegen Roosevelts New Deal zurückfahren, weil dies die bequemste Lösung für alle Beteiligten war. (Peter Mühlbauer)

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