Die CIA und das Öl

Freigegebene Geheimakten belegen paramilitärische Sabotagepläne der CIA für den Mittleren Osten im Kalten Krieg

Vor Kurzem veröffentlichte das National Security Archive bislang gesperrte Akten der US-amerikanischen und der britischen Geheimdienste zum Mittleren Osten aus den Jahren 1947 bis 1963. Das zerfallende Empire und die Supermacht befürchteten eine russische Invasion der Ölfelder und planten eine Rückzugsstrategie der verbrannten Erde - hinter dem Rücken ihrer Gastgeber.

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Als in den 1950er Jahren die Arabian-American Oil Company (Aramco) in Saudi Arabien die Ölförderung ausbaute, hatten 600 Mitarbeiter und 45 leitende Angestellte des heute wertvollsten Unternehmens der Welt einen streng geheimen Auftrag. Die Ölbohrer versteckten heimlich Flammenwerfer und Sprengstoffe für einen Plan, der weder dem saudischen Königshaus noch der Bevölkerung gefallen hätte. Im Auftrag von Präsident Truman, der eine sowjetische Besetzung der Ölfelder befürchtete, bereitete die CIA eine konzertierte Selbstzerstörung vor. Um den Russen den Zugang zum Öl zu erschweren, erwogen Briten und die USA sogar nukleare Verseuchung.

Auch für Iran, Irak und die Scheichtümer waren entsprechende Pläne mit den Briten abgestimmt. Um die Mentalität dahinter zu verstehen, bedarf es eines vertieften Blicks in die Geheimgeschichte des Ölgeschäfts und dessen Verquickung mit klandestiner Politik.

Die Liaison zwischen US-Geheimdiensten und der US-Ölindustrie gründet auf eine lange Tradition. Die Rockefellers unterhielten bereits im 19. Jahrhundert einen privaten Geheimdienst, der nicht nur spionierte, sondern das vorwegnahm, was man heute unter CIA-Methoden versteht. Der von den Rockefellers aufgebaute Ölproduzent Standard Oil gründete sein Monopol auf Marktmanipulationen und Konspiration, die schließlich als Ölkrieg von 1872 bekannt wurden. Ein von Standard Oil bestochener Mitarbeiter der konkurrierenden Vacuum Oil Company of Rochester sabotierte den eigenen Betrieb und führte eine Explosion herbei. Die Firma wurde bald darauf von Standard Oil geschluckt.

Standard Oil verfügte bereits 1890 über die meisten Raffinerien und kontrollierte über seine Pipelines 70% des Weltmarkts für Öl. Kartellbedenken begegneten die Rockefellers zunächst durch Ausgründungen wie der deutsch-amerikanischen Petroleumgesellschaft (später Esso). 1911 wurde der übermächtige Monopolist von der US-Regierung in etliche Gesellschaften zerschlagen, die allerdings dennoch von den Rockefellers kontrolliert wurden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die Briten vor allem im damaligen Persien eine Ölindustrie aufgebaut. Die Region lag am Weg nach Indien, damals noch britische Kolonie. Da Russland den Norden Persiens besetzt hielt, begnügten sich die Briten in Absprache mit dem Süden. Hierzu finanzierte die britische Erdölgesellschaft den Shah, paktierte allerdings gleichzeitig mit rivalisierenden Beduinenvölkern. Die Britisch-Persische Ölgesellschaft hatte den Status eines Staats im Staat.

Auch in Deutschland hatte man den Wert des Erdöls erkannt und finanzierte ab 1903 zum Import dem Osmanischen Reich eine Bahntrasse über Istanbul nach Baghdad in der damaligen Provinz Mesopotamien. Der britische Geheimagent T. E. Lawrence, später bekannt als "Lawrence von Arabien", organisierte arabische Aufstände und Guerillaangriffe gegen das mit Deutschland verbündete Osmanische Reich und sabotierte die Bahnlinie mit Sprengstoffanschlägen, die man heute Terrorismus nennen würde. Demgegenüber gelang es den Briten, mit einer Pipeline Transportwege für den mächtigen Rohstoff aufzubauen.

Das britische Versprechen an die beteiligten Araber auf einen unabhängigen Staat nach Beseitigung des Osmanischen Reichs war ein Betrug, da sich Frankreich und die Krone die Region nach dem geheimen Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 unter Ignoranz der dort lebenden Parteien aufgeteilt hatten. Der 1917 erfolgte Leak des Abkommens durch Russland befeuerte in der Arabischen Welt ein bis heute andauerndes Misstrauen gegen den Westen.

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Die Nachfrage nach Öl war im Ersten Weltkrieg dramatisch gestiegen, da Churchill die britische Flotte auf den flüssigen Treibstoff umgerüstet hatte, der seinen Schiffe höhere Geschwindigkeiten verlieh als denen der noch mit Kohle befeuerten deutsche Kriegsmarine. Zudem ermöglichte das Öl dem von Churchill eingeführten Panzer Mobilität. Die Deutschen importierten lediglich in geringem Umfang aus Rumänien Benzin. Der unterschiedliche Zugang zum moderneren Treibstoff erwies sich als wesentlicher Faktor zum Kriegsausgang.

Mit Aufkommen der von Henry Ford etablierten Automobilindustrie boomte in den 1920ern die Nachfrage nach dem Rohstoff erneut. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs erhob auch die Krone Anspruch auf die vormalige Provinz Mesopotamien. Der britischen Unterhändlerin Gertrude Bell gelang es jedoch, Churchill davon zu überzeugen, einen von ihr entworfenen souveränen Staat zuzulassen und dort ein Königreich zu etablieren: Irak. Das bei den Shiiten unbeliebte irakische Königshaus bezog seine Macht von Gnaden des Empire.

Die Briten bauten im Irak ihr Monopol aus und schlossen insbesondere Standard Oil von Schürfrechten aus, was New York erzürnte. Dem damaligen Nahost-Spezialisten im US-Außenministerium, Allen Dulles, gelang es jedoch, einen Fuß in die Tür zu bekommen, da die US-Gesellschaften über bessere Finanzierung zum Aufbau der Förderindustrie verfügten.

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