Die Deutschen scheinen die Jamaika-Koalition zu befürworten

In Österreich wünschen sich die meisten eine ÖVP-FPÖ-Koalition, was in Deutschland einer Koalition von Union und AfD entsprechen würde

In Österreich dürfte es am Wochenende einen Rechtsrutsch geben. Nach der letzten Umfrage könnte die FPÖ noch die ÖVP bzw. die Kurz-Partei ein- oder überholen. Die SPÖ scheint sich wieder nach dem Skandal gefangen zu haben, aber bleibt auf Platz 3 mit SPD-ähnlichen Werten von 23 Prozent, was eine Regierungskoalition mit der FPÖ schwierig machen würde.

Die Mehrheit glaubt, dass Kurz der Wahlsieger werden wird, und mit 40 Prozent wünschen die meisten eine ÖVP-FPÖ-Koalition. Nur 18 Prozent befürworten eine "Dirndl-Koalition" der ÖVP mit den abgeschlagenen Grünen und Neos, 17 Prozent wären für eine Wiederholung der großen Koalition ÖVP-SPÖ. Aber es sind offene Fronten. Gerade haben SPÖ, Grüne und FPÖ gegen die ÖVP die Reform der Notstandshilfe befürwortet, dass das Einkommen des Partners nicht mehr berücksichtigt werden soll. Überhaupt gibt es Übereinstimmungen von Rot-Blau-Grüne. Die alten Links-Rechts-Weltbilder geraten zunehmend ins Schwanken.

In Deutschland wird es aller Wahrscheinlichkeit nach keine große Koalition wieder geben. Eine Koalition der Union mit der AfD steht nicht zur Debatte, obgleich es Annäherungsbestrebungen gibt. Aber nach der Bundestagswahl hat nun die Union, wie Seehofer sagte, eine "offene rechte Flanke", wie sie die SPD schon lange mit der Linkspartei hat. Bislang war die SPD nicht in der Lage, mit ihrer offenen linken Flanke einen positiven Schulterschluss zu vollziehen. Es wird spannend sein, ob die Union daraus lernt. Klar ist nur geworden, dass die vor allem von der CSU versuchte Übernahme der AfD-Positionen nicht gefruchtet, sondern wahrscheinlich eher die AfD gestärkt haben.

Nach dem DeutschlandTrend sind die Deutschen offenbar zufrieden mit den Wahlergebnissen und einer Zukunft mit einer Jamaika-Koalition. 75 Prozent gehen davon aus, dass sie auch zustande kommt. Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass die vier Parteien willens sind, irgendwie eine Regierung zu bilden, auch wenn es große Abgrenzungsversuche gibt und geben wird.

Letztlich sind es alle, abgesehen von einer linken Fraktion bei den Grünen und manchen Rechten bei der Union, bürgerliche bzw. neoliberale Parteien, die keine unüberwindlichen Differenzen haben werden. Das auch deswegen, weil alle keine Neuwahlen wünschen. Dahinter steht die Angst, dann verlieren zu können, wohl am stärksten bei Union und Grünen ausgeprägt. Dabei sind die Deutschen offenbar zufrieden und würden jetzt praktisch wieder genauso wählen, AfD und FDP büßen ein bisschen ein, Linke und Grüne könnten ein wenig zulegen.

Eine Wiederholung der großen Koalition wünschen sich zwar immer noch 33 Prozent, für die Jamaika-Koalition plädieren 57 Prozent. Was die Menschen davon erwarten ist freilich nicht klar, deutlich wird nur, dass eine Mehrheit kein Weiter-so wünscht. Naja, bedingt, da 61 Prozent es gut finden, dass Merkel weitere 4 Jahre regieren wird. Das sind zwar 10 Prozent weniger als 2013, aber von einem Aufstand gegen Merkel ist doch wenig zu spüren, auch wenn auf der rechten Seite die Wut auf sie, womöglich auf sie auch als Frau, groß ist. (Florian Rötzer)

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