Die Drohne und das Know-How

RQ-170 Sentinel in den Händen der Revolutionären Garden

Ob das "Beast of Kandahar" nun echt ist, wofür die meisten Anhaltspunkte sprechen oder aus "Pappmaché", wie manche Berichte mutmaßen - und es gibt ja Fakevorläufer: Die TV-Bilder, welche die amerikanische RQ-170 Sentinel-Drohne als Kalte-Kriegs-Trophäe in den Händen der iranischen Revolutionären Garden vorführen, sind ein Öffentlichkeitserfolg für Iran, bei dem die USA nicht gut aussehen.

Technik ist ein mit allerhand Spannungen aufgeladenes Konfliktfeld zwischen den USA und Iran. Der Stolz auf technische Kompetenz spielt auch im sogenannten Atomstreit eine wichtige Rolle. Iranische Vertreter betonen immer wieder, dass die zivile Nutzung von Kernenergie zeigt, wozu das Land und seine Wissenschaftler technisch imstande sind. Der Beweis, dass man über eigenständiges technisches Know-How auf einem hohen Niveau verfügt, ist für Iran nicht unerheblich. Der auf englisch in "The US cannot do a damn thing" übersetzte Spruch auf einem Schriftzug, der auf den iranischen Bildern der eroberten Beute zu sehen ist, zeugt auch davon.

Der Konflikt mit einem gerade auf technischen Gebieten überheblich auftretenden Westen ist älter als der Streit über das Nuklearprogramm. Der Kampf gegen westliche Dominanzansprüche, die mit technischen Vormachtstellung verbunden waren, zeigte sich schon in den 1950er Jahren, als es darum ging, inwieweit Iran über die Ausbeutung seiner Ölvorkommen selbst bestimmen konnte.

Vor diesem Hintergrund tanzt die Behauptung Irans, wonach man die Drohne über das Eindringen in deren elektronisches Lenksystem sanft vom Himmel geholt hat, auf einem bedeutenden Resonanzboden. Und ärgert die USA.

So ist es kein Wunder, dass Experten, wie zum Beispiel im Blog des früheren italienischen Kampfpiloten David Cenciotti, gerne Fragen zum Fahrgestell beantwortet hätten. Auf den iranischen Fotos liegt die Drohne flach auf dem Bauch, was darunter ist, wird von einem Tarntuch verborgen. Erwähnt wird dort allerdings auch die Möglichkeit, dass die Drohne die Verbindung zum Satelliten verloren hat und Kreise flog, bis der Treibstoff zuenede war und sie abstürzte. Vom Boden aus, in das Lenksystem der Drohne einzudringen, sei sehr anspruchsvoll. Dazu wird die Möglichkeit erwähnt, dass die zuständige US-Bodenstation mit einem Virus im System zu kämpfen hatte.

Mit der Hacker-Version der Eroberung des "Beast of Kandahar", wie RQ-170 Sentinel seit dem ersten Auftauchen in Afghanistan genannt wird, fügt Iran der Geschichte einen für die öffentliche Wahrnehmung nicht unwichtigen Punkt hinzu: Man gibt vor, die High-Tech-Drohne auf smarte Weise erobet zu haben, nicht einfach abgeschossen, nein mit nichtaggressiven Methoden. Die Aggression, so heißt das, liegt ganz bei den USA, die mit der Drohne iranisches Gebiet ausspioniert haben, über iranischem Gebiet.

Die amerikanischen Militärs haben nun große Mühe, den Verlust der Drohne so darzustellen, dass sich die Peinlichkeit in Grenzen hält. Die ersten Erklärungen schafften das nicht, weil sie sich als falsch oder unglaubwürdig herausstellten.

U.S. officials tell NBC that CIA operators were flying the unmanned drone when it veered out of control and headed deep into Iran. The drone eventually ran out of fuel and crashed in Iran's remote mountains.

Zu den Glaubwürdigkeitsproblemen (When Americans struggle to close the plausibility gap with Iran) kommt der andere - materielle - Schaden, der mit der Drohne als Beute in den Händen der Revolutionären Garden entstanden ist. Die Technologie, die sich in dem unbemannten Fluggerät verbirgt, ist teuer und nicht nur für die Drohne wichtig, sondern auch für andere High-Tech-Glanzstücke im US-Arsenal, etwa den Stealthbomber.

Wie sehr das US-Militär dieses Malheur verhindern wollte, darauf deutet die Erwägung hin, dass man eine Spezialtruppe an den vermuteten Absturzort schicken wollte, um die Drohne zu zerstören. (Thomas Pany)