Die E-Zigarette als Einstieg zur Tabaksucht?

Frankreich: Eine von der Regierung eingesetzte Kommission empfiehlt auch für die elektronischen Zigaretten ähnlich strenge Verbote wie für Tabakzigaretten

Vom französischen Gesundheitsministerium war der praktizierende Lungenheilkundler Bertrand Dautzenberg, Professor in Paris, als Präsident des Nationalen Komitees gegen den Tabakmissbrauch damit beauftragt worden, Empfehlungen für den Umgang mit der elektronischen Zigarette zu erarbeiten. Gestern wurden sie veröffentlicht, begleitet von einem 212 Seiten starken Papier. Sie sind ambivalent in der Einschätzung und streng in den gesetzlichen Vorschriften, zu denen man rät.

Verbieten will man die E-Zigarette nicht, der Zugang zum Erwerb des Geräts samt Dampfgrundlagen und nötige Nachfüllkartuschen soll auch nicht "gebremst" werden, weil das Comité National Contre le Tabagisme (CNCT) beim gegenwärtigen Kenntnisstand davon ausgeht, dass die elektronischen Zigaretten weniger Schäden anrichten als die Tabakzigaretten.

Aber sie stellen als Einstiegsdroge eine Gefahr dar. Weswegen für den Genuss dieser Glimmstengel die gleichen Vorschriften angewandt werden sollen wie für Tabakzigaretten. Wo diese verboten sind, sollen auch die E-Zigaretten verboten sein. Dabei geht es weniger um die tatsächlichen Gefahren des Passivrauchens, die bei E-Zigaretten kaum gegeben ist, sondern eher um die Vorbildfunktion als Verbotszweck", ähnlich wie bei einem Urteil in Hessen Anfang dieses Jahres. Daraus folgt auch: Wer keine Tabakzigaretten kaufen darf, weil er minderjährig ist, soll auch keine E-Zigaretten bekommen.

So soll es auch keinen Verkauf in Supermärkten geben, sondern empfohlenermaßen in Apotheken, wenn sie ein bestimmtes Zertifikat haben, ansonsten in dafür lizenzierten Fachgeschäften; auch Werbung für E-Zigaretten soll verboten sein und der Nikotingehalt im Dampf gesetzlich auf einen niedrigeren Grenzwert als den jetzigen reduziert werden.

Zwar, so heißt es in der Einschätzungen, würde der E-Zigarettenkonsum für Tabak-Raucher einen Ausweg zu einem weniger schädlichen Rauchen ermöglichen, im Blick auf die Gesellschaft zeige sich aber auch das Risiko, dass über die E-Zigarette ein neuer Zugang für Nichtraucher geschaffen werde, der letztlich zu Tabak und Anhängigkeit führen kann.

Gab es vor drei Jahren in Frankreich nur ein Geschäft, das E-Zigaretten anbot, so sind es mittlerweile 150. Laut Hersteller wird die Zahl der "E-Raucher" auf 500.000 geschätzt; Dautzenberg setzt die Zahl höher an, bei etwa einer Million.

Kritiker werfen Dautzenberg vor, dass er Lobbyarbeit für eine Industrie betreibe, die im Segment "Nikotinersatz" tätig ist. Dem widerspricht Dautzenberg freilich. Im Empfehlungspapier listet er, wie es das Gesetz verlangt, alle Bezüge zu entsprechenden Fabrikanten auf ("Liens avec l’industrie pharmaceutique concernée par l’arrêt du tabac et la réduction du tabagisme"), betont aber, dass es trotz zahlreicher Verbindungen "keinen Interessenskonflikt" gebe. (Thomas Pany)

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