Die Erde bebt

Castelluccio di Norcia. Bild: Alessia Ravanelli

Schweres Erdbeben in Zentralitalien - mindestens 120 Tote, mehrere tausend obdachlos

Um 3.35 Uhr hat gestern Morgen ein Erdbeben der Stärke 6,2 die Regionen Latium, Marken, Umbrien und die Abruzzen erschüttert. Das Epizentrum lag bei Accumoli, in der Provinz von Rieti. Ganze Dörfer liegen in Trümmern. Obwohl viele Zufahrtstraßen versperrt sind, laufen die Bergungsarbeiten pausenlos. 200 - zum Teil sehr heftige - Nachbeben sind bislang registriert worden.

Unter dem Erdbebenland Italien treffen verschiedene tektonische Platten aufeinander, weshalb das Land auch heute wieder einmal im Herzen erschüttert und zerrissen seine Toten beweinen muss. Erst 2009 kamen beim Erdbeben in Aquila 300 Menschen ums Leben. 1997 starben zwischen Umbrien und den Marken 11 Personen. 3000 Menschen fielen 1980 dem Erdstoß in Neapel zum Opfer, 11 weitere im Jahr 1979 bei Norcia und 1908 starben auf Sizilien und in Kalabrien mehr als 100.000 Menschen.

Nach Angaben des Zivilschutzes, der Bürgermeister und der Feuerwehr, sind es diesmal mindestens 120 Opfer, darunter auch eine Familie aus Accumoli - Mutter, Vater und zwei kleine Kinder. Stundenlang haben an die 15 Helfer mit ihren bloßen Händen nach ihnen gegraben. "Man hört noch die Mutter und ein Kind schreien", sagten sie. Leider konnten alle 4 nur noch tot geborgen werden.

Castelluccio di Norcia. Bild: Alessia Ravanelli

Fabrizio Curcio, Oberhaupt des nationalen Zivilschutzes, hat bereits ein Notfallkomitee einberufen. Matteo Renzi hielt am Nachmittag in Rieti eine Pressekonferenz, auf der er sein Mitgefühl aussprach und die umfassende Unterstützung der betroffenen Bevölkerung garantierte. Morgen wird außerdem der nationale Notstand ausgerufen werden.

Die betroffenen Regionen sind besonders im Sommer ein beliebtes Reiseziel. Viele, die Groβstadthitze meidenden Touristen bevölkern dann die sonst fast menschenleeren Bergdörfer. Besonders beliebt ist Amatrice, das der bekannten Pastaart "Amatriciana" den Namen verliehen hat. Diese Ortschaft existiert seit heute Nacht nicht mehr.

Die Erde bebt (9 Bilder)

Castelluccio di Norcia. Bild: Alessia Ravanelli

Zur Unterbringung der Obdachlosen sind bereits Zeltstädte entstanden und Sporthallen zur Verfügung gestellt worden.

In Rom wurde das Kolosseum auf mögliche Schäden überprüft, denn auch in der Hauptstadt waren sowohl das Hauptbeben als auch die heftigen Nachbeben deutlich zu spüren.

Unterstützung wurde auch von Seiten der Europäische Union angeboten. Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen sei bereits in Kontakt mit den italienischen Behörden, die zur Schätzung der Schadensschwere bereits die Nutzung des EU-Satellitenbilder-Dienstes EMS angefragt haben sollen.

Norcia. Bild: Jenny Perelli

Wird man mitten in der Nacht von etwas Undefiniertem geweckt, einem Rauschen vielleicht oder doch eher einem gedämpften Dröhnen, und sieht man die langen Schlafzimmervorhänge selbständig einen beschwingten Strauss-Walzer tanzen, dann steht man erst einmal ohne jegliches Zeit- oder gar Raumgefühl, völlig hilf- und fassungslos im Flur und starrt irgendwohin. Die Lampen wippen zügig und ziehen ihre hypnotisierende Kreise über deinen Kopf. Die Zeit steht still.

Ganze 142 Sekunden hat das nur 4 km tiefe Beben gedauert - eine Unendlichkeit. So etwa muss sich die Ewigkeit anfühlen. Als ob man auf heiβer, langsam dahingleitender Lava surfen würde. Eine schwindende Eisscholle dient dir als Board. Hunde bellen ungewöhnlich laut überall in der Nachbarschaft und nur einige, wenige Worte schieβen dir durch den Kopf: "Tand ist das Gebilde von Menschenhand." (Jenny Perelli)