Die Frauen werden immer dreister!

Jetzt geht es sogar dem lieben Gott an den Bart

Bisher war jedem Kind klar: Gott hat einen langen weißen Bart und ist alles, nur eins nicht: eine Frau. Nun soll unser Vater im Himmel nach dem Willen weiblicher Sprachwächter zwar nicht zur Mutter mutieren, aber seine väterlichen Züge vollkommen verlieren. Ein Team von 45 Übersetzerinnen und Übersetzern arbeitet nämlich derzeit an einer deutschen Bibel in "gerechter Sprache", die keine Frauen diskriminierenden Formulierungen mehr enthalten soll. Die Übersetzung soll bis Ende 2004 abgeschlossen sein und dann 2006 in einer ersten Auflage von 10.000 Exemplaren herausgegeben werden.

Erste Beispiele für die Bibel in "gerechter Sprache" liegen bereits vor. So soll Jesus' Gefolgschaft nicht mehr schlicht "Jünger", sondern "Jüngerinnen und Jünger" heißen. Die Gottesanrede "Herr" soll wegen der patriarchalen und obrigkeitsstaatlichen Bedeutungen durch den Ausdruck "Gott" ersetzt werden. Und auch das "Vater unser im Himmel" wird womöglich verschwinden. Angedacht ist nach dem Vorbild der Übersetzung des Evangelischen Kirchentags von 1999: "Gott, für uns wie Vater und Mutter im Himmel."

Möglich jedoch ist auch diese Variante, die auf der Seite Frauensprache veröffentlicht ist:

Oh Du, atmendes Leben in allem, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern. Vater-Mutter des Kosmos, oder Atmendes Leben in allem, Namen aller Namen, unsere Identität entwirrt sich durch dich.

Das klingt vielleicht für heutige Christen- und Christinnenohren noch etwas gewöhnungsbedürftig, muss aber sein, meinen die Aktivistinnen von Frauensprache.de:

Dass das Patriarchat manipuliert, wo es kann, ist ja nichts Neues. Aber es bekommt immer mehr Widerstand, nicht indem wir uns den Kopf einrennen und dagegen kämpfen, sondern indem wir das System bloßstellen, im wahrsten Wortsinn und Lügen aufdecken, die tausende von Jahren als 'Wahrheit' verkauft wurden.

Amen! Und auch der Teufel ist männlich und steckt bekanntlich gern im Detail. Sogar in der Meldung des Evangelischen Pressedienstes, in der auch wir die oben zitierten Beispiele für "gerechte Sprache" gefunden haben. Wie Frauensprache nämlich nachweist, enthält nur der allererste Satz die korrekte Formulierung "Übersetzerinnen und Übersetzer". Danach verschwinden die "-innen" und damit die Frauen völlig aus dem Text.

Das Patriarchat manipuliert eben, wo es nur kann. (Ernst Corinth)