Die Fünf-Minuten-Latrine

Vom Öko-Dinkelburger zum voll recycelten Pinkelburger

Instant Food hatte bislang zwei Nachteile beim militärischen Einsatz: Man brauchte 1. frisches und 2. kochendes Wasser zur Zubereitung. Jetzt muss kein Wasserkanister mehr mitgeschleppt werden – es reicht auch Gebrauchtbier.

Die "EPAs", die Marsch-Notverpflegungen für Soldaten, waren noch nie für besondere Schmackhaftigkeit bekannt. Standard-Konserven wie Pupsbohnen in eingedicktem Tomatensud, Erbswurst oder pumpernickelähnliche Brote gehören in Deutschland zum üblichen Sortiment.

In Amerika, wo schon für den Normalbürger so merkwürdige Dinge wie Schmelzkäse aus der Sprühdose auf dem Speisezettel stehen und alles möglichst einfach und auf der Stelle – also "instant" – zubereitet werden muss, ist deshalb "Instant Food" sehr beliebt – die 5-Minuten-Terrine: In einen Becher mit rätselhaften Krümeln heißes Wasser einfüllen und fertig.

Aus anderen Gründen ist diese Art Mahlzeit auch zur Ausrüstung des Militärs verbreitet: Dehydriertes Essen spart Gewicht beim Marsch und hält länger. Einziges Problem: Woher zum "Genuss" das heiße frische Wasser nehmen? Einen Wassertank und einen Kocher mitzuschleppen, würde die ganze Gewichtsersparnis wieder zunichte machen – und auch einen unnötigen Zeitverlust und ein Sicherheitsrisiko auf dem Schlachtfeld darstellen.

Wie der New Scientist berichtet, haben Wissenschaftler deshalb nun in unermüdlichem Einsatz eine Instant-Food-Ration mit eingebautem Wasserfilter entwickelt, der 99,9 Prozent aller Bakterien und Chemikalien aus dem zugefügten Wasser entfernen kann. Und kochen muss die Brühe nun auch nicht mehr. Der Soldat kann sich also aus jeder Pfütze und aus jedem Schlammloch bedienen. Oder auch gleich über seine Essensration pinkeln – den Geschmack verschlimmert offensichtlich auch das nicht mehr, den Soldaten im Irak-Krieg, die auf diese Idee kamen, hat es jedenfalls geschmeckt.

Die Entwickler des bepinkelbaren Essens, das Combat Feeding Directorate, ein Teil des US Army Soldier Systems Centers in Natick, Massachusetts, haben bereits Erfahrung mit fragwürdiger Nahrung: 2002 entwickelten sie das "ewige Sandwich“, das nach drei Jahren immer noch genauso (schlecht) schmeckt wie am ersten Tag. Wie die Sprecherin Diane Wood – die sich bestimmt nicht von ihren Pinkelburgern ernähren muss – erklärt, kann so das Gewicht einer Soldaten-Tagesration aus drei Mahlzeiten von 3,5 Kilogramm auf 400 Gramm reduziert und auch Trinkwasser gefiltert werden.

Die Grundlage des Instant Foods, das seine persönliche Aromanote erst bei der Zubereitung erhält, ist übrigens nicht Nudel-Suppe oder Popcorn, sondern Huhn mit Sch…, nein Reis. Die zugefügte Flüssigkeit wird dann ähnlich der Meerwasserentsalzung durch umgekehrte Osmose aufbereitet. Die Membranen bestehen aus dünnen Schichten eines Kunststoffs auf Zellulose-Basis. Die Lücken zwischen den Fasern sind nur einen halben Nanometer groß, sodass Bakterien nicht hindurch kommen.

Für den Couch Potato, der nach drei Bier nicht aufstehen will und außerdem mittlerweile auch Hunger bekommen hat, ist das neue Designer Food allerdings ungeeignet: Der Hersteller, Hydration Technology of Albany in Oregon warnt, die Soldaten sollten das Wasser aus eigener Produktion nur im Notfall – womit nun nicht gemeint ist, dass der Soldat gerade dringend pinkeln muss – verwenden, da der Filter zu grob ist, um Harnstoff auszufiltern. Dieser ist zwar nicht giftig und schadet dem Körper kurzfristig nicht, so Ed Beaudry, ein Ingenieur des Unternehmens, doch bei chronischer Ernährung mit Pinkel-Food würden Nierenschäden blühen.

Na dann: Mahlzeit!

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