Die Herkunftsstaaten der in Deutschland lebenden Ausländer

Deutschland - überrollt, überfremdet, überfordert?!? - Teil 2

Deutschland - überrollt, überfremdet, überfordert?!? - Teil 1

Die bis hierher herangezogene Wanderungsstatistik ermöglicht es, die tatsächlichen volatilen Zuzugs- und Fortzugsprozesse innerhalb eines Jahres sowie deren Salden nachzuvollziehen. Wenn anhand dieser Wanderungsstatistik auch festgestellt werden kann, dass Deutschland einem kontinuierlichen Prozess von Zuzügen und Fortzügen von Ausländern unterliegt und unter dem Strich über die Jahrzehnte hinweg auch mehr zugezogen als fortgezogen sind, so kann aus ihr kann aber nicht die in Deutschland lebende ausländische Bevölkerung abgeleitet werden. Denn neben der Einwanderung und Fortwanderung sind auch die Geburten und Sterbefälle der hier lebenden Ausländer, d.h. Personen mit ausschließlich ausländischer Staatsbürgerschaft, zu berücksichtigen.

Dies leistet jährlich die stichtagsbezogene Ausländerbilanz (jeweils zum 31.12.) auf Basis des Ausländerzentralregisters mit den Feststellungen, wie viele Ausländer aus welchen Herkunftsgebieten in welchem Alter, Bildung, Familienstand etc. zu genau diesem Zeitpunkt in Deutschland leben. Veröffentlicht wird die Ausländerbilanz von DESTATIS. Am 31.12.2016 waren in Deutschland genau 10.039.080 Ausländer in der Hauptdatei des Ausländerzentralregisters erfasst.

Für den Hightech-Standort Deutschland ist es nun überraschend, dass in dem im August 2017 ebenfalls von DESTATIS vorgelegten Migrationsbericht für 2016 dagegen nur 8.961.000, also rd. 1,2 Mio. Ausländer weniger ausgewiesen werden. Der Migrationsbericht basiert auf dem Mikrozensus 2016, d. h. einer auf Stichproben gestützten Fortschreibung des Zensus von 2011. Dass die unterschiedlichen Methoden nicht identische Ergebnisse liefern können, ist nachvollziehbar. Aber eine Differenz von immerhin 1,2 Mio. Ausländern ist gravierend. DESTATIS erklärt dies mit erhebungstechnischen Problemen (siehe dort "1. Methodische Einführung und Quellen der Ergebnisse"). Die Realität soll angeblich irgendwo in der Mitte liegen.

Speziell die Ausländerbilanz erlaubt detailliertere Einblicke in die Herkunftsstaaten der eingewanderten Ausländer. Deshalb ziehe ich sie für diese Aspekte heran. Im Weiteren greife ich zur Skizzierung der Struktur der Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf den Migrationsbericht zu, was in Bezug auf die dort geringer angesetzte Zahl der Ausländer beachtet werden sollte.

Speziell aus den EU-Staaten rekrutierten sich zum 31.12.2016 von den im Ausländerzentralregister erfassten rd. 10 Mio. Ausländern rd. 4,3 Mio. (43%). Heraus sticht, dass aus diesem Kreis der EU-Staaten mit 2,3 Mio. der größere Teil auf die seit 2004 hinzugekommenen EU-Staaten entfällt, nämlich 23% von allen Ausländern, während auf die alten EU-15-Staaten nur 20% entfallen (Abb. 10a).

Abbildung 10a

5,8 Mio. der hier lebenden Ausländer stammen allerdings aus Nicht-EU-Staaten (Abb. 10b).

Abbildung 10b

Von diesen bilden Angehörige asiatischer Staaten mit deutlichem Abstand die zweitgrößte Gruppe: 35% oder 3,6 Mio. aller in Deutschland lebenden Ausländer stammen aus arabischen oder asiatischen Staaten. Dazu zählen insbesondere 1,5 Mio. Türken, 0,64 Mio. Syrer, 0,25 Mio. Afghanen und 0,23 Mio. Iraker.

Zu den 1,3 Mio. Ausländern aus dem sonstigen Europa (Nicht-EU) zählen u. a. 0,25 Mio. Russen, 0,22 Mio. Serben und 0,2 Mio. Kosovaren. Die restlichen 0,6 Mio. Ausländer stammen aus 15 weiteren Staaten auf dem europäischen Kontinent.

Am 31.12.2016 lebten in Deutschland 82.425.000 Menschen. Legt man die Daten des Ausländerzentralregister zugrunde, bildeten die rd. 10,04 Mio. Ausländer einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von 12,2%. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen des Ausländerzentralregisters 1967. Damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt mit einem Ausländeranteil von 8,4%. Den höchsten Anteil hat Luxemburg mit rd. 47%, gefolgt von Zypern (16,5%), Estland (15%), Lettland (14,7%) und Österreich (14,4%). Den geringsten Ausländeranteil haben Polen mit 0,4%, Rumänien mit 0,5%, Litauen mit 0,6% und Bulgarien mit 1%. Lässt man die migrationspolitische und moralische Verfasstheit Deutschlands einmal außer Acht, ist dieser Umstand neben Religion, Ethnien, wirtschaftlicher Verfassung und Historie ein Erklärungsmoment für die reservierte Haltung dieser Staaten.

Die größte Gruppe unter den Ausländern machen hierzulande die 1,5 Mio. Türken aus (also ohne die türkischstämmigen mit deutscher Staatsbürgerschaft). Nach ihnen rangieren die Polen mit 0,8 Mio. und die Syrer mit 0,6 Mio.. Von der ehemals größten Gruppe, den Italienern, lebten hier Ende 2016 noch 0,6 Mio..

Die zehn größten Staatsangehörigkeiten
Türkei 1.492.580 14,90%
Polen 783.085 7,80%
Syrien 637.845 6,40%
Italien 611.450 6,10%
Rumänien 533.660 5,30%
Griechenland 348.475 3,50%
Kroatien 332.605 3,30%
Bulgarien 263.320 2,60%
Afghanistan 253.485 2,50%
Russische Föderation 245.380 2,40%
Gesamt 5.501.885 54,80%

Fasst man hier lebende Ausländer aus solchen Regionen zusammen, die sich durch besonders schwierige wirtschaftliche Verhältnisse und/oder ihr Eingebundensein in (Bürger-)Kriegskonflikte auszeichnen, so stechen zwei Regionen mit besonders großem Ausländeranteil in Deutschland heraus: die Balkanregion und der Nahe Osten (ohne arabische Staaten) bzw. Vorderasien. Aus diesen beiden Regionen stammen 5 Mio. und damit 50% aller hier lebenden Ausländer.

Abbildung 11
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