Die Hochzeit der Sozialen Netzwerke könnte überschritten sein

Eine Analyse der Zeit, die Nutzer aus 9 Ländern in Android-Apps von Facebook, Twitter, Snapchat und Instagram verbringen, zeigt praktisch überall einen deutlichen Trend nach unten

Web 2.0 und vor allem die sogenannten Sozialen Netzwerke sind in den letzten Jahren geboomt und schienen die Zukunft im Internet gepachtet zu haben. Gleichzeitig brachen die Auflagen von Printmedien ein und gingen der Traffic auf den Websites der Nachrichtenmedien zurück.

Schaut man die neuesten Zahlen für die USA aus dem Arbeitsministerium an, dann war bereits der Umbruch von Print zu Online gezeichnet durch den Verlust von Arbeitsplätzen. Seit 1990 gingen bei den Zeitungen bis März 2016 271.000 Arbeitsplätze verloren, das sind 59,7 Prozent der Arbeitsplätze, die es vor 26 Jahren hier noch gegeben hat. Ähnliche Entwicklungen gibt es auch bei Magazinen oder im Radio. Dagegen stieg die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Online-Publishing und -radio von 30.000 auf 198.000.

Daraus lässt sich auch sehen, dass die Arbeitsplatzverluste nicht ganz durch neue Jobs im Online-Bereich kompensiert wurden. Im Bereich Film und Video haben sich die Jobs allerdings mit jetzt 234.000 auch mehr als verdoppelt, während in der Buchbranche die Zahl der Jobs von 91.000 auf 61.000 zurückging. Deutlich zu sehen ist die Dot.Com-Blase um 2000 und den darauf folgenden drastischen Einbruch beim Online-Publishung, erst ab 2008 erfolgte in der Branche wieder ein bis jetzt anhaltendes Wachstum bei den Arbeitsplätzen.

Jetzt aber hat auch die Nachfrage nach Sozialen Netzwerken kräftig nachgelassen. Es sieht so aus, als wäre der Höhepunkt überschritten, die Menschen verbringen weniger Zeit bei Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat. Nach einer Analyse der Marktforschungsfirma SimilarWeb, die in den USA, in Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Spanien, Australien, Indien, Südafrika und Spanien Daten der Android-Apps der vier Sozialen Netzwerke untersucht hat, ist in allen Ländern die Lust der Menschen zurückgegangen, sich noch länger in den Sozialen Netzwerken aufzuhalten. Verglichen wurden die Daten in der Zeit von Januar bis März 2016 mit demselben Zeitabschnitt im Vorjahr.

Bild: Enoc vt/gemeinfrei

Am meisten nach unten ging es für Instagram, wo die Nutzer der App 23,7 Prozent weniger Zeit verbrachten. Twitter verbucht mit 23,4 Prozent weniger ein fast ebenso hohes Minus. Snapchat kommt mit 15,7 Prozent besser davon, Facebook trifft es mit 8 Prozent am wenigsten. Doch der Trend ist deutlich, keines der vier Sozialen Netzwerke kann in einem Land ein Wachstum verzeichnen. Es gibt nur zwei Ausnahmen: In Deutschland ist die Facebook-Nachfrage nicht eingebrochen, sondern hat sich stabil auf dem Vorjahreslevel gehalten, und in Spanien ist sie gegen den Trend geringfügig um 2 Prozent gestiegen.

Um die 32 Minuten verbringen die Deutschen täglich auf Facebook, die Amerikaner stehen mit über 45 Minuten an der Spitze, gefolgt von den Brasilianern und den Australiern, die Inder nutzen es mit täglich 23 Minuten am kürzesten.

Instagram hingegen wird am längsten von den Spaniern, gefolgt von den Deutschen und den Amerikanern genutzt. Brasilianer twittern jetzt am längsten, 2015 lagen noch die Franzosen an der Spitze. Deutschland ist hier mit Indien Schlusslicht. Snapchat ist weiterhin bei den Amerikanern am beliebtesten, gefolgt von den Franzosen, aber in beiden Ländern gab es große Einbrüche.

Zwar ist auch die Gesamtzahl der auf den Geräten installierten Android-Apps während eines Jahres um 9 Prozent gesunken, aber WhatsApp und Messenger von Facebook konnten mit 15 bzw. 2 Prozent zulegen. In einigen Ländern wie Deutschland wurden auch mehr Snapchat- oder Instagram-Apps installiert.

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