Die Hoffnung für "Beagle 2" stirbt zuletzt

Die ESA setzt nach dem gestrigen erneuten Fehlversuch, mit "Beagle 2" zu kommunizieren, denselbigen in Tiefschlaf, damit dieser wieder zu Kräften kommt

Ist es nur Zweckoptimismus oder läuft das Ganze auf eine Art interplanetarer Beschäftigungstherapie hinaus? Während die Medien die Mission von Beagle 2 größtenteils als gescheitert abgeschrieben haben, arbeiten ESA-Wissenschaftler weiterhin mit Hochdruck daran, mit dem verschollenen Lander irgendwie doch noch in Kontakt zu treten. Nach dem jüngst lancierten Vorschlag, wonach die ESA mit der sondeneigenen HRSC-Kamera wenigstens die Fallschirme und Airbags der verschollenen Sonde lokalisieren soll, hat das "Beagle 2"-Team den Lander jetzt in einen "künstlichen" Tiefschlaf versetzt, sofern die Sonde nicht schon einen "natürlichen" hält. Das Ziel: "Beagle 2" soll ausreichend Energie tanken, um voll sendefähig zu sein.

Was ist mit dem kleinen Landeroboter "Beagle 2" der Mars-Express-Mission wohl passiert, als dieser am 25. Dezember um 3.42 Uhr MEZ nach fünftägigem ballistischen Flug mit einer Geschwindigkeit von 31.000 km/h in die Mars-Atmosphäre eintauchte (Das Schweigen der Beagle)?

So hatte man sich den auf dem Mars gelandeten Beagle vorgestellt. All Rights Reserved Beagle 2

Was mag in der kritischen 10-minütigen Landephase vorgefallen sein? Hat der Hitzeschild, der vor der enormen Reibungshitze schützen sollte, seine Aufgabe erfüllt? Öffnete sich der Stabilisierungsfallschirm wunschgemäß - und im Anschluss daran der zehn Meter Durchmesser große Hauptfallschirm wie vorgesehen? Und entfalteten sich auch kurz vor dem Aufprall in 250 Meter Höhe die drei großen mit Ammoniak gefüllten Airbags, die "Beagle 2" vor dem harten Aufprall auf den Marsboden schützen sollten?

Fragen über Fragen - aber bislang noch keine einzige konkrete Antwort, obwohl die ESA-Wissenschaftler der europäischen Mars-Premiere, insbesondere das "Beagle 2"-Team, derweil so ziemlich alle denkbaren Optionen durchforstet haben, um den Verbleib des ersten europäischen Mars-Landegefährts zu klären. Dass die Forscher hierbei durchaus ideenreiche Suchstrategien entwickelt haben, belegt der kürzlich lancierte Plan, wonach das vermutliche Landegebiet der "Beagle 2" in der äquatornahen Region Isidis Planitia mit der hochauflösenden HRSC-Kamera des "Mars-Express"-Orbiters aus nur 315 Kilometer Höhe unter die Lupe genommen werden soll. Dabei soll die sensible HRSC-Farbkamera mit ihrem ultrahochauflösenden Teleobjektiv, das zwei bis drei Meter große Objekte auf dem Mars abbilden kann, gezielt nach den Fallschirmen und Airbags der "Beagle 2" Ausschau halten, die bei der Landung eingesetzt wurden, um den Aufprall abzumildern.

Nach erneutem Fehlversuch in Ruhemodus versetzt

Während inzwischen die orbitereigene HRSC-Kamera die ersten Bilder vom Mars in bester Auflösung aufgenommen hat (die ersten Fotos sollen noch diese Woche veröffentlicht gestellt werden), scheiterte um 3:20 CET auch der gestrige Versuch, via "Mars-Express"-Orbiter mit dem vielleicht abgestürzten oder womöglich in einem tiefen Krater liegenden büchsenartigen Raumschiff in Kontakt zu treten.

Jetzt hat die ESA nach einem zweieinhalb Wochen währenden erfolglosen Suchmarathon den Mars-Lander in einen Ruhemodus versetzt. Dies aus gutem Grund, denn schließlich sollen sich auf diese Weise dessen Bordbatterien wieder aufladen, sofern die für das Einsammeln des Sonnenlichtes "verantwortlichen" Sonnenzellenpaneele noch immer funktionieren.

Um die kleine ESA-Kapsel mit "Saft" zu versorgen, instruierte gestern das Darmstädter Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Anwesenheit von Prof. Colin Pillinger (Beagle-2-Chefwissenschaftler) die Euro-Sonde, alle Sendeversuche für zehn Tage einzustellen. Von diesem Schritt versprechen sich die Forscher, dass "Beagle 2", dessen Sendeleistung gerade mal 1 bis 2 Watt beträgt, ab dem 22. Januar möglicherweise noch stärker und vor allem länger senden kann. Dadurch könnte sich die Chance einer Kontaktaufnahme mit dem Mutterschiff erhöhen, vorausgesetzt, dass der Lander nicht etwa am Boden zerschellt oder in einem tiefen Krater gehüpft ist und auf diese Weise eine Kommunikation über Funk unmöglich macht.

Nur banale Ursache?

Neben allen denkbaren schlimmen Szenarien könnte das Schweigen der "Beagle 2" gleichwohl eine äußerst banale Ursache haben. So ist nicht auszuschließen, dass der Landerdeckel mit seiner integrierten Antenne durch eine ungünstige Neigung des Landers nach dem Aufklappen, bedingt durch Steine oder unvollständiges Aufklappen, so orientiert ist, dass das Sendefeld von der Flugbahn des Mars-Express-Orbiters weg gerichtet ist.

Andererseits könnten trotz geglückter Landung und gesicherter Energieversorgung Defekte in der Funktion der Lander-Elektronik entstanden sein, die eine Verschiebung in der Zeitreferenz der Borduhr verursachten, so dass "Beagle 2" sein Sendesystem zur programmierten Zeit des Überflugs nicht einschaltet. Tatsächlich zieht die ESA als mögliche Ursache für die Funkstille der kleinen Landekapsel in Erwägung, dass die Uhren des Landers und des "Mars-Express" in seiner derzeit polaren Umlaufbahn nicht gleich getaktet sind. Theoretisch ließe sich diese potenzielle Fehlerquelle mithilfe einer Dauersendung beseitigen. Und dazu braucht "Beagle 2" Energie und nochmals Energie. (Harald Zaun)

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