Die Kampfdrohnen für den Stadtkrieg und die Polizei kommen

TIKAD. Bild: Duke Robotics

Ein israelisches Startup hat eine Multirotor-Drohne entwickelt, die mit einem Maschinengewehr oder einen Granatwerfer ausgestattet werden kann

Israel und die USA waren die Vorreiter bei der Entwicklung und Einführung von großen Kampfdrohnen. Ihre Einsatzmöglichkeiten wurden im "Krieg gegen denTerrorismus" demonstriert, was Absatzmärkte geschaffen hat. Mittlerweile haben einige Länder von Russland und China bis Türkei, Pakistan oder Iran im Wettrüsten nachgezogen. Der Islamische Staat war hingegen Pionier bei der Transformation und dem Einsatz von kleinen Drohnen in Kampfdrohnen, indem er sie mit Sprengstoff oder Granaten ausstattete.

Die amerikanische Start-up-Firma Duke Robotics, die mit dem Slogan "No Boots on the Ground" wirbt, hat nun einen weiteren Schritt gemacht und bietet Multirotor-Drohnen an, die mit Maschinengewehren, Granatwerfern oder anderen Waffen ausgerüstet werden können. Auf der Website finden sich keine weiteren Einzelheiten über die Tikad-Drohne, die als Waffensystem gegen Terroristen angepriesen wird.

Mitgegründet wurde die Firma 2014, wie Defense Now berichtet, von einem israelischen Veteranen und Reservisten der israelischen Spezialeinheiten. Er sei müde geworden, Kameraden in Straßenkämpfen sterben zu sehen, in denen auch Zivilisten umkommen, sagt Raziel Atuar. Mit bewaffneten Drohnen, so die daraus entspringende Logik, sollen die Bösen weiterhin getötet, aber die eigenen Kräfte geschützt werden, weil sie den Tod aus der Ferne bringen und trotzdem live sehen können, was sie treffen. Die Kampfdrohnen sind also Produkte, die Profit einspielen sollen, weil sie zumindest vorübergehend denjenigen, die sie kaufen, einen Vorteil im Töten bringen. Zuerst haben neue Waffensysteme, die billig und klein sind, Soldaten und Sicherheitskräfte, dann verbreiten sie sich unter den nichtstaatlichen Akteuren, womit die Sicherheit durch eine solche waffentechnische Überlegenheit dahin ist und die Aufrüstung weitergeht.

Atuar war als Kommandeur beispielsweise beim Gaza-Krieg 2014, also bei der Operation "Protective Edge", beteiligt. Das israelische Militär bombardierte zunächst als Reaktion auf Raketenbeschuss, wie der Angriff begründet wurde, Ziele mit Artillerie und Luftwaffe, einschließlich Kampfdrohnen. In der zweiten Phase stießen auch israelische Bodentruppen in den Gaza-Streifen vor. Dabei wurden 67 israelische Soldaten getötet, im Gaza-Streifen gab es großflächige Verwüstungen durch die Bombardierung, es wurden in dem asymmetrischen Konflikt mehr als 2000 Luftangriffe geflogen, nach UN-Angaben starben mehr als 1800 Palästinenser, überwiegend Zivilisten, mehr als 10000 wurden verletzt, darunter 3000 Kinder.

"Protective Edge" galt als Beispiel für künftige Kriegsführung in Städten und dicht besiedelten Gebieten. Militärstrategen sind schon länger davon ausgegangen, dass die Städte und vor allem die Großstädte mit ihrer unübersichtlichen Bebauung und der Vielzahl von Menschen zu den Hauptkampfgebieten werden. Man spricht gelegentlich von einem "urban turn", auf den sich Militärs u.a. mit Übungen in Phantomstädten vorbereiten, wie das etwa im "Urbanen Ballungsraum Schnöggersburg" der Bundeswehr gemacht werden soll. Das hat sich zuletzt in Syrien, im Irak und im Jemen, auch in Afghanistan, Libyen und zuletzt auf den Philippinen gezeigt.

So übt beispielsweise die israelische Armee den Stadtkrieg. Bild: IDF/CC BY-SA-2.0

Im Stadtkrieg schwindet die asymmetrische Überlegenheit des Militärs und steigt mit den Opferzahlen unter den Zivilisten auch die Zahl der getöteten und verletzten Soldaten, wenn die Truppen auf dem Boden vorrücken. Zuvor werden die Städte aus der Luft und durch Artillerie wie in "Protective Edge" bombardiert, was zu großflächigen Zerstörungen von Gebäuden und Infrastruktur sowie zu zahlreichen Opfern unter Zivilisten führt. Zumal wenn "Rebellen" wie der Islamische Staat selbst dafür sorgen, verwüstete Städte zu hinterlassen.

Für Atuar, der den Stadtkrieg nur aus der Sicht der Soldaten sieht, heißt Stadtkrieg, dass es kleine Gruppen von Gegnern in dichtbevölkerten Gebieten gibt, in denen die Zivilisten als Schutzschilde gebraucht werden: "Selbst wenn man nur ein paar Typen mit einer Granate kriegen will, muss man ein Bataillon hineinschicken und verliert man Leute. Menschen werden verletzt. Die operationelle Herausforderung hat uns beunruhigt."

Die Lösung also soll TIKAD sein bzw. ein Stadtkrieg, in dem erst einmal Kampfroboter, zunächst noch ferngesteuert oder schließlich auch autonom, gegen die Gegner vorgehen oder die Häuser durchsuchen. Solche bewaffneten Roboter werden dann auch in absehbarer Zeit bei der Polizei und anderen Sicherheitskräften eingesetzt werden - und geschieht auch bereits (Bewaffnete Polizeiroboter: "Hey, diese Dinger sind wirklich nützlich").

So stellt man sich bei Duke Robotics den Stadtkrieg vor: Statt Soldaten schickt man Drohnenschwärme aus.

Probleme bereitet aber die Ausrüstung der Kampfroboter mit Schusswaffen oder Granatwerfern. Das ist schon bei Bodenrobotern ein Problem, weil der Rückstoß zu unerfreulichen Ergebnissen führen kann, weswegen das Pentagon vor zehn Jahren in den Irak zum Testen geschickte Bodenkampfroboter dann doch nicht einsetzte. Von kleinen Drohnen Granaten oder Bomben fallen zu lassen oder sie als Kamikaze-Drohne in ein Ziel zu stürzen, ist noch eine relativ leicht zu lösende Aufgabe, aber für eine Drohne, die sich in der Luft ohne Halt befindet, wird es schwierig, weil der Rückstoß sie zumindest aus den Bahn wirft und kurzzeitig unbeherrschbar machen könnte.

Bei TIKAD versucht man das Problem mit einem System von miteinander flexibel verbundenen Platten zu lösen, an denen die Waffe befestigt ist. Die Platten sollen den Rückstoß so abfedern, dass die Drohne stationär in der Luft bleibt und schnell erneut schießen kann. Noch sind Mini-Drohnen, die man auf dem Markt kaufen kann, schon deswegen nicht geeignet, weil sie kaum für längere Zeit Waffen mit sich führen können, die 10 kg und schwerer sind. Nach Defense One hat das israelische Militär bereits mehrere TIKAD-Drohnen gekauft. Die Firma geht davon aus, dass auch das Pentagon zuschlagen wird und hat sich in Florida, in der Nähe des US Special Operations Command und des U.S. Central Command angesiedelt. (Florian Rötzer)

Anzeige