Die Leiden der Gründer

Der Bundesvorstand 2017/2018, v.l.n.r: Vanesse Niemann, Frederik Hümmeke, Hubertus Porschen, Hermann Leithold, Johanna Strunz und Konstantin Schnitke. Bild: DIE JUNGEN UNTERNEHMER / Anne Grossmann Fotografie

Deutscher Startup Monitor 2017

Der Deutsche Startup Monitor, oder kurz DSM, liefert jährlich tiefe Einblicke in deutsche Gründerherzen. Hier werden häufig die Leiden, aber auch manchmal die Freuden in der Startup Branche offengelegt. Zu wissen, was von der Politik gefordert wird, ist für uns als Verband, der sich für die Interessen junger Unternehmer einsetzt, besonders wertvoll. Diese Interessen versuchen wir vehement mit Zahlen, Fakten und Erfahrungswerten durchzusetzen - oft eine Sysiphusarbeit. Die Top drei der Erwartungen an die deutsche Politik für die befragten Startups sind keine Überraschung: Bürokratieabbau, Steuererleichterungen und mehr Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung.

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Die deutsche Bürokratie stellt Unternehmer auf eine harte Probe. In keiner Wirtschaftsnation sind die Hürden für Gründungen so hoch wie hier. Auf dem Programm stehen Besuche bei Bank, Arbeitsagentur, Gewerbeamt, Finanzamt, Handelsregistereintragung, Berufsgenossenschaft, Sozialversicherung, Künstlersozialkasse, Gesundheitsamt, Partnerschaftsregister und und und. Dauer und Aufwand hängen natürlich von dem Geschäftsmodell und der Branche ab, werden jedoch oftmals unterschätzt. Die Bearbeitungszeiträume der Ämter sind lang. So kommen Gründer nur langsam voran. Die zähen Prozesse in der Verwaltung sind ein großes Problem und bescheren Deutschland einen erheblichen Standortnachteil. Zum Vergleich: In den Baltischen Staaten kann man eine Gründung mit wenigen Mausklicks vollziehen. Ist diese Odyssee zu Ende, opfert der Unternehmer viel Zeit für administrative Aufgaben. In einer Umfrage des Verbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER geben mehr als 67 Prozent aller Befragten an, pro Woche mindestens fünf bis 15 Stunden mit aufwendigen bürokratischen Pflichtaufgaben zu verbringen. Bei elf Prozent sind es sogar mehr als 15 Wochenstunden. Damit fehlt den Gründern zu viel Zeit für produktive Arbeit.

Um dieses Problem zu beheben fordern wir die Digitalisierung der Verwaltung und somit schnellere und effizientere Abläufe. Zusätzlich soll ein Staatsminister Projekte der digitalen Transformation vorantreiben und koordinieren. Außerdem fordern wir die Einrichtung einer Schutzglocke für gerade gegründete und junge Unternehmen, um diese vor der ausufernden Bürokratie zu bewahren. Im Jahr der Gründung und in den darauf folgenden drei Jahren sollen gerade gegründete Unternehmen von möglichst vielen Regelungen befreit werden.

Die Belastungen von Unternehmen durch Steuern sind in Deutschland enorm. Abgaben werden in Form von Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer gezahlt. Es kommen noch weitere staatlich verordnete Belastungen hinzu, wie ein doppelter Rundfunkbeitrag und der Arbeitgeberanteil an Kranken-, Renten- und Sozialversicherung der Mitarbeiter.

Ein erster Schritt, Unternehmer und Mitarbeiter zu entlasten wäre die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Der Soli ist nur noch Etikettenschwindel: 25 Jahre nach der Einführung muss Schluss sein mit der dauerhaften Sonderbelastung für den angeblichen Aufbau-Ost. In Wirklichkeit fließen die Einnahmen in den allgemeinen Bundeshaushalt und werden für anfallende Staatsausgaben verwendet.

Unternehmensgründungen leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Gründer führen neue Produkte zur Marktreife oder entdecken neue Kundenbedürfnisse. Es gibt viele Gründe für eine staatliche Förderung. Die große Koalition hat in der letzten Legislaturperiode viel angekündigt und eine "neue Gründerzeit" gefordert. Davon ist im DSM nichts zu spüren.

Im Gegensatz zu Ländern mit einer ausgeprägten Gründungs- und Risikokapitalkultur wie den USA steht in Deutschland nur relativ wenig Kapital zur Finanzierung von jungen Unternehmen zur Verfügung. Unser Ansatz zur Unterstützung von Unternehmensgründungen ist deshalb die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Risikokapital.

Hier wurden in der letzten Legislaturperiode Verbesserungen durchgesetzt. So wurde mit dem Investmentsteuergesetzt Verbesserungen im Steuerrecht umgesetzt. Der Verlust aus den ersten Geschäftsjahren kann nun bei einem Verkauf übertragen werden, und kann so auch nach einem Verkauf mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden. Das ist gerade bei der Gewinnung von neuen Investoren und Käufern von großer Bedeutung, da die aufgelaufenen Anfangsverluste so steuerlich nicht einfach unter den Tisch fallen. Davon profitieren besonders innovative Startups mit hohen Aufwendungen für Forschung, Entwicklung und Investitionen.

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Nun ist die große Koalition abgelöst und es finden Sondierungsgespräche der CDU/CSU, FDP und der Grünen statt. Alle gaben sich vor der Wahl innovativ und gründerfreundlich. Bringt Jamaika frischen Wind? Es bleibt abzuwarten, ob die Parteien die Erwartungen und Anforderungen der Gründer ernst nehmen. Der nächste deutsche Startup Monitor erscheint schon im nächsten Jahr.

Gastbeitrag von Dr. Hubertus Porschen, Bundesvorsitzender des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER. Er ist Gründer und Geschäftsführer der App-Arena GmbH in Köln sowie promovierter Volkswirt. Hubertus Porschen studierte BWL in Marburg und promovierte hier auch in VWL zum Thema "Der akademische Unternehmer". Während des Studiums arbeitete er bereits in mehreren Startups, die er teils mitgegründet hat.

Bilder: www.junge-unternehmer.eu/pressefotos (Hubertus Porschen)

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