Die Linkshaarigen

Hirnforscher planen ein ungewöhnliches Experiment

Es scheint schier unglaublich: Die Drehrichtung des Haupthaares und die Sprachverarbeitung eines Menschen im Gehirn hängen zusammen. Und um diesen Zusammenhang genauer zu erforschen, suchen die Hirnforscher der Bonner Universitätsklinik für Epileptologie Probanden, deren Haare sich am Hauptwirbel (dem Wirbel am obersten Scheitelpunkt des Kopfes) gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Doch so "haarsträubend", wie es klingt, ist die Sache nicht. Der amerikanische Genetiker Amar J. S. Klar vom National Cancer Institute, Frederick/Maryland hat nachgewiesen, dass die Händigkeit einer Person und die Drehrichtung des Hauptwirbels auf dem Kopf durch ein einziges Gen festgelegt werden. Doch nicht bei jedem Linkshänder zeigt auch der Drehrichtung des Hauptwirbels nach links - Händigkeit und Hauptwirbel sind nicht fest aneinander gekoppelt, auch der Zufall hat hier seine Hand im Spiel. Da der Mensch mit einem doppelten Chromosomensatz ausgestattet ist, hat er entweder zwei unterschiedliche Ausprägungen eines Gens oder aber zwei gleiche.

Foto: Christian Hoppe

Für die Händigkeit bedeutet das salopp gesagt: entweder rechts oder Zufall. Es gibt drei Kombinationsmöglichkeiten: Entweder zeigen beide Allele nach rechts oder eines zeigt auf rechts, eines auf Zufall oder aber beide zeigen auf Zufall. Zeigt auch nur eines auf rechts, dann geht wahrscheinlich alles nach rechts, sprich man wird Rechtshänder und auch die Haare drehen sich nach rechts. Wenn beides auf Zufall zeigt, dann kann sich beides zufällig entwickeln. Im Ergebnis ergibt sich folgendes Bild: Trifft man Personen, die linkshaarig sind, sind sie in der Hälfte der Fälle auch linkshändisch; während normalerweise der Anteil von Linkshändern in der Bevölkerung bei weniger als 10 Prozent liegt.

Doch die Seitigkeit des Menschen reicht noch weiter: Es ist eine Tatsache, dass üblicherweise die linke Gehirnhälfte eines Menschen beim Verstehen und Sprechen den Hauptteil der Arbeit übernimmt. Auch hier gibt es einen Zusammenhang mit der Händigkeit: Denn bei Linkshändern ist es häufig der Fall, dass die rechte Gehirnhälfte bei der Sprache dominiert. Die Bonner Neurowissenschaftler wollen das Ganze jetzt noch ein Stück weiter treiben. Sie wollen herausfinden, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Wirbelrichtung des Haupthaares und der Gehirnhälfte, in der die Sprachverarbeitung stattfindet. Mit der funktionellen Kernspintomographie ist dies auf ungefährliche Weise möglich.

Gesucht werden daher Männer zwischen 20 und 40 Jahren, deren Hauptwirbel eindeutig nach links weist. Frauen kommen als Probanden leider nicht in Frage. Denn, so war von den Hirnforschern zu erfahren, bei Frauen unterliegt die räumliche Organisation der Sprache im Gehirn hormonellen Schwankungen, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen. Je nach Zyklusstand haben Frauen Phasen, in denen die Sprachaktivierung im linken Teil des Gehirns stattfindet, und Phasen, in denen es die rechte Gehirnhälfte ist. Bei Versuchsteilnehmerinnen müsste also immer der Zyklusstand mit berücksichtigt werden, was die Sache unnötig verkompliziert.

Linkshaarige Männer, die sich gern als Probanden zur Verfügung stellen würden, können sich melden bei: Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn Telefon: 0228/287-6172 (Christian Hoppe) E-Mail: christian.hoppe@ukb.uni-bonn.de (Katja Seefeldt)

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