Die Lösung der Eurokrise in Europa

Negativer Zins für gehortetes Geld

Die aktuelle Krise in der europäischen Gemeinschaft ist eine Vertrauenskrise. Wenn keiner dem anderen mehr vertraut, wird Geld dem Umlauf entzogen und dann nützen Zinssenkungen wie zuletzt von der EZB auf ein historisches bisheriges Tief auf 0,75 Prozentpunkte nur bedingt.

Das Ziel, durch niedrige Zinsen die Eigenkapitalquoten der Banken zu erhöhen, mag zwar sinnvoll sein, jedoch müssen diese dann auch durch einen negativen Zins dazu verpflichtet werden, das billig erhaltene Geld in Umlauf zu bringen, d.h. an Unternehmen und Privatleute zu verleihen, damit die Wirtschaft wieder schnell in Schwung kommt.

Viele Banken in Europa geben jedoch gar keine Unternehmerkredite mehr und bestehende Bankkunden werden mit Wucherzinsen von 13 % plus Überziehungszinsen von nochmals 5,5 %, zusammen also 18.5 %, regelrecht abgezockt. Bei derartigen Zinssätzen, die angesichts des historischen Tiefs von 0,75 % Diskontsatz als ausufernd hoch bezeichnet werden müssen, graben sich die Banken ihre eigenen Kundschaft ab, denn zu diesen Sätzen nimmt kein vernünftiger Kunde bei einer Bank Geld auf, was in der Folge den Konsum untergräbt.

Die Lösung der Eurokrise kann deshalb nur gelingen, wenn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wieder zunimmt. Jeder Marshallplan für Europa sollte nachfolgende Regeln enthalten:

  1. Banken, die das billige Geld, welches sie erhalten, nicht an Unternehmen oder Kunden mit günstigen Zinssätzen ausleihen (bei Unternehmen wären aktuell 3,5 % und bei Privatkunden maximal 5 % akzeptabel), sollten auf das bei ihnen gehortete Geld Strafzinsen von 5,5 % bezahlen. Dies ist der gleiche Betrag den viele Geldinstitute ihren Kunden aktuell berechnen.
  2. Einführung von Eurobonds, damit Krisenstaaten durch niedrigere Zinsen sofort entlastet werden.
  3. Banken muss der Eigenhandel sofort verboten werden, damit es nicht wie jüngst bei JPMorgan zu neuen riesigen Kapitalverlusten durch Spekulationen kommt.
  4. Um die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu steigern, sollte eine gezielte Wirtschaftsförderung von Unternehmen stattfinden, die Arbeitsplätze schaffen und damit den Konsum in der Eurozone ankurbeln.
  5. Etablierung einer europaweiten Bankenaufsicht, die Risiken bei Banken schon im Ansatz erkennt und entschärft. Außerdem muss eine klare Trennung des Investmentbankengeschäfts vom sonstigen Bankengeschäft erfolgen. Die Eigenkapitalanforderungen für alle Finanzdienstleister müssen so angepasst werden, dass es zu keinem Systemrisiko für das Gesamtsystem kommen kann.
  6. Um international nicht einseitig von amerikanischen Ratingagenturen abhängig zu sein, ist es wichtig, dass Europa eigene Ratingagenturen hat.
  7. Beschränkung der Spekulation durch Einführung einer Finanztransaktionssteuer und Verbot des Hochfrequenz-Handels der Banken.
  8. Verbot von Derivaten, die nicht der Absicherung von realwirtschaftlichen Geschäften dienen.

Die Tatsache, dass trotz massiver Ausweitung der Geldmenge bisher keine Inflation stattfindet, sondern wir uns in einer deflationären Spirale befinden, ist einzig darauf zurückzuführen, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes während der Eurokrise immer weiter gesunken ist.

Gelingt es, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes durch obige Maßnahmen zu steigern, kann die Ausweitung der Geldmenge gestoppt und damit ein Wirtschaftsaufschwung, der mit steigenden Zinsen einhergeht, etabliert werden. In Nicht-Krisenphasen ist die Umlaufgeschwindigkeit relativ konstant, diese fällt jedoch bei Wirtschaftskrisen erheblich. Deshalb nützen Geldmengensteigerungen und niedrige Zinsen nur, wenn es gelingt, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu steigern. Hier ist die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen in der Eurozone zu setzen, dass genau dies geschieht.

Sobald die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wieder ansteigt, d.h. Vertrauen in die Märkte wieder zurückkehrt, kann die Krise als beendet erklärt werden. Die bisherige Krisenpolitik in der Eurozone ist jedoch alles andere als vertrauensbildend, da sich von Seiten der Bundesregierung bisher niemand wirklich mit dem Problem der Umlaufgeschwindigkeit des Gelds ernsthaft auseinandergesetzt hat. Wenn dann auch noch die Verbraucher das Geld von der Bank abheben und zuhause horten, oder es lieber in Sachwerten wie Immobilien, Gold- und Silberanlagen investieren, dann nimmt die deflationäre Spirale unweigerlich Ihren Lauf.

Wer die Todesspirale der Deflation durchbrechen will, muss die Wirtschaft nicht auf wenige Parameter reduzieren, sondern die Wechselwirkung einer Vielzahl von Faktoren beachten. Nicht die Notenbanken alleine können es richten, sondern nur die Regierungen, indem sie einen vertrauenswürdigen Rahmen für die Währungsunion schafft.

Politiker sollten zur Kenntnis nehmen, dass eine Verdoppelung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bei sonst gleichen Parametern auch das Bruttosozialprodukt verdoppeln würde. Es reicht also bereits ein zehnprozentiger Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, um nachhaltige Effekte für das Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Der von Silvio Gesell geforderte negative Zins für gehortetes Geld kann sehr schnell einen großen Wachstumsimpuls auslösen, der eine Reduzierung des Geldmengenanstieges und steigende Zinsen herbeiführt, was zu einem gesunden Wirtschaftswachstum dazugehört. Ein steigendes Wirtschaftswachstum sorgt für mehr Liquidität für die angeschlagenen Staaten und im Rahmen von Eurobonds zu einem Solidaritätsbeitrag der stärksten für die schwächeren Länder. Die Krise in Europa ist lösbar, es braucht jedoch auch den Willen der Politiker, wirklich etwas verändern zu wollen.

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