Die Luca-App: Dilettantisch und sinnlos

Cloud-Produkte, Kneipiers, Rapper und Verhaltensanalysen

Für diese Interpretation sprechen schon die Businessmodelle der Hersteller der Luca-App, einem interessanten Konglomerat aus Start-ups und Kulturschaffenden. Nexenio, eine Ausgründung des Hasso-Plattner-Instituts, die Culture4life GmbH und die im November 2020 gegründete Fantastic Capital Beteiligungsgesellschaft UG.

Das Berliner Start-up Nexenio hat nach eigenen Angaben 50 Mitarbeiter und wirbt auf seiner Webseite für drei Produkte: ein Cloud-Whiteboard, ein Cloud-Produkt für die Bundesdruckerei sowie Seamless.me, die "verhaltensbasierte Authentifizierung nutzt Sensoren in mobilen Geräten wie Smartphones oder Smartwatches". Vor allem den Verweis zur Bundesdruckerei zieht man gebetsmühlenartig heran, um die Qualität der eigenen Arbeit zu beteuern.

Inhaber und Betreiber des Luca-App-Systems ist die im Impressum der Luca-App genannte Culture4life GmbH, "an der neben der Nexenio GmbH (41 Prozent) auch Marcus Trojan UG (27,5 Prozent, Geschäftsführer), Fantastic Capital Beteiligungsgesellschaft UG (22,9 Prozent) sowie Centineo Investment I GmbH & Co KG (8,3 Prozent) beteiligt sind. Unternehmenszweck ist die Erbringung von Dienstleistungen in der Informationstechnik."1

Marcus Trojan kennen die Berliner noch vom Club "Weekend", mit dem er sich einen fragwürdigen Namen machte, weil er mit markigen Sprüchen reichere Klientel in seinen Club locken wollte: "Wer nicht in der Lage sei, 20 Euro für ein Taxi zu bezahlen, sei für ihn auch nicht attraktiv als Kunde", schrieb 2014 der Berliner Tagesspiegel. Er habe eben "eine ganz spezielle Vorstellung von der Zielgruppe die sein Club anziehen soll."

Die GbR Beck, Dürr, Rieke, Schmidt

Und wer steckt hinter der Ende 2020 gegründeten Fantastic Capital Beteiligungsgesellschaft UG? Laut Branchenverzeichnissen eine GbR der Herren Beck, Dürr, Rieke, Schmidt – die Fantastischen Vier. Die haben übrigens gerade letztes Jahr ihre 30-Jahres-Jubiläumstournee verschieben müssen ("Und wir WERDEN diese 30 JAHRE LIVE Shows spielen - no matter what! (...) Alle Tickets behalten uneingeschränkt ihre Gültigkeit und müssen nicht umgetauscht werden!"). Die Corona-Zeiten sind sicher hart, aber weder Trojan noch die Fanta 4 stehen im Verdacht, "IT-Dienstleistungen" erbringen zu können, aber sie halten zusammen mehr als 50 Prozent einer Firma, die genau das verspricht.

Auch ist es ungewöhnlich, dass eine Gruppierung wie Culture4life unkompliziert und ohne Ausschreibungen Millionen an Steuergeldern erhält, wie das gerade geschieht. Die Mittel stammen aus Niedersachsen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Thüringen.

Trotz zahlreicher Konkurrenzprodukte auf dem Markt sind Ausschreibungen ausgeblieben, bis zu zehn Millionen Euro sollen bereits geflossen sein. "Mecklenburg-Vorpommern ist meines Wissens nach das einzige der Dataport-Trägerländer, das eine eigene Markterkundung gemacht hat. Haben elf Bundesländer Lizenzen der #lucaApp gekauft ohne Ausschreibung und auf Basis von online zusammen kopierten Textblöcken?", fragt die Investigativ-Journalisting Eva Wolfangel. Es wird nicht lange dauern, bis Konkurrenten gerichtliche Schritte einleiten, eine Klage läuft offenbar schon.

Datenschützer aus Baden-Württemberg und Thüringen rudern vor und wieder zurück. Im ostdeutschen Bundesland ergab eine Schnellprüfung erst grünes Licht für Luca, nach gründlicherer Prüfung schlug man aber Alarm. Über das ursprüngliche Urteil, das der App ein "gutes Niveau" bescheinigte reagierten viele Experten mit Kopfschütteln.

(Markus Feilner)