Die Mafia-Gas-Pipeline

Autoritäre Regierungen

Ein stichhaltiges Argument der TAP-Gegner ist, dass die Pipeline die autoritären Regierungen in Aserbaidschan, aber vielleicht durch eine zukünftige Gas-Pipeline auch in Turkmenistan unterstützen würde, wo täglich Grundfreiheiten verletzt werden.

Wer ist eigentlich am Bau dieser Pipeline interessiert und wer nicht? Wer hat den Verlauf der Pipeline entschieden? Warum wurde ein Schweizer Privatkonzern mit einem so teuren und umstrittenen Projekt beauftragt, das die europäischen Behörden für strategisch erklärt haben? Müssen tatsächlich Milliarden Kubikmeter Gas herrliche Strände und Jahrhunderte alte Olivenhaine durchqueren?

Recherchen und aufschlussreiche Antworten der Wochenzeitung L’Espresso wurden hierzu am 2.4.2017 veröffentlicht. L'Espresso konnte vertrauliche Dokumente der Europäischen Kommission einsehen, die die entscheidende Rolle eines bisher unbekannten Mutterunternehmens aufzeigen, das die TAP geplant hatte. Es heißt EGL Produzione Italia, wird aber von der Schweizer Gruppe Axpo kontrolliert, deren CEO der Schweizer Raffaele Tognacca, alias Mr TAP, ist.

Auch die heutige Präsidentin der Schweiz, Doris Leuthard, war mehrere Jahre lang ein Vorstandsmitglied. Tognacca soll durch seine Holding Viva Transfer schmutziges Geld für die kalabrische Mafia und südamerikanische Drogenhändler gewaschen haben, was während einer Anti-Mafia-Untersuchung als eine beispielhafte Aktion internationaler Geldwäsche bezeichnet wurde.

EGL hatte für die TAP in den Jahren 2004 und 2005 zwei nicht rückzahlbare Finanzierungen der EU über mehr als drei Millionen für Machbarkeitsstudien und Projektplanungen erhalten. Die Einsicht weiterer Dokumente soll den Journalisten des Espresso von der Kommission aus Gründen des Datenschutzes und zur Sicherheit der multinationalen Unternehmen allerdings verweigert worden sein.

Im Jahr 2009 wurde die TAP Asset AG, eine weitere Tochtergesellschaft der Axpo mit Sitz in Rom, der neue Zahlungsempfänger der Restdarlehensgewährung, was die Europäische Kommission akzeptierte. Neben der Schweizer Gruppe sind auch die British Petrol, die italienische Snam, die belgischen Fluxys, Spaniens Enagas und der aserbaidschanische Az-tap Aktionäre der TAP AG.

Der russische Riese Lukoil ist mit 10 Prozent in die Holding mit eingestiegen, die von BP und dem aserbaidschanischen Unternehmen Socar geleitet wird. Italienische Abhörungen sollen die Existenz geheimer Vereinbarungen mit anderen russischen, Putin-treuen Unternehmen bezeugen - so viel zur anti-russischen Funktion der Pipeline.

Angeblich sollen ebenfalls Manager mitverstrickt sein, die in engen Beziehungen zu Politikern auf höchster Ebene standen, wie etwa zum ehemaligen Ministerpräsidenten Massimo D’Alema; so wie Protegés des für Mafia-Verbrechen verurteilten, ehemaligen Senators von Forza Italia Marcello Dell’Utri.

Eine reine Weste soll auch der wichtigste Manager der TAP AG, Zaur Gahramanov, nicht haben. Der in Aserbaidschan geborene Bevollmächtigte spielt in allen wichtigen Unternehmen der Maxi-Pipeline eine entscheidende Rolle - und auch er soll sehr viel schmutziges Geld versteckt haben.

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