Die Menschen wollen nicht wissen, was sie erwartet

Wissen über die persönliche Zukunft: Nein, danke

Die positiven Ereignisse sind etwas komplizierter. So wurde gefragt, ob man den Ausgang eines Spiels in der Fußballweltmeisterschaft, das man gerade im Fernsehen ansieht, von einem Freund wissen will, der es bereits gesehen hat. 70 Prozent sagen Nein. Weihnachtsgeschenke im Voraus wollen 60 Prozent nicht wissen, 57 Prozent wollen auch nicht wissen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. 40 Prozent wollen gar nicht über Ultraschall wissen, welches Geschlecht ihr Kind hat, was faktisch aber wohl anders ist. Und fast 49 Prozent sind nicht interessiert daran, den teuren Kauf eines Wertgegenstands überprüfen zu lassen.

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Die Wissenschaftler schließen aus den Ergebnissen - Deutsche und Spanier unterschieden sich kaum - , dass rationale Entscheidungstheorien kaum eine Grundlage haben und dass die Menschen nicht nach Gewissheit streben und bereit sind, mit Unwissen zu leben. Gerd Gigerenzer, Direktor des Forschungsbereichs "Adaptives Verhalten und Kognition" am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, deutet dies so: "In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass Menschen die Sehergabe, die Kassandra berühmt machte, eher ablehnen und auf Wissen über ihre persönliche Zukunft lieber verzichten. Dahinter steht das Bestreben, mögliches Leid und Bedauern zu umgehen, welches das Wissen über die Zukunft mit sich bringen könnte. Gleichzeitig möchten sie sich aber auch die freudige Spannung von schönen Erlebnissen erhalten."

Unterschiede sind fast vernachlässigbar, auch wenn ältere Menschen noch etwas weniger interessiert darin sind zu erfahren, wann sie oder ihr Partner sterben werden als jüngere. Gleichwohl sagen die Wissenschaftler: "Je näher das mögliche Eintreten in der Zukunft liegt, desto weniger wollen Menschen etwas darüber erfahren." (Florian Rötzer)

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