Die Menschheit hat eine zehnprozentige Wahrscheinlichkeit des Überlebens

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Statistische Berechnungen von Wissenschaftlern geben uns nur wenige Jahrzehnte bis zur Apokalypse der Menschheit

Wir tanzen auf dem Vulkan, die Apokalypse für die Menschen nähert sich, wenn wir so weitermachen. Das sagen nicht Anhänger von Extinction Rebellion (XR) oder Fridays for Future, sondern die Wissenschaftler Mauro Bologna vom Departamento de Ingeniería Eléctrica-Electrónica, Universidad de Tarapacá in Chile und Gerardo Aquino vom Alan Turing Institute in London in dem Beitrag Deforestation and world population sustainability: a quantitative analysis, der in den Scientific Reports von Nature erschienen ist. Sie haben von den vielen Faktoren, die das Klima beeinflussen, einen der wichtigsten untersucht, nämlich die Folgen der Entwaldung durch den Menschen. Vor der Entstehung der menschlichen Kulturen hat Wald 60 Millionen Quadratkilometer der Erdoberfläche bedeckt, jetzt seien es nur noch 40 Millionen - und der Wald schrumpft weiter.

Bäume lagern CO2 ein, produzieren Sauerstoff, sind wichtig für die Erhaltung der Böden und den Wasserzyklus: "Bäume und Wälder sind unsere besten Atmosphärensäuberer und es ist angesichts der entscheidenden Rolle, die sie im irdischen Ökosystem spielen, höchst unwahrscheinlich, sich das Überleben vieler Arten, unsere eingeschlossen, ohne sie auf der Erde vorzustellen", schreiben die Autoren.

Von dieser Annahme ausgehend, haben sie die Interaktion zwischen Wäldern und Menschen im Hinblick auf das Überleben der Menschheit und die weitere technische Entwicklung statistisch untersucht, wenn die Entwaldung weiter so voranschreitet wie bisher. Und sie machen gleich zu Beginn klar, dass sie wenig optimistisch sind und einen "katastrophalen Zusammenbruch" erwarten. Die Wahrscheinlichkeit des Überlebens verbinden sie mit der technischen Fähigkeit, die Energieressourcen des Sonnensystems ausbeuten und sich in ihm verbreiten zu können. Technischen Fortschritt könne man nach der Energiemenge beurteilen, die eine Zivilisation nutzen kann.

Jährlich werden von den Menschen durchschnittlich 200.000 Quadratkilometer entwaldet. Ginge es so weiter, gäbe es in 100 oder 200 Jahren keine Wälder mehr, allerdings unter der Annahme, dass die Entwaldung überall gleichmäßig vor sich geht. Die klimatischen Folgen wären allerdings schon weitaus früher spürbar, zumal wenn zentrale Wälder wie in Amazonien verschwinden, was sich gerade wieder beschleunigt hat. Mit zunehmender Erwärmung kann es auch zu mehr Waldbränden kommen wie etwa in Sibirien.

"Einige wenige Jahrzehnte bis zu einem irreversiblen Zusammenbruch unserer Zivilisation"

Ihrem Modell legen sie die Entwicklung der Menschen auf der Osterinsel (Rapa Nui) zugrunde, die ihren technischen Fortschritt mit einer Intensivierung der Landwirtschaft und der Entwaldung verbunden haben, wie dies Jared Diamond ausgeführt hat, was schließlich zum Zusammenbruch der Kultur geführt haben könnte. Die Erde sei der Osterinsel mitten im Pazifik und Tausende von Kilometer entfernt vom nächsten Festland vergleichbar, zumindest für die nächsten Jahrzehnte können die Menschen sie nicht verlassen.

Wie wahrscheinlich es ist, dass die Menschheit Techniken erfindet, um den ökologischen Kollaps zu verhindern oder um auf einen anderen Planeten auszuwandern, machen die Wissenschaftler davon abhängig, wann die Bevölkerung ein mit der Entwaldung zusammenhängendes Maximum erreicht hat, nach dem ein konfliktreiches Schrumpfen oder eine Auslöschung der Menschheit erfolgen soll. Das Maximum wäre der Punkt, an dem es keine Rückkehr mehr gibt, weil dann mit der fortgeschrittenen Entwaldung die Menschen nicht mehr erhalten können.

Wie man sieht, spielen die Autoren mit vielen Wahrscheinlichkeiten und Annahmen, dabei auch noch ausgehend von der Waldbedeckung der Erde vor der menschlichen Kultur gewissermaßen als Nullpunkt. Je nach Ausgangsdaten könnten wir nach den beiden Wissenschaftlern in 22 oder 170 Jahren vor dem Wendepunkt stehen, wahrscheinlich blieben uns noch 20-40 Jahre.

Die Wahrscheinlichkeit soll im optimistischen Szenario nur bei 10 Prozent stehen, dass die Menschheit überlebt, wenn das globale Bevölkerungswachstum und der Ressourcenverbrauch so weitergehen wie bisher: "Wir haben einige wenige Jahrzehnte bis zu einem irreversiblen Zusammenbruch unserer Zivilisation. Was die Situation noch schlimmer macht, betonen wir noch einmal, dass es nicht realistisch ist, dass das Schrumpfen der Bevölkerung in einer Situation der Umweltzerstörung nicht chaotisch und gut geordnet verläuft."

Nicht genug, den nahen Untergang der Zivilisation zu prophezeihen, da in der kurzen Zeit kein Auswandern auf andere Planeten möglich sein wird, glauben die beiden Autoren auch einen Maßstab für alle Kulturen zu haben. Etwa zwei Jahrhunderte habe eine Gesellschaft, nachdem sie ihr voll entwickeltes industrielles Zeitalter erreicht hat, um sich im jeweiligen Sonnensystemen zu verbreiten.

Aber die Botschaft ist, dass nur Zivilisationen überleben können, die nicht völlig der Ökonomie untergeordnet sind: "Nur Zivilisationen, die rechtzeitig in der Lage sind, von einem ökonomischen Gesellschaft zu einer Art 'kulturellen' Gesellschaft umzuschalten, werden überleben." Aber wie diese kulturelle Gesellschaft aussehen könnte, verraten sie nicht.

Klar ist allerdings, dass der Kapitalismus, zumindest solange die natürlichen Ressourcen nicht teuer gekauft werden müssen, uns vorhersehbar dem Untergang näherbringen wird. Die Weltraummilliardäre wie Musk, die vom gewinnbringenden Auswandern träumen, haben keine Alternative, sondern bieten nur eine Fortsetzung des Gleichen an. (Florian Rötzer)