Die Mossadegh-Legende

Mohammad Mossadegh (1951). Bilder: US Department of State / bbcpersian / Public Domain

Der Putsch von 1953 gegen Irans demokratischen Premier Mohammad Mossadegh. Eine kommentierende Analyse

Im August 1953 haben die CIA und der MI6 (Britischer Auslandsgeheimdienst) in einer verdeckten Aktion die Regierung von Premier Mohammad Mossadegh im Iran zum Sturz gebracht. Der Coup wird als eines der wichtigsten Ereignisse des Nahen Ostens im 20. Jahrhundert bezeichnet.

Nach der Iranischen Revolution vom Februar 1979 veränderte sich das Gesamtbild des Nahen Ostens radikal und der amerikanisch-iranische Konflikt, insbesondere mit Hinblick auf den Nuklearstreit, löste den israelisch-palästinensischen Konflikt als bedeutendsten, größten und gefährlichsten Konflikt ab.

Im Lichte dieses eskalierenden Streits greifen Politiker, Politikwissenschaftler und Journalisten auf die Historie zurück, um diese scheinbar konstitutive Feindschaft zwischen den beiden Ländern zu erklären. Der Coup von 1953 dient etlichen Historikern, Politikern, Sozialwissenschaftlern und Journalisten als ein zentrales Teil des Puzzles, das zur Deutung des aktuellen Disputs zwischen den USA und Iran herangezogen wird.

Der Putsch blieb in der Tat keineswegs eine politische Randnotiz, sondern manifestiert sich in seinen Auswirkungen auch Jahrzehnte später. Die politischen Nachbeben der Operation TPAJAX (Codename der Operation) wirkt bis heute noch in den politischen sowie diplomatischen Beziehungen zwischen Iran und den USA spürbar nach.

Der Gegenstand des Coups gilt jedoch auch als "gefundenes Fressen" für Verschwörungstheoretiker, Populisten und Lagerkämpfer aus Politik, Wissenschaft und Journalismus, um deren einseitigen und meist undifferenzierten Analysen zu unterstützen. In Standardwerken setzen sich dahingegen etablierte Wissenschaftler mit dem Thema des Putsches im Iran kritisch auseinander.

Involvierung der schiitischen Geistlichkeit in den Putsch

Die meisten von ihnen gehen davon aus, dass ohne die CIA und MI6 der Coup nicht möglich gewesen wäre. Zur Ironie gehört auch, dass die "Mullahs" selbst zu den größten Verdrehern der Geschichte geworden sind. Überall wo iranische Diplomaten auf internationalem Parkett auftreten und es um die Beziehungskrise zwischen Iran und den USA geht, schreien sie sofort die Operation Ajax und den Sturz des demokratischen Premierminister Mossadegh heraus. Dabei sind die Mullahs selbst der größte Feind Mossadeghs.

Die nicht unerhebliche Involvierung der schiitischen Geistlichkeit in den Putsch ist heute nach der Offenbarung der geheimen Dokumente durch das US-Außenministerium mehr als evident. Nach dem Sieg der Iranischen Revolution wurde Mossadegh angefeindet und nicht einmal eine Gasse wurde nach ihm benannt, während in der Hauptstadtmetropole bedeutende Straßen Teherans nach dem Terroristen Khalid el-Islambuli, dem Mörder des ägyptischen Präsidenten Mohammad Anwar as-Sadat, - und dem Hisbollah-Terroristen Emad-Moghnie benannt sind.

Während die USA und Großbritannien machtpolitische bzw. ökonomische Differenzen zu Mossadegh hatten, hatten und haben die Mullahs und ihr ziviler Anhang ideologisch-religiösen Hass gegen Mossadegh, der ein säkularer Politiker war. Kurz nach dem Sieg der Revolution wurde Mossadeghs "Nationale Front" verboten und zahlreiche Mossadegh-Vertraute wurden bestenfalls isoliert, einige sind ins Ausland geflüchtet wie der Vorsitzende Karim Sanjabi.

Dieser Beitrag soll dem Coup vom 19. August 1953 und dem Sturz von Mossadegh auf den Grund gehen und dessen Hintergrund und Rahmenbedingungen profund und datenbasiert erhellen.

Zwei Anläufe

Der Putsch ereignete sich in zwei Etappen. Das Überbringen der Entlassungsurkunde Mossadeghs durch Oberst Nematoallah Nasiri mit einer kleinen Armeeeinheit gegen Mitternacht des 15. auf den 16. August 1953 wird als der erste Putschversuch bezeichnet. Dieser ist mit der Weigerung Mossadeghs, seine Entlassung anzunehmen, und der Verhaftung des Kommandeurs der Einheit - Oberst Nasiri - gescheitert.

Als Konsequenz verließ der Schah mit seiner Gemahlin Soraya das Land in Richtung Bagdad und reiste dann weiter in die italienische Hauptstadt Rom. In einem zweiten Anlauf, nur vier Tage später (am 19. August), triumphieren die Putschisten und an deren Spitze CIA-Agent Kermit Roosevelt über den Fall Mossadeghs.

Seit einigen Jahrzehnten untersuchen die internationale Fachwelt und auch renommierte iranische Politikwissenschaftler, Politiker und Journalisten in den vergangenen Jahren mit differenziertem und kritischem Blick dieses Ereignis und gehen der Rolle Mossadeghs und seiner Vertrauten in der Nationalen Front im Detail nach.

Es wird sogar und gerade aufgrund der rechtskräftigen Legitimität der Handlungen im Vorfeld des Putsches die Frage gestellt: War dies überhaupt ein Putsch?

Einer der Protagonisten, CIA-Agent Kermit Roosevelt, betitelte sogar sein Buch über jene historischen Ereignisse mit "Gegenputsch" (Countercoup). Er meint, dass der zweite erfolgreiche Putsch im Grunde genommen eine Aktion gegen bzw. eine Reaktion auf den Putsch von Mossadegh gewesen sei, weil er sich der rechtmäßigen Farman (königliches Dekret zur Entlassung Mossadeghs) widersetzt hätte.

Die Auflösung des Parlaments durch Mossadegh

Der erste Coup geschah nur wenige Tage nach der Auflösung des Parlaments durch Mossadegh. Der Premier hatte die Annullierung des Parlaments nach einem nationalen Referendum am 3. August 1953 in Teheran und am 10. August in anderen Städten (Frauen waren nicht wahlberechtig) durchgesetzt.

Jene Aktionen sollten sich im weiteren Verlauf als die Achillesferse des Premier Mossadegh herausstellen. Mossadegh löste das Parlament nach dem Ergebnis des Referendums auf und forderte am 12. August vom Schah, das 17. Parlament offiziell für aufgelöst zu erklären und Neuwahlen für das 18. Parlament einzuleiten.

Das war das erste Referendum in der iranischen Geschichte, das sehr undemokratisch vonstatten ging und das Mossadegh und dessen Innenministerium reichlich Kritik auch von Seiten einiger seiner gesetzestreuen Mitstreiter einbrachte. Allein das Ergebnis erschien mit einer Zustimmungsquote von 99,94% zur Auflösung als unglaubwürdig.

Hervorzuheben ist die entscheidende Rolle der externen Mächte (USA und Großbritannien), ohne deren Hilfe der Schah seinen Thron nicht hätte retten können. Ohne die Involvierung der beiden ausländischen Staaten wäre die Bezeichnung "Coup d'État" gänzlich unzutreffend.

Die folgenden Ausführungen sollen die Vorstufen und Etappen, die in das historische Ereignis vom 19. August 1953 mündeten, beleuchten und anschließend den Verlauf des Putsches sowie dessen Ergebnis konzise, aber profund skizieren.

Innenpolitischer Hintergrund

Das iranische Parlament (Majlis) verabschiedete unter Premierminister Hossein Ala das Gesetz zur Nationalisierung der Ölindustrie. Mohammad Reza Schah Pahlavi unterzeichnete am 15. März 1951 das von beiden Kammern (Majlis und Senat) verabschiedete Gesetz und Mossadegh wurde mit Unterstützung des iranischen Parlamentes durch den Schah mit der Durchsetzung der Verstaatlichung beauftragt.

Dr. Mohammad Mossadegh - ein charismatisch Politiker aus einer reichen Grundbesitz-Familie - wurde am 29. April 1951 vom Mohammad Reza Schah Pahlavi zum Premierminister ernannt. Mossadegh war Vorsitzender der "Nationalen Front" (eine Koalition aus nationalistischen, liberalen, säkularen, sozialistischen, sozialdemokratischen Oppositionsgruppen und Parteien und Persönlichkeiten Irans).

Einen Tag später, am 30. April 1951, wurde die National Iranian Oil Company (NIOC) gegründet. Fortan sollten die Förderanlagen und Raffinerien der Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) vom iranischen Gegenstück übernommen werden und die iranische Ölindustrie somit vollständig unter inländischer Kontrolle stehen.

Die britischen Teilhaber wurden enteignet und zahlreiche britische Arbeiter, Ingenieure und Konstrukteure mussten das Land verlassen. Der Vertrag, der bis zum Jahr 1993 das Recht auf Erkundung, Erschließung und Gewinnung des iranischen Erdöls Großbritannien bzw. der Anglo-Iranian Oil Company (AIOC) zusicherte und Iran nur einen Nettogewinnanteil von 20 Prozent erzielte, wurde aufgelöst.

Die Regierung in London wandte sich an den Internationale Gerichtshof in Den Haag und reichte eine Klage ein. Am 20. Juli 1952 wurde seitens des Internationalen Gerichtshofs verkündet, dass letzterer keine rechtliche Zuständigkeit in diesem Streit habe.

Dies entsprach der iranischen Position. Mossadegh wurde als Held gefeiert und in vielen Teilen der damaligen "Dritten Welt" hochgeachtet. Er hatte persönlich an der Sitzung in Den Haag teilgenommen und als Jurist die Verteidigung der iranischen Position übernommen. Bei seiner Rückkehr in den Iran besuchte Mossadegh auch Ägypten und wurde von der Bevölkerung großartig empfangen. Das Time-Magazin wählte ihn sogar zum "Mann des Jahres 1951".

London gab sich jedoch nicht geschlagen und wandte sich daraufhin an den UN-Sicherheitsrat. Die britische Regierung erwirkte eine Seeblockade gegen den Iran im Persischen Golf, um so dessen Erdölexport zu beschränken. Als Konsequenz schrumpften die iranischen Einnahmen erheblich. Der zusätzliche Verlust an Knowhow durch die Ausweisung der britischen Arbeiter führte zur wirtschaftlichen Krise im Iran.

Drei wichtige Ereignisse vor dem Putsch

Die drei wichtigsten Ereignisse waren "ghiyame sie tir" 30 (Aufstand am 20. Juli 1952), die Tumulte vom 28. Februar 1953 und die Auflösung des Parlaments durch ein Referendum seitens Premier Mossadegh. Alle drei kann man als Machtkampf zwischen Schah und Mossadegh bezeichnen.

Beim ersten Ereignis ging Mossadegh als Sieger hervor. Er erreichte sein Ziel, volle Kontrolle über Verteidigungsministerium, Armee, Polizei, Gendarmerie zu erhalten, indem er kurzweilig zurücktrat, weil der Schah ihm dies verweigert hatte. Durch Massenproteste im Juli 1952 und wieder am 22. Juli 1953 wurde Mossadegh zum Premierminister mit Erfüllung seiner Forderungen ernannt wurde. Dabei ging es um Befugnisse, die zuvor dem Schah oblagen.

Das iranische Parlament erteilte auf Wunsch Mossadeghs ein "Ermächtigungsgesetz", wodurch Mossadegh mit außergewöhnlichen Vollmachten ausgestattet wurde. Der Schah kooperierte und unterzeichnete das Ermächtigungsgesetz. Mossadegh hatte die Zwillingsschwester des Schah Prinzessin Ashraf, sowie die Mutter des Schah, Königin Taj al-Muluk zum Verlassen des Landes quasi gezwungen, da er in ihnen Verschwörer gegen seine Regierung sah.

Mossadegh übernahm persönlich das Verteidigungsministerium und ernannte Brigadegeneral Mohammad Taghi Riyahi zum Leiter des Stabs der Armee. Damit stand Irans Armee und Polizei, zumindest auf Befehlshaber-Ebene, bis zum Zeitpunkt des Putsches weitgehend unter Kontrolle Mossadeghs.

Mossadeghs Position wurde mächtiger als die des Schah. Mit dem Ermächtigungsgesetz setzte Mossadegh eine Reihe von ökonomischen, finanziellen, bildungspolitischen Reformen durch. Zeitgleich verschlechterte sich durch die von Großbritannien errichtete und anhaltende Blockade die ökonomische Lage des Landes dramatisch.

Die Tumulte vom 28. Februar 1953 entschied der Schah für sich. Er wollte das Land für eine Reise verlassen. Die prominente Gruppe aus Kritikern, darunter Ayatollah Kashani (bis dato ein wichtiger Verbündeter Mossadeghs), sahen in der Aktion einen möglichen Komplott Mossadeghs: Letzterer wolle den Schah wegschicken und in seiner Abwesenheit die Republik ausrufen. Ayatollah Kashani wechselte die Front und stellte sich gegen den Premier.

Erklären lässt sich dies damit, dass (nach Ervand Abrahamian, siehe Literaturangaben am Ende des Artikels) Mossadegh nicht einen der Ministerposten im Kabinett Kashani nahestehenden Personen überlies. Bei der Verabschiedung des Königspaars im Marmorpalast wurde Mossadegh von einer weitgehend künstlich geschaffenen Menge bedroht und musste aus Furcht durch die Hintertür des Palastes nach Hause befördert werden.

Die Anti-Mossadegh-Demonstration zeigte Erfolg und der Schah verzichtete auf die Reise. Der Mob stürmte zu Mossadeghs Haus, sodass dieser auch von dort fliehen musste. Der 28. Februar 1953 war die bedeutendste Vorstufe des Coups. Die Kluft zwischen Schah und Mossadegh wurde tiefer. Der Premier verlor an jenem Tag zudem einige seiner wichtigsten Verbündeten, darunter der genannte Ayatollah Kashani.

Die Auflösung des Parlaments als drittes Ereignis war die letzte wichtige Amtshandlung Mossadeghs. Mossadeghs Fraktion hatte eine schwache Mehrheit und dieser gelang es, Kashani als Vorsitzenden des Parlamentes abzuwählen. Aber Mossadegh fürchtete seit Beginn seiner Amtszeit Verschwörungen seitens der Armee, des königlichen Hofes sowie des Parlamentes.

Er sah ausländische Hände (aus Großbritannien) als Drahtzieher hinter Spannungen im Parlament und befürchtete, Großbritannien und dessen Handlanger könnten Parlamentarier kaufen und somit gegen seine Regierung ein Misstrauensvotum beantragen - somit wären seine ganze Bemühungen um die Nationalisierung der Ölindustrie und die Liberalisierung des politischen Systems dahin.

Eine schicksalhafte Entscheidung

Mossadegh traf eine schicksalhafte Entscheidung und griff zur Auflösung des Parlaments durch einen Volksentscheid, um den vermeintlichen Sturz seiner Regierung zuvorzukommen. Er forderte zunächst den Rücktritt seiner Anhänger im Parlament und beschloss dann, das gesamte Parlament aufzulösen.

Dies sollte durch das Votum des Volkes - das erste Referendum in der iranischen Geschichte - bestätigt vonstattengehen. Sowohl die Auflösung des Parlaments als auch das Abhalten des Referendums durch Mossadegh waren aber verfassungswidrig. Die Annullierung des Parlamentes oblag nicht dem Premier und das Referendum gab es nicht in der Verfassung.

Das Referendum verlief unsauber und undemokratisch, was Mossadegh und seinem Innenministerium sehr viel Kritik auch vonseiten einiger gesetzestreuer Mitstreiter einbrachte. Allein das Ergebnis erschien mit 99,94% "Ja"-Stimmen für die Auflösung des Parlaments sehr unglaubwürdig. Befürworter und Gegner mussten ihre Stimmzettel in getrennten Urnen einwerfen, die sich an zwei verschiedenen Orten befanden. Das Prinzip der geheimen Wahl war missachtet.

Bei der starken Popularität Mossadeghs wurden die Gegner der Auflösung des Parlaments durch die hohe Anzahl der Befürworter eingeschüchtert. In etlichen Wahlkreisen soll es keinen einzigen Stimmzettel mit "Nein" gegeben haben.

So kam das Ergebnis von 99,94% für die Auflösung des Parlaments zustande. Der Premier jedoch akzeptierte dieses Wahlergebnis ohne Bedenken und nahm es zum Anlass, das Parlament aufzulösen. Am 12. August forderte er den Schah auf, das 17. Parlament offiziell für aufgelöst zu erklären sowie die Anordnung zu Neuwahlen für das 18. Parlament zu erteilen.

Internationale Rahmenbedingungen am Vorabend des Coups

Seit Beginn des Kalten Krieges betrachteten die USA den Iran aufgrund seiner strategischen Lage zwischen der Sowjetunion und den Ölfeldern am Persischen Golf als wichtigen bzw. vitalen Verbündeten.

Nach der Krise in der iranischen Provinz Aserbaidschan 1945-46, als die von Stalins Sowjetunion unterstützten Separatisten versuchten, "autonome Republiken" in zwei iranischen Provinzen (Aserbaidschan und Kurdistan) zu schaffen, bestand die Hauptsorge der USA darin, dass sich die politische Lage im Land destabilisieren könnte.

Was motivierte die USA zur Intervention im Iran?

Dies würde die kommunistische Tudeh-Partei ausnutzen. Letztere stand Moskau nahe und versuchte, seine Kader in Schlüsselpositionen zu bringen, um nach einer gelungenen Infiltration und mit sowjetischer Unterstützung die Macht im Land an sich zu reißen.

Die Partei war organisatorisch die Stärkste im Iran und auch die mächtigste kommunistische Partei des Nahen Ostens. Die 1941 gegründete Tudeh war in den späten 1940er Jahren zu einer populären politischen Organisation geworden. Sie verfügte über vielfältige Netzwerke.

Sie zählte mindestens 25.000 Mitglieder und um das Vierfache mehr Sympathisanten, darunter Offiziere vom Rang eines Oberst bis Leutnant, im Militär (Luftwaffe, Artillerie, Infanterie, Offizier-Fakultät), in der Gendarmerie und bei der Polizei. Die Partei hatte eine enorme Mobilisierungskraft durch Syndikate, Organisationen, Zeitungen und Zeitschriften.

Der Pro-Mossadegh-Juliaufstand von 1952 mit bis zu 100 000 Demonstranten war weitgehend ein Werk der Tudeh-Partei. Die Offiziere waren aufrichtige Patrioten und manche von ihnen liebten Mossadegh. Doch für sie stand der Glaube an den Kommunismus und die kommunistische Internationale über allem.

Die amerikanische Furcht vor einer Machtergreifung der Tudeh-Partei war nicht unbegründet. Es lag im Bereich des Möglichen, dass die Partei bei wachsenden Unruhen und einer weiteren Schwächung Mossadeghs die Macht übernehmen würde, ein Alptraum für Washington.

US-Offizielle glaubten, dass die Tudeh eine populäre Volksfrontstrategie verfolgte, die den Aufbau von Allianzen mit fortschrittlichen nichtkommunistischen Kräften beinhaltete. Sie waren zutiefst besorgt, dass sie versuchen würde, Mossadeghs Nationale Front zu untergraben.

Die Parteiführung der Tudeh unterstützte Mossadegh seit dem Aufstand vom 20. Juli. Für die Truman-Administration (1945-1953) war der Nahe Osten wichtiger als der Korea-Krieg, der ein düsteres neues Kapitel im Kalten Krieg eröffnet hatte.

"Hier ist es, wo die Probleme beginnen werden, wenn wir nicht vorsichtig sind. Wir müssen agieren und nicht einfach danebenstehen, sonst bewegen sie [Sowjetunion] sich in Richtung Iran und damit werden sie den gesamten Mittleren Osten übernehmen", so Truman.

Die Truman-Administration wusste, dass Mossadegh eigentlich ein Anti-Kommunist war und sehr bedacht gegenüber der Tudeh-Partei und der Sowjetunion vorging. Die Regierung in Washington setzte auf die Popularität des Premiers als wirksames Bollwerk gegen den Einfluss der Tudeh-Partei.

Die US-Administration machte eine Reihe von Vorschlägen, um den Ölkonflikt beizulegen. Die USA verhinderten die "Operation Buccaneer", mit der Großbritannien den iranischen Hafen Abadan besetzen wollte.

Die USA sind beunruhigt über eine instabile Lage

Die Geschichtsbücher und das kollektive Gedächtnis der Iraner nehmen kaum Notiz von dieser Situation. Ebenso verhält es ich mit der Tatsache, dass die britische Regierung auf Druck der USA das Prinzip der Nationalisierung der Ölindustrie anerkannte und sich in den Verhandlungen engagierte.

Im Oktober 1951 empfing Präsident Truman Mossadegh in Washington. Auch Außenminister Dean Acheson tat sein Bestes, um dieses Problem zu lösen, auf eine Weise, die nach amerikanischer Perzeption für beide Seiten fair wäre.

Nach dem Juli-Aufstand, Mossadeghs Rückkehr als Premier und seinem Machtzuwachs, begannen einige seiner Verbündeten, sich von ihm loszusagen. Spätestens ab 28. Februar 1953, dem Tag des Komplotts gegen Mossadegh, wandte sich Ayatollah Kashani von Mossadegh ab.

Die wichtigsten Überläufer aus den Reihen der Mossadegh-Mitstreiter waren Ayatollah Abolghasem Kashani, Hossein Makki, Mozaffar Baqa'i und Abolhasan Ha'erizadeh. Sie spielten eine wichtige Rolle bei der Bildung der zivilen nationalistischen Bewegung und dann aber eine weitaus bedeutendere Rolle bei ihrer Zerstörung.

Die Amerikaner waren sehr beunruhigt über diese Ereignisse und sahen sie als Beweis dafür, dass Mossadegh die Kontrolle über die Situation entglitt. Als mächtiger und populärer Vorsitzender der Nationalen Front trug Mossadegh einen Großteil bei zur Spaltung der Koalition, wenngleich der britische Auslandsgeheimdienst emsig Öl ins Feuer goss und mit seinen einflussreichen iranischen Agenten Mitschuld an der wachsenden Instabilität trug.

London war seit Mossadeghs Ernennung zum Premierminister drauf und dran, ihn zu Fall zu bringen. Fast alle US-Politiker, die damals am Fall Iran arbeiteten, teilten die Ansicht, dass eine Machtübernahme durch die Tudeh-Partei nicht unmittelbar bevorstehe, jedoch eintreten könne, wenn sich die Lage nicht verbessern würde. Dean Acheson sprach sich weiterhin gegen einen Putsch aus und setzte auf Verhandlungen. Truman teilte diese Ansicht.

Spitzenbeamten der künftigen Eisenhower-Administration befürworteten jedoch einen Coup. John Foster Dulles (Außenminister der Eisenhower-Administration), sein Bruder Allen Dulles (CIA-Direktor unter Eisenhower) warfen Truman vor, den Iran in ein zweites China zu verwandeln. Kermit Roosevelt wurde als Leiter der Operation mit dem Codenamen TPAJAX ernannt. Dabei hoffte Eisenhower immer noch, dass die politische Stabilität im Iran durch eine Lösung des Ölkonfliktes wiederhergestellt werden könnte.

In einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates am 4. März hatte er sich entschlossen erklärt, sich von der britischen Position zu trennen und dem Iran ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar zu gewähren.

Eine Woche später jedoch, nachdem Mossadegh das letzte amerikanisch-britische Angebot abgelehnt hatte, änderte er seine Meinung und gab den Befehl zur Ausarbeitung des Putschplanes. Die CIA und der britische Auslandgeheimdienst MI6 sollten die Operation gemeinsam durchführen.

Der Coup

Der Coup wurde durch das britische Netzwerk im Iran - unter der Leitung der drei persischen London-Agenten, den Rashidian-Brüdern Assadollah, Saifpollah und Ghodratollah - und dem Aktionsnetzwerk der CIA im Iran (Codenamen TPBEDAMN), der politischen Geistlichkeit im Iran (teils mit Verbindung zur CIA, teils unabhängig) sowie einigen iranische Militärs, darunter das Netzwerk von General Zahedi, durchgeführt. Die britischen und US-amerikanischen Netzwerke wurden nach dem Zweiten Weltkrieg im Iran aufgebaut. Ziel der Briten war es (ab 1951), Mossadeghs Regierung zu destabilisieren.

Die USA (ab 1940er) gründeten das Netzwerk für antisowjetische Operationen. Zwei wichtige iranische CIA-Agenten waren Farough Kayvani und Ali Jalali. Zu nennen ist zudem Oberst Abbas Farzanegan, früherer iranischer Militärattaché in Washington, der Kontakte zu den angesehenen Militärs unterhielt. Die Rashidian-Brüder und das Tandem Kayvani-Jalali waren die iranischen Organisatoren der CIA und MI6. Für den Putsch benötigten die CIA und MI6 die Unterstützung des Schah.

Er sollte Mossadegh über eine königliche Farman entlassen und ihn durch General Zahedi ersetzen. Bis Ende Juli 1953 leistete der Schah Widerstand gegen die Organisatoren des Putsches und weigerte sich, Mossadeghs Entlassungsurkunde zu unterschreiben.

Der damals 33-jährige Schah hatte sogar Botschafter Henderson gesagt, dass er glaubte, dass Mossadegh besser in der Lage sei, den Öl-Konflikt beizulegen als General Zahedi. Der Monarch hatte eine ambivalente Beziehung zu Mossadegh. Einerseits hatte er Respekt vor der Popularität seines Premiers, andererseits fürchtete er diese und die Macht Mossadeghs.

Kermit Roosevelt (ein CIA-Mitarbeiter und Enkel des Enkel von US-Präsidenten Theodore Roosevelt) besuchte den Schah mehrmals und versuchte ihn zu überreden, das Dekret zu unterzeichnen und den Putsch zu unterstützen. Roosevelt drohte, dass die Vereinigten Staaten auch ohne dessen Zustimmung handeln könnten. Doch der Schah blieb unschlüssig. Schließlich stimmte der Schah zu, die Farman zu unterschreiben und traf sich am nächsten Tag mit General Zahedi.

Der ultimative Putschplan wurde von Außenminister John Foster Dulles am 25. Juni 1953 im zuständigen Kreis vorgestellt. Premierminister Winston Churchill gab am 1. Juli seine Zustimmung. US-Präsident Eisenhower erteilte am 11. Juli die endgültige Genehmigung.

Der Kommandeur der Kaiserlichen Garde Oberst Nematollah Nasiri überbrachte Mossadegh gegen Mitternacht vom 15. auf 16. August 1953 - mit einem Panzer, zwei Jeeps und zwei Militärlastwagen voller bewaffneter Soldaten - die Farman. Mossadegh, der zuvor von der Aktion informiert war, lehnte die Entlassung ab und ließ Nasiri verhaften.

Am nächsten Tag nahmen Pro-Mossadegh-Kräfte ganz Teheran unter Kontrolle. Im Morgengrauen sendete Radio Teheran eine Sondererklärung der Regierung, dass ein Putschversuch vereitelt worden war. In dem Communiqué wurde jedoch kein einziges Wort vom Dekret des Schah erwähnt und auch viele Kabinettminister wussten nichts davon. Der Schah floh mit Königin Soraya nach Bagdad und dann nach Rom.

Die Tudeh-Partei und Pro-Mossadegh-Kräfte stürmten auf die Straße und veranstalteten Großdemonstrationen im Zentrum Teherans. Am 17. August riet das CIA-Hauptquartier Roosevelt, den Iran so schnell wie möglich zu verlassen. Sie sagten, er solle den Putschversuch aufgeben.

Trotz des Scheiterns wollten weder das CIA-Team noch Zahedi und seine Kollegen aufgeben. Sie beabsichtigten, die Armee und die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen, indem sie veröffentlichten, dass der Schah Mossadegh legal entlassen und Zahedi ernannt hatte.

Das war mithin die Schwachstelle Mossadeghs. Die Agenten täuschten am 17. August ein "Tudeh-Mob" vor. Echte Tudeh-Mitglieder, die nicht wussten, dass es sich um eine CIA-finanzierte Provokation handelte, kamen, wie andere Iraner auch, ebenfalls auf die Straße. Die Menschenmassen verursachten Chaos in Teheran. Sie rissen Statuen des Schahs und seines Vaters Reza Shah nieder, griffen sogar dessen Mausoleum an und bewarfen Moscheen mit Steinen.

Diese Aktivitäten wurden am Folgetag fortgesetzt. Die Tudeh-Führung reagierte auf das, was sie als spontanen Volksaufstand empfand, mit der Forderung nach der Abschaffung der Monarchie und der Errichtung einer demokratischen Republik. Die Partei stand in Kontakt mit Mossadegh und forderte ihn auf, die Republik auszurufen.

Die zunehmend angespannte Situation führte im Ergebnis dazu, dass viele Iraner glaubten, Mossadegh habe die Kontrolle über die Situation verloren. Infolgedessen hörten viele Zivilisten und Angehörige der Streitkräfte auf, Mossadegh zu unterstützen.

Einige schlossen sich seinen Gegner bei den entscheidenden Ereignissen am 19. August an. Mossadegh befahl gegen Abend des 18. August die Sicherheitskräfte, den "Tudeh-Mob" anzugreifen. Er forderte die Führer der Nationalen Front auf, keine Demonstrationen abzuhalten. Zudem erließ er einen Befehl, Demonstrationen generell zu verbieten.

Mossadeghs Anhänger waren daher am 19. August nicht auf der Straße. Als die Sicherheitskräfte schließlich die Tudeh-Mobs angriffen, befahl die Tudeh-Führung ihren Kadern, sich zurückzuziehen. Daher waren am 19. August auch keine Tudeh-Anhänger auf den iranischen Straßen.

Die Geistlichkeit unter Führung von Ayatollah Kashani spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle bei der Mobilisierung "gegen den Kommunismus". In der Abwesenheit von Mossadegh- und Tudehanhängern und mithilfe des Pro-Schah-Militärs brachten die Anti-Mossadegh-Kräfte die Hauptstadt bereits gegen Nachmittag unter Kontrolle.

General Zahedi traute sich von seinem Versteck, in einer Radio-Ansprache erklärte er sich zum rechtmäßigen Premierminister. Mossadegh wurde zu einer dreijährigen Haft mit anschließendem Arrest in seinem Heimatdorf in der Nähe von Teheran verurteilt.

Warum scheiterte Mossadegh?

66 Jahre nach Mossadeghs Sturz ist es immer noch ein Rätsel, wie der deutliche Sieg über die Putschisten in der Nacht vom 15. auf 16. August 1953 nur drei Tage später eine dramatische Kehrtwende nahm und in das Ende einer Ära munden konnte.

International ausgewiesene Experten, Historiker und Politikwissenschaftler gehen von der Annahme aus, dass der Coup ohne die Unterstützung der CIA nicht geglückt wäre. Doch der Putsch wäre auch nicht ohne iranische Agenten, den iranischen Straßenmob und der vom Chaos frustrierten iranischen Bevölkerung gelungen.

Analysiert man den Erfolg des Coups auf der Makro-Ebene, verdeutlichen sich die Einflussfaktoren der sich verändernden innenpolitischen Kräfte im Iran und den damit verbundenen breiteren nationalen und internationalen Bedingungen. So gesehen sind diese Faktoren ein Konglomerat von Umständen des Kalten Krieges, der inneriranischen Machtstruktur und rivalisierenden politischen Kräften.

Mossadeghs Gegner hatten in den schicksalhaften Tagen vom 16. bis 19. August eine gehörige Portion Glück. Nach dem ersten gescheiterten Putschversuch hatten viele der Putschisten aufgegeben und die CIA-Führung in Teheran, darunter der Architekt des Putsches Kermit Roosevelt, wurden aus dem Iran zurückbeordert. Daher gehen einige Experten davon aus, dass Roosevelt und die CIA eine stärkere Rolle am gescheiterten Putsch des 15. und 16. August als am erfolgreichen Putsch des 19. August gespielt haben.

Letzterer hingegen sei vielmehr einem Zusammenschluss mehrerer Faktoren geschuldet, darunter die Untätigkeit Mossadeghs, das generelle Chaos, antikommunistische Agitationen und abermals Glück. Im Endeffekt kann von einer "Eigendynamik" der Verhältnisse in Teheran des 19. August gesprochen werden.

Unterschiedliche Analysen

Professor Mark J. Gasiorowski (siehe wie auch andere aufgeführte Stimmen die Literaturliste am Ende des Artikels) von der Tulane University in New Orleans hebt den Zeitkontext des Kalten Krieges hervor und meint: "Nach meinem Wissen wäre der Putsch ohne die USA nicht möglich gewesen. Wenn die CIA es nicht geplant hätte, wäre es nicht möglich gewesen. Natürlich waren einige Iraner beteiligt und ohne sie hätte es auch nicht passieren können, aber die CIA führte sie an."

Gasiorowski, der auch Gastprofessor in der politikwissenschaftlichen Abteilung der Universität Teheran war, fügt hinzu: "Es waren wirklich nur Mossadegh und die Leute um ihn herum, die sich der Demokratie verschrieben hatten. Nicht Kashani, nicht andere und schon gar nicht die Tudeh-Partei, die sich für die Sowjetunion einsetzte […]. Es war nur Mossadegh. Aber das heißt nicht, dass er hätte Erfolg haben können. Er handelte auch undemokratisch […]. Es gibt Hinweise darauf, dass er die Wahlen von 1952 manipuliert hat. Er hat das Referendum kurz vor dem Putsch sicher manipuliert."

Gasiorowski sieht bei Mossadegh auch eine parteiorganisatorische Schwäche: "Ich denke, die Iraner verehren Mossadegh übermäßig. Er war kein sehr effektiver Premierminister. Er schuf eine Situation, in der sich die Wirtschaft verschlechterte. Er war politisch nicht sehr effektiv, da er keine gut organisierte politische Partei hatte. Er war nicht in der Lage, die Nationale Front zusammenzuhalten, da Schlüsselpersonen wie Ayatollah Abol-Ghassem Kashani, sich von ihm trennten."

Für Malcolm Byrne von der George Washington University nimmt das Zeitalter des Kalten Krieges ebenfalls eine bedeutende Rolle ein und er glaubt, dass auch die Truman-Administration zum demselben Ergebnis kommen würde wie die Eisenhower-Administration, wenn er im Jahr 1953 US-Präsident gewesen wäre.

"Angesichts eines anhaltenden Abwärtstrends im Iran und vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen im Kalten Krieg mag Truman zu dem gleichen Schluss gekommen sein wie Eisenhower: Dass es gefährlicher wäre, auf einen kommunistischen Erstschlag zu warten, als den Vormarsch mit einem Präventivschlag zu beenden. Schließlich hatte er Ende 1952 mit Entschlossenheit geäußert, dass es sich lohnen könnte, den Iran eher aus der sowjetischen Sphäre herauszuhalten, als das Risiko eines globalen Krieges einzugehen, was die Stärke des militärischen Engagements der USA in der Region erhöht."

Darioush Bayandor - ehemaliger Diplomat unter Mohammad Reza Pahlavi, UN-Mitarbeiter und Autor mehrerer historischen Bücher zur neuzeitlichen Geschichte des Iran, schreibt, dass Mossadegh die Komplexitäten der innenpolitischen Rahmenbedingungen unterschätzt bzw. diese nicht realistisch eingeschätzt hane.

Mossadegh habe parallel an mehreren Fronten gekämpft, was zu seinem Fall führte. Nach dem grandiosen Erfolg und der Verteidigung der Rechte Irans gegen Großbritannien beim UN-Sicherheitsrat und Internationalem Gerichtshof habe Mossadegh damit angefangen, das innenpolitische System des Iran und dessen Institutionen zu reformieren.

Sein Ideal war eine säkulare Demokratie nach westlichem Vorbild, in der der Monarch eine zeremonielle Rolle spielt und der im Parlament verankerte Wille des Volkes die Oberhand gewinnen sollte. Dieses edle, wenn auch überaus ambitionierte Ziel war jedoch an das politische System und die Machtstruktur des Iran der damaligen Zeit kaum anpassbar, so Darioush Bayandor.

Andrew Scott Cooper, der Autor von Büchern wie "Oil Kings" und "The Fall of Heaven, The Pahlavis and the Final Days of Imperial Iran", macht in einem Interview auf die Bedeutung des Kalten Krieges und einen "Irrtum" aufmerksam: "Dies war auch die Zeit des Kalten Krieges. Ohne 1953 hätte es in dieser Zeit eine andere Krise gegeben. Aufgrund der geografischen Lage des Iran, aufgrund der Tatsache, dass der Iran im Kalten Krieg ein Frontstaat war."

Der Irrtum besteht darin: 1953 ist wichtig, aber die Herrschaft des zweiten Pahlavi beginnt nicht 1953. Viele Menschen - außerhalb Irans - nehmen an, dass der Shah 1953 von der CIA auf den Thron gesetzt wurde, was nicht wahr ist. Wenn man den zweiten Shah Pahlavi verstehen will, muss man das ganze Leben des Menschen verstehen und nicht nur 1953.

Interessant ist, dass Cooper auf ein anderes Ereignis hinweist, dem wenig Beachtung geschenkt wird. Es ist der erste, von Ayatollah Khomeini initiierte Aufstand im Jahr 1963, der auch maßgeblich für die Revolution von 1979 verantwortlich war. Dieser gescheiterte bzw. niedergeschlagene Aufstand wurde von allen Fraktionen (Mossadeghis, Säkularen, Liberal-Demokraten, Nationalisten und Intellektuellen) aufgrund des irrationalen Hasses gegen den Schah unterstützt.

Es war eine völlig rückständige Bewegung gegen Elemente der "Weißen Revolution" des Schah wie die Einführung des aktiven- und passiven Wahlrechts für Frauen. Cooper schreibt:

Ich persönlich denke, dass 1963, der erste Khomeini-Aufstand, so wichtig ist wie 1953, und möglicherweise wäre es in gewisser Weise interessant zu sehen, ob er sich als wichtiger erweist. Betrachtet man Bücher über die Pahlavi-Zeit, wird 1963 kaum diskutiert. Wir müssen verstehen, was 1963 geschah, denn dies ist das erste Zeichen für den Aufstieg des schiitischen Fundamentalismus, und das ist sehr wichtig.

Andrew Scott Cooper

Cooper sieht eine Schwäche bei Mossadegh in der Art seiner politischen Führung:

Mossadegh war der erste Regierungschef, der sich in der Frage der natürlichen Ressourcen und der Kontrolle der Rohstoffe einsetzte. Seine Entscheidung, die Briten herauszufordern, war eine wichtige Bewegung in der Geschichte der postkolonialen Zeit. Sein Untergang hatte viele Tragödien, aber ich sehe ihn nicht als ewiges Opfer schändlicher Kräfte. Wir müssen uns sein eigenes Verhalten ansehen. Es gibt heute nicht wenige nationalistische revolutionäre Führer [...], - ich kann mir heute ein paar vorstellen - die sehr gute Politiker sind, wenn es darum geht, Reden zu halten, sehr gut darin, Menschen für ihre Sache zu mobilisieren. Sie sind aber keine guten Administratoren und manchmal nicht an Details der Regierungsführung interessiert.

Andrew Scott Cooper

Das deckt sich mit Darioush Bayandors Annahme, dass Mossadegh etliche Frontkämpfe nach innen wie nach Außen (gegen zwei Großmächte) nicht gewinnen hätte können.

Der prominente US-Journalist Stephen Kinzer hingegen zieht einen kausalen Zusammenhang zwischen 1953 und 1979. Kinzer schreibt, wer die aktuelle Lage in der Islamischen Republik Iran verstehen will, müsse sich mit den Ereignissen von 1953 beschäftigen. Mossadegh sei für die Iraner das Symbol der Freiheit gewesen. Er sei ohne Zweifel das Symbol der Freiheit und des Patriotismus, und das werde er auch immer bleiben.

Fakhreddin Azimi, Professor für Geschichte an der Universität Connecticut konstatiert: "Mossadegh hatte mehrere Schlachten gewonnen, aber in Ermangelung der strukturellen Voraussetzungen für den Erfolg und angesichts der erodierten nationalen Solidarität, die teilweise durch die Aktivitäten von Überläufern symbolisiert wurde, konnte er nicht optimistisch sein, den Krieg zu gewinnen. Das Ziel des Putsches, der nur durch die kombinierte ausländische und inländische Unterstützung gelingen konnte, war es nicht nur, die Ölfrage zur Zufriedenheit des Westens zu lösen, sondern auch die Wünsche und Kämpfe der Iraner um die nationale Souveränität zu untergraben und sich in Richtung Demokratie zu bewegen."

Homa Katouzian (Oxford-Universität), ein Befürworter Mossadeghs, hebt ebenfalls beides, sowohl innere als auch äußere Rahmenbedingungen hervor:

Der Putsch von 1953 markierte in mehrfacher Hinsicht einen Wendepunkt in der modernen iranischen Geschichte. Es war der erste Militärputsch, der von ausländischen Regierungen geplant und durchgeführt wurde. Teile der Armee, Großgrundbesitzer, konservative Politiker und der Großteil des religiösen Establishments direkt oder indirekt halfen dem Putsch und bildeten die soziale Basis des neuen Regimes. Amerika versuchte zunächst, als neutraler Vermittler zu fungieren, entschied sich aber später, den britischen Seniorpartner bei der Organisation eines Putsches gegen Mossadegh zu spielen. Dies wäre jedoch nicht möglich gewesen ohne die Zusammenarbeit verschiedener königlicher, militärischer, konservativer und religiöser Gegner der Volksbewegung.

Das erklärte Ziel von Mossadegh und der Nationalen Front war es, eine konstitutionelle und demokratische Regierung aufzubauen und zu erweitern. Unter der Regierung von Mossadegh waren politische Parteien und Gruppen frei; dazu gehörte auch die Tudeh-Partei (nicht offiziell). Die Presse war so frei. Die Regierung manipulierte nicht die Wahlen. Die Gerichte waren völlig unabhängig, und alle Militär- und anderen Sondergerichte wurden abgeschafft. Doch die Politik des Chaos und der Eliminierung hörte nicht auf; die anderen politischen Hauptakteure waren nicht an die Demokratie interessiert und nicht bereit, ihre Regeln zu beachten. Tatsächlich wurde das Chaos immer intensiver, denn sowohl der innere als der äußere Druck waren hoch. Es gab einen heftigen Kampf sowohl von der Linken als auch von der Rechten.

Homa Katouzian

Ervand Abrahamian hält aber nicht viel von internen Faktoren und sieht eher die USA (CIA) verantwortlich für den Coup. Abrahamian argumentiert, dass es die Schlüsselfrage in der Krise war, wer das Öl des Iran kontrollieren würde.

Für die meisten Iraner bedeutete die Verstaatlichung die souveräne Kontrolle über die Ölindustrie. Großbritannien und die Vereinigten Staaten weigerten sich, dies zu akzeptieren und schließlich beschlossen sie, dass der einzige Weg, ihre Ziele zu erreichen, darin bestand, einen Putsch zu organisieren, um den populären nationalistischen Premierminister Mohammad Mossadegh, den Hauptarchitekten der Nationalisierung, zu beseitigen.

Er hält auch nichts von "wenn und aber" - ob Mossadegh es geschafft hätte, Iran zu demokratisieren, wenn der Putsch nicht gesiegt hätte. Ihm zufolge haben die beiden Großmächte die Iraner um eine Chance beraubt.

Hätte Mossadegh auf den Deal eingehen müssen?

Es gab insgesamt fünf Angebote von Großbritannien, den USA und der Weltbank, die allesamt von Mossadegh abgelehnt wurden. Bedeutend waren die beiden letzten.

Die Initiative kam eher seitens des US-Außenministers Dean Acheson, der bemüht darum war, den Streit friedlich und durch Verhandlungen lösen zu wollen. Der erste "Churchill-Truman Vorschlag" am 27. August 1952 hat Mossadegh ebenfalls abgelehnt. Der zweite amerikanisch-britische Vorschlag - das Beste und das Letzte - legte Botschafter Henderson am 20. Februar 1953 dem iranischen Premierminister vor.

Von großer Bedeutung für beide Parteien war, wer der Schiedsrichter ist (Denn Haag oder iranische Gerichte) und noch wichtiger war die Frage der Entschädigung. Beim letzten Angebot hatte Großbritannien bzw. AIOC die Verstaatlichung prinzipiell anerkannt, verlangte aber nicht nur Entschädigung für alle Anlagen und Liegenschaften, sondern auch eine Entschädigung für alle künftigen Einnahmen, die das Unternehmen bis zum Datum des Vertrags (das gültige Abkommen, dass nach der Verstaatlichung vom Iran außer Kraft gesetzt wurde) erhalten hätte.

Das bedeutete bis zum Jahr 1993 und gemäß des aktuellen Marktpreises. Das wäre in der Tat eine teure und lange Schuldenlast. Mossadegh lehnte in einer Radioansprache an die Nation am 20. März 1953 den zweiten amerikanisch-britischen Vorschlag ab. Sein Haupteinwand betraf die Frage der Entschädigung. Er war der Ansicht, dass der Wortlaut des Vorschlags darauf hindeutet, dass die Briten eine Entschädigung für Geschäftsausfälle und zukünftige Einnahmen fordern.

Viele glauben, dass Mossadegh einen großen Fehler gemacht hat, als er diesen letzten Vorschlag ablehnte, denn als Konsequenz kamen die Amerikaner und Briten zu dem Schluss, dass sie den Öl-Disput nicht durch Verhandlungen mit Mossadegh lösen konnten. John Jernigan, Vize-Direktor der Abteilung für den Nahen Osten und Südasien des US-Außenministerium sprach zwei Wochen vor dem Coup mit Alahyar Saleh, Irans Botschafter in Washington, und sagte:

Wir haben zwei Jahre lang versucht, eine Lösung zu finden, aber unsere Bemühungen scheiterten. Wenn die iranische Regierung das Angebot angenommen hätte, würde Iran alle Erkundungs-, Erforschungsarbeiten, Gewinnung sowie Förderung und Profit übernehmen und könnte Öl-Experten aus jedem Land einstellen. Durch die Annahme dieses Angebots würde sich durchaus ein Markt für den Verkauf von iranischem Öl finden, und drittens würde sich ein internationales, unparteiisches Tribunal mit der Entschädigung befassen, und der Iran könnte die Schuldenlast bzw. die Entschädigung innerhalb einer begrenzten Zeit durch die Öllieferung begleichen. Wir könnten auch die Last und den Druck des großen Verbündeten - England - , dem wir verpflichtet sind, loswerden und dem Iran mit verschiedenen Mitteln helfen. Die Forderung der iranischen Regierung, die Entschädigung auf den Wert der Anlagen, Einrichtungen und Liegenschaften zu beschränken, ist für uns nicht akzeptabel.

John Jernigan

Mossadegh hatte auch iranische Kritiker, sogar aus eigenen Reihen bzw. hohe Berater in Ölangelegenheit. Jalal Matini, Autor des persischsprachigen Buches "Ein Blick auf die politische Karriere von Dr. Mohammad Mossadegh" sagt: "Alle Experten, die mit Mossadegh zusammenarbeiteten, haben erklärt, dass das gemeinsame Angebot von USA und Großbritannien [zweites Angebot] im Einklang mit der Verstaatlichung des Erdöls steht. Sogar als Mossadegh selbst das Angebot erhielt, rief er einen oder zwei seiner Freunde an und sagte, kommt, die Angelegenheit ist im Begriff, gelöst zu werden."

Eine Gruppe von prominenten Involvierten sagte, Mossadegh sei zu dieser Zeit von seinen Hardlinern beeinflusst worden, und deren Einfluss habe seine Entscheidungen geprägt. Ehsan Naraghi, ein Soziologe und Berater von Farah Pahlavi, der während des Öldisputes Vertrauter Ayatollah Kashanis war, erklärte gegenüber einem Radiosender:

Mossadegh war eine sehr eigensinnige sture Person. Weil er meinte, er sei ein Patriot, waren die anderen nicht mehr existent und wichtig für ihn. Alle von Mossadegh selbst ernannten Ölmanager stimmten dem zweiten britisch-amerikanischen Angebot zu, aber auch hier sagten [Mossadeghs enge radikale Freunde] Ingenieur Kazem Hasibi [Vorsitzender der "Partei Iran" in der Nationalen Front] und Dr. Shayegan [Generalsekretär der Nationalen Front] nein. Es war leichter für sie, nicht zuzustimmen als zuzustimmen. Er [Mossadegh] sagte, ich würde meine Unterschrift auf keinen Fall unter jenes Abkommen setzen. Denn er befürchtete, das Volk würden dann sagen, dass er ein Dokument unterzeichnet habe, welches den nationalen Interessen zuwiderläuft.

Ehsan Naraghi

Iraj Amini, ein Forscher, dessen Vater Ali Amini nach dem Sturz Mossadeghs als iranischer Verhandlungsführer für die Ölverhandlungen verantwortlich war, sagte ebenfalls:

Ich hörte von Fuad Rouhani [Leiter der Rechtsabteilung der Oil Company unter Mossadegh und später erster Generalsekretär der OPEC] selbst, dass er sagte, er sei mit einer anderen Person zum Zeitpunkt des Vorschlags zu Dr. Mossadegh gegangen. Ihm zufolge hatte Mossadegh das Angebot zuvor angenommen. Ich hörte von Herrn Rouhani, dass sich zwei Tage später - nach dem Treffen von Dr. Mossadegh mit Dr. Shaygan und Ingenieur Hassibi - die Meinung von Mossadegh änderte. Und es stellt sich für Mossadegh wieder die Frage der Entschädigung, dass der Iran nach diesem Vorschlag eine Entschädigung für viele Jahre zahlen sollte.

Iraj Amini

Ervand Abrahamian, einer der führenden Wissenschaftler der Modernen Geschichte Irans, verteidigt die Ablehnungsposition:

Mossadegh wollte die britische Company mit Sicherheit entschädigen. Er war bereit, Schadensersatz auf der Grundlage des Vermögens des Unternehmens im Iran zu leisten. Die Amerikaner und Briten sagten nein! Die Kompensation sollten nicht auf der Grundlage des Vermögens im Jahr 1953, sondern auf der Grundlage der Gewinne ermittelt werden, die das britische Unternehmen bis in den neunziger Jahren hätte erzielen können. Der Iran sollte haftbar sein. Das heißt, basierend auf zukünftigen Gewinnen. Gleichzeitig schrieb eine amerikanische Zeitung, dass das Geld, das der Iran zahlen müsse, eine astronomische Summe sein werde. Wenn Mossadegh zugestimmt hätte, wäre der Iran bis in den 1990er Jahren Großbritannien gegenüber verschuldet gewesen. Der Iran konnte sich eine solche Entschädigungssumme nicht leisten, um das Öl zu verstaatlichen.

Ervand Abrahamian

Iraj Amini - der Sohn des ehemaligen Premierministers (1961-1962) Ali Amini - der heute ein Gelehrter der iranischen Zeitgeschichte ist, widerspricht Ervand Abrahamian. Der Vertrag, den sein Vater 1954 ausgehandelt und unterschrieben hatte, stünde nicht im Widerspruch zum Gesetz zur Nationalisierung der Erdölindustrie von 1951. "Es gab keinen anderen Weg", verteidigt er den Deal.

Die Einnahmen des Iran stiegen und waren definitiv besser. Aber wenn Dr. Mossadegh das Ölproblem selber gelöst hätte, wäre der Iran nicht mehr in der schwachen Position der Regierung von Premier Zahedi gewesen und hätte wahrscheinlich ein viel besseres Abkommen unterzeichnen können. Aber leider hatten wir zu dem Zeitpunkt alle Angebote abgelehnt und mit dem Ereignis vom 19. August befanden wir uns in einer sehr schwachen Position.

Ervand Abrahamian

Auch der promovierte Jurist und Buchautor zur Ölgeschichte Irans, Mohammed Ali Movahed, schreibt: "Gemäß des neuen Vorschlages würde Großbritannien auf die Verwaltung der Ölindustrieaktivitäten und das Verkaufsmonopol an das Ausland verzichten bzw. sie verlieren. […] Dr. Mossadegh hätte dieses Angebot wenigstens als Basisverhandlung akzeptieren können. Das Ergebnis war - außer dass die nationale Regierung Mossadeghs gestürzt wurde - dass wir nach drei Jahren internationalem Boykott und der Zahlung horrender Entschädigung zu der Formel 50/50 gelangt sind, die in den anderen Ländern auch der Fall war."

Movahed fügt hinzu, dass bei der Annahme des Angebotes viel eher das finale Ziel der Nationalisierung der Erdölindustrie hätte erreicht werden können. Er bestätigt auch, dass drei Personen Mossadegh stark beeinflussten: Mehdi Bazargan (späterer Premierminister der provisorischen Regierung nach der Revolution), Dr. Shaygan und Kazem Hasibi, und diese drei hätten keine Ahnung von der Lage des Erdöls im Ausland.

War es ein Coup d'État?

In Iran beschuldigen die Anhänger von Mossadegh im Allgemeinen externe Akteure für dessen Untergang. Die Befürworter des Premiers schließen sich damit Mossadegh an und halten die Farman (königliches Dekret) für verfassungswidrig.

Mossadeghs Gegner leugnen in der Regel, dass ein Staatsstreich tatsächlich stattgefunden hat oder dass fremde Länder essentiel beteiligt waren, sondern sie nennen es "ghiyame meli" (Nationaler Aufstand) gegen Mossadegh. Mossadegh-Gegner, meist Royalisten, sehen die Entlassung Mossadeghs durch den Schah als verfassungskonform und in der Tat habe Mossadegh mit seiner Weigerung einen Putsch gegen den Schah unternommen.

Die ausländische insbesondere die westliche Journalistenwelt, allen voran Stephan Kinzer, gehen fast alle von einem Putsch gegen Mossadegh aus, der den Verlauf der Geschichte Irans grundlegend veränderte und durch 26 Jahre brutaler Diktatur des Schah den Weg zur Khomeini-Revolution geebnet hat. So einig ist sich aber die Fachwelt, die iranische wie die westliche, nicht. Der bereits zitierte Mark J. Gasiorowski schreibt:

Ich denke, der Schah hatte wahrscheinlich die Befugnis, Mossadegh verfassungskonform zu entlassen. […] Aber er hat es nicht alleine geschafft. Der Schah feuerte Mossadegh, nachdem die USA ihn unter Druck gesetzt hatten. Aus diesem Grund kann dieses Ereignis als quasi-legaler Staatsstreich oder "Pseudo-Coup" bezeichnet werden, da der Schah den Erlass zur Vertreibung von Mossadegh unterzeichnet hatte. Die Unterzeichnung des Dekrets war jedoch nicht der einzige wichtige Schritt, um Mossadegh zu verdrängen. Seit Monaten vor dem Putsch hatte die CIA hart daran gearbeitet, Mossadegh zu untergraben. Und tatsächlich gab es am Tag des Putsches keinen Schah im Land. Meiner Meinung nach gibt es keinen Zweifel, dass der Putsch ohne die CIA nicht gesiegt hätte. Wenn wir also das Ganze auf die Unterzeichnung der Farman reduzieren, haben wir das Gesamtbild dessen, was passiert ist, ignoriert.

Mark J. Gasiorowski

Und Abrahamian schreibt:

Ich verwende das Wort Coup, weil die Panzer schließlich auf die Straße kamen, direkt zu zentralen Plätzen zogen und den Premierminister gewaltsam stürzten. Ein Militärputsch ist nicht mehr als das. Meinungsverschiedenheiten über die rechtlichen Dimensionen der Geschichte und ob der Schah laut Verfassung das Recht hatte, Mossadegh zu entlassen, hängen von der Auslegung der Verfassung durch verschiedene Fraktionen ab.

Abrahamian

Der in London ansässige iranische Historiker und Forscher Majid Tafreshi schließt sich Gasiorowski an:

Meines Erachtens kann nicht explizit gesagt werden, ob 19. August ein Staatsstreich war oder nicht, da die Hauptangelegenheit [Entlassung Mossadeghs] auf dem gesetzlichen Recht des Königs beruhte, aber die ausländische Einmischung es einem Staatsstreich sehr nahebringt. Wir können also nicht wirklich beurteilen, ob dies ein Putsch war oder nicht.

Majid Tafreshi

Dr. Manouchehr Razmara, Universitätsprofessor und letzter Gesundheitsminister im letzten Kabinett vor der Revolution unter Mossadeghs ehemaligem Mitstreiter Dr. Bakhtiar, ist der jüngere Bruder von Generalleutnant Razmara, der während seiner Amtszeit ermordet wurde. Er betont: "Es war ein Ereignis, ein Unglück. Es war weder ein Putsch noch ein Aufstand."

Dr. Sadreddin Elahi, ein Forscher und einer der prominentesten iranischen Journalisten, behauptet die These eines Vorfalls: "Nur ein Vorfall, nicht mehr. Denn die Definitionen des Putsches passen nicht zu diesem Ereignis. Es war ein Ereignis, das sich im Kontext unseres täglichen Lebens ereignete, und ich bedaure, dass wir es uns seit 60 Jahren wie eine offene Wunde anschauen und an dessen Schmerz immer noch leiden."

Iraj Amini, dessen Vater Ali Amini Minister Mossadeghs war, verwendet den Begriff "unangenehmer Schachzug" anstatt Putsch. Amini fügt in einem Interview hinzu:

Unglücklicher Schachzug, weil es genügt hätte, wenn der Schah ein paar Tage vor dem 19. August oder am selben Tag den Hofminister des Königs - übrigens mein Onkel Abulghasim Amini - mit der Farman sehr respektvoll zu Mossadegh geschickt hätte und dieser es ihm überreicht hätte. Hätte Mossadegh dann abgelehnt, wäre es tatsächlich ein Putsch gegen den Schah gewesen.

Ich bezeichne es als einen unangenehmen Akt, weil Unklarheit besteht, warum sie am Morgen des 15. August die Minister Fatemi und Zirkadeh verhaften ließen und dann Oberst Nasiri mit Panzer und Soldaten Mossadegh die Unterlassungsurkunde ausgehändigt haben. Gut, diese Situation wird zu einem Staatsstreich, wenn wir annehmen, dass Dr. Mossadeghs Regierung zu dieser Zeit legal war. Aber wenn die Regierung nicht verfassungsmäßig war, kann dieses Ereignis nicht als Putsch gewertet werden. Wie auch immer, es war ein sehr schlechter und amateurhafter Schachzug.

Ali Amini

Selbst der Neffe Mossadeghs, der prominente Jurist Dr. Hedayatollah Matin-Daftari, antwortete auf die Frage, ob Mossadegh verfassungsmäßig befugt war, das Parlament zu schließen, wie folgt: "Der Premierminister war nicht befugt, aber das iranische Volk schon. Weil das Gesetz und alle Prinzipien für die Menschen da sind, nicht umgekehrt. Referenden sind eines der wichtigsten Prinzipien der Demokratie."

In der Abwesenheit des Parlaments hatte der Schah die Berechtigung, seinen Premier zu entlassen, und wenn das tatsächlich der Fall war, was sogar Mossadeghs enge Mitstreiter glaubten, dann hatte Mossadegh mit der Weigerung seiner Entlassung vom 15. bis zum 19. August 1953 illegal regiert. Mossadeghs Innenminister Dr. Gholamhossein Sedighi war eine bekannte Persönlichkeit mit sehr gutem Ruf, einer der erfolgreichsten Professoren der Teheraner Universität, der sich Mossadegh angeschlossen hatte.

Er wird heute als "Vater der iranischen Soziologie" bezeichnet. Sedighi sprach sich klar gegen eine Auflösung des Parlamentes aus. Alles hätte für ein "kudeta" (Putsch) gesprochen, wenn diese Farman nicht gewesen wäre. Nach der Encyclopaedia Britannica definiert sich ein Coup d'État wie folgt:

"Coup d'État, auch Coup genannt, der plötzliche, gewaltsame Sturz einer bestehenden Regierung durch eine kleine Gruppe. Die wichtigste Voraussetzung für einen Staatsstreich ist die Kontrolle über alle oder einen Teil der Streitkräfte, der Polizei und anderer militärischer Elemente."

Encyclopaedia Britannica

Lässt sich diese klassische Definition auf den Coup von 1953 im Iran anwenden?

Die Entlassung des Premiers hatte nicht eine kleine Gruppe, sondern der Schah mit seiner rechtlichen Autorität getätigt. Auch wenn der Schah gegen die Verfassung verstoßen haben sollte, hatte Mossadegh dies bereits zuvor getan, indem er das Parlament auflöste. Zweifeln einige die Rechtsmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit des Handelns des Schah an, so besteht jedoch kein Zweifel darüber, dass Premier Mossadegh keine verfassungsmäßige Befugnis hatte, ein Referendum auszurufen und das Parlament aufzulösen.

Der Zeitpunkt des Überbringens der Entlassungsurkunde, etwa um 23 Uhr nachts nach Kermit Roosevelt und 1 Uhr nach Mossadeghs Memoiren, erscheint ungewöhnlich. Aber angesichts der turbulenten Tage zuvor - Referendum und Auflösung des Parlaments - wäre es nachvollziehbar, um diese Uhrzeit und nicht mit einem einfachen Boten zu Mossadegh zu gehen, denn man könnte mit seinem Widerstand rechnen.

Ein Staatsstreich macht man auch nicht mit einem mit einem Panzer, zwei Jeeps und zwei Militärlastwagen voller bewaffneter Soldaten. Von fünf Divisionen in Teheran standen mindestens am 19. August drei unter Kontrolle Mossadeghs.

Im August 1953 sollen die meisten leitenden Offiziere Mossadegh gegenüber loyal gewesen sein, darunter der Stabschef der Armee, General Taqi Riyahi. Mossadegh selber war Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Mossadegh verwickelt sich selbst in Widersprüche und schreibt in seinen Memoiren:

Das Erteilen der Farman war nicht nur verfassungswidrig, sondern auch ohne triftigen Grund, da meine Regierung sich bis zum 15. August 1953 nicht gegen die nationalen Interessen des Landes sowie gegen die Person des Schah verschworen hatte.

Mossadegh

Mossadegh, selbst ein promovierter Jurist, schreibt weiter: "Wenn seine Majestät es beabsichtigte, den Premierminister zu entlassen, warum um die Uhrzeit, mit Panzer und bewaffneten Soldaten wie bei einem Putsch. Wenn er [der Schah] diese [die Entlassungsurkunde] am heiligen Tag zugestellt hätte, wäre ich gehorsam gewesen und hätte ich mich weder widersetzen können, noch würde mich das Volk unterstützen, wenn es wissen würde, dass der Schah mich rechtmäßig entlassen hätte."

Hier leugnet Mossadegh nicht, dass der Schah dieses Recht hatte. Letzterer hätte die Entlassung nach Mossadeghs Auffassung nur nicht unter derart kuriosen Umständen vollziehen dürfen. Trotz eines pensionierten Generals als Regierungschef (General Zahedi) gibt es keine Militärregierung nach den Ereignissen vom 19. August und mit der Rückkehr des Schah ins Land kehrt die Normalität zurück.

Schlussfolgerung

Mossadeghs Pech waren die denkbar ungünstigen innenpolitischen und internationalen Rahmenbedingungen. Wie gezeigt wurde, musste Mossadegh besonders im Putschjahr 1953 an etlichen innenpolitischen Fronten kämpfen: gegen Royalisten, Abtrünnige, die zuvor wichtige Verbündete waren, und gegen den relativ mächtigen, politisch aktiven schiitischen Klerus. Zeitweise, bis Sommer 1952, hatte er auch die erstarkende, offiziell verbotene Tudeh-Partei gegen sich.

Zu jenem Zeitpunkt im Kalten Krieg durfte aus Sicht des Westblocks der Iran mit seiner wichtigen, geostrategischen Lage unter keinen Umständen dem Sowjetblock angegliedert werden. Während es für Großbritannien eher um den ökonomischen Aspekt ging, lag Washingtons Augenmerk auf dem kommunistischen "Sowjet-Handlanger", der Tudeh-Partei.

Obwohl die USA am Ende nach dem Putsch ökonomisch auch relativ stark vom neuen Vertrag bzw. Konzessionsvertrag (1954) profitierten und insgesamt 40% des Anteiles - gleich verteilt auf fünf US-Companies - erhielten, wollten die beiden US-Administrationen eher die Gefahr eines sowjetischen Übergriffes auf Iran abwenden. Große amerikanische Ölkonzerne verfolgten mit großem Interesse den Verlauf des Öldisputes zwischen Großbritannien und dem Iran.

Mohammad Mossadegh regierte exakt zwei Jahre, drei Monate und 15 Tage. Bevor er Premierminister wurde, kritisierte er oft die unsauberen Parlamentswahlen. Als Premierminister mit Sondervollmachten versuchte er, möglichst einwandfreie Wahlen abzuhalten. Er scheiterte.

Bei den Wahlen zum 17. Parlament brach er den Wahlprozess ab, nachdem nur 79 Sitze von insgesamt 136 bestimmt worden waren. Mossadegh begründete das mit der Einmischung des Militärs und des königlichen Hofes. Das Referendum - sein letzter Akt als Premier - verlief nicht ohne eklatante Ungereimtheiten.

Internationale Beziehungen bzw. internationale Politik sind auch Machtpolitik. Mossadegh als Regierungschef eines schwachen Landes, das gerade von sowjetischer und britischer Teilbesetzung nach dem Zweiten Weltkrieg befreit worden war, legte sich mit zwei mächtigen Akteuren an: Großbritannien und den USA.

Er war zu keinem Kompromiss bereit. Wenn der Premier den letzten britisch-amerikanischen Vorschlag akzeptiert hätte, hätte der Iran später aus einer viel stärkeren Machtposition heraus einen besseren Deal verhandeln können.

Die darauffolgende Geschichte Irans bezeugt, dass in Folge der Iranische Revolution von 1979 der Konsortialvertrag seitens des neuen revolutionären Regimes annulliert wurde und die Klage des Konsortiums vom Internationalen Gerichtshof 1990 abgewiesen wurde. Mossadegh hätte die Nationalisierung der Erdölindustrie, das heißt die volle Kontrolle des Iran über sein Eigentum, erreichen können.

Ein verbleibendes Problem wäre die Entschädigung gewesen, die in der Tat - und hier hatte Mossadegh Recht - eine große Schuldenlast für den Iran gewesen wäre. Andere Staaten wie Saudi-Arabien (1950, Arabian-American Oil Company/Aramco) und Venezuela (1949) hatten ein 50/50-Agreement erreicht, während Iran 1953 eine volle Verstaatlichung hätte erzielen können, wenngleich mit dem Problem der Schadenskompensation.

Auf dem Hohepunkt seiner Macht wollte der Schah auch den Vertrag kündigen. Der Schah mahnte 1973 an, dass der Öl-Vertrag "auf keinen Fall" verlängert werden dürfte, nachdem die laufende Periode 1979 zu Ende ginge, d. h. kein Vertrag bis 1993. Als Grund gab er an, dass der Vertrag nationalen Interessen des Iran zuwiderlaufe. Dazu sollte es nicht kommen. 1979 brachte die Revolution die iranische Monarchie zu Fall.

Aber der Monarch sprach zum obigen Zeitpunkt selbstbewusst aus der Machtposition einer Regionalmacht, welche kaum zu vergleichen mit Irans Situation 1953 ist. Iran war der fortschrittlichste und ökonomisch stärkste Staat in Westasien und hatte eine der stärksten Wirtschaftswachstumsraten der Welt. Ervand Abrahamian schreibt: "Im Jahr 1975 hatte der Schah die größte Marine im Persischen Golf, die größte und modernste Luftwaffe in Westasien und die fünftgrößte Armee der Welt."

Heute ist das Tabuthema Mossadegh für iranische Historiker und Forscher gebrochen. Für die meisten der jüngeren Generation im Iran sind solche Diskussionen über Mossadegh gänzlich jedweder Attraktivität. Für die Iraner mittleren Alters und aufwärts muss klar sein, dass diese Geschichte lange her ist, 66 Jahre - bevor mehr als 90% der heute lebenden Bevölkerung des Iran geboren wurden.

Gasiorowski rät den Iraner, die Geschichte der Vergangenheit zuzuschreiben und den Blick nach vorne zu richten. Es gibt auch andere Nationen, die sogar mehr unter fremder Intervention gelitten haben als der Iran. Man rufe sich nur einmal den Fall (Nord-)Vietnams ins Gedächtnis.

Nur 20 Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges, im Jahre 1995 unter William Jefferson (Bill) Clinton wurden zwischen Washington und Hanoi Botschafter ausgetauscht und im November 2000 wurde Clinton überschwänglich in Hanoi empfangen. Heute sind die USA wichtigster Handelspartner des nach wie vor kommunistischen Vietnams.

Die Verwicklung der CIA in Putsche in Guatemala (1954, ein Jahr nach Mossadegh) und Chile (1973) liegen ebenfalls einige Jahrzehnte zurück und beide Länder sind mittlerweile Demokratien und unterhalten gute Beziehungen zu Amerika.

Die Feindschaft der Mullahs zu den USA ist ideologisch-religiöser Natur, das gilt nicht für die iranische Bevölkerung. Doch 66 Jahre nach dem Putsch ist dieser immer noch ein Thema zumindest für die Iraner der älteren Generationen. Für sie gleicht Mohammad Mossadegh einem Mythos, einer Legende, der Mossadegh-Legende.

Verwendete Hauptquellen in Kurzform:

  • Roosevelt, Kermit: Countercoup, 1979
  • Bayandor, Darioush: Iran and the CIA, The Fall of Mosaddeq, 2010
  • Gasiorowski, Mark J. and Byrne, Malcolm (eds.): Mohammad Mosaddeq and the 1953 Coup in Iran, 2004
  • Mohaddesa, Kamiar and Pesaran, M. Hashem: One Hundred Years of Oil Income and the Iranian Economy
  • Abrahamian, Ervand: The Coup 1953
  • Abrahamian, Ervand: A History of Modern Iran, 2013
  • Jalal Matini: Negahi beh Karnameh Siyasi Dr. Mossadegh (Ein Blick auf die politische Karriere von Dr. Mohammad Mossadegh)
  • Stephan Kinzer: All the Shah’s Men: An American Coup and the Roots of Middle East Terror, 2003
  • Mirfetrus, Ali: Asib Shenasi yek Shekadt, az Enghelabe Mashruteh ta Enghelabe Eslami (Die Pathologie einer Niederlage, von der Konstitutionellen Revolution bis zur Islamischen Revolution), 2008
  • Balke, Kristen: The U.S.-Soviet Confrontation in Iran, 2009