Die Neoliberalen haben die Basis ihres eigenen Niedergangs geschaffen

Die Finanzkrise hat spätestens 2008 deutlich gezeigt, dass die Geld-Gesellschaft oder der Finanz-Kapitalismus die Menschheit immer ärmer macht

Geldgier zersetzt Hirn und Herz der Superreichen. "Sie wirkt wie die Pest", schreibt Norbert Blüm, "und treibt die Menschen weltweit in die Heimatlosigkeit, in Gewalt und Fanatismus."

Der Volkswagen-Skandal zeigt symptomatisch, dass die Profiteure dieses Systems immer noch nichts dazu gelernt haben. Die Bosse, tarnen, tricksen und täuschen munter weiter. Sie bauen angeblich die Wagen des Volkes, aber halten alle Völker mit ihren Autos zum Narren.

Abgaswerte gelten zum Schutz von Mensch und Natur, aber sie werden bewusst manipuliert und gefälscht. So rollen Millionen Autos mit Abgaswerten, die bis zu zehnfach über dem gesetzlichen Limit liegen, über unsere Straßen und töten tausende Menschen - jedes Jahr. Die Schuldigen am Tod Tausender sitzen in den Chefetagen fast aller Autoproduzenten - wie sich jetzt herausgestellt hat - und verdienen und kassieren immer noch Millionen Dollars oder Euros.

Bei VW zum Beispiel: Der langjährige Chef Winterkorn erhielt im Jahr des VW-Skandals, 2015, noch immer 7.3 Millionen Euro. Wofür eigentlich? Ach ja: Leistung soll sich lohnen!

In der vergangenen Woche hat sich der neue VW-Chef Matthias Müller beim US-Präsidenten Obama für den VW-Diesel-Skandal in den USA so entschuldigt: "Dieser Sachverhalt" tue ihm leid. Dass "dieser Sachverhalt" vielen Menschen das Leben kostet, davon hat der VW-Boss nicht gesprochen. Unter den Schweinereien der obersten VW-Etage leiden weltweit 600.000 Mitarbeiter und deren Familien, die sich für die verbrecherischen VW-Bosse schämen müssen.

2015 hat Volkswagen in Wolfsburg wieder einen Betriebsseelsorger eingestellt, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Er soll den Mitarbeitern Trost spenden. Der Seelsorger Dirk Wagner hat auch dem Vorstand in Wolfsburg Gespräche angeboten. Doch die Bosse ließen ihn wissen, dass sie dafür jetzt keine Zeit hätten. Ist ja auch klar: Die Herren waren in den letzten Wochen hauptsächlich damit beschäftigt, ihre Millionen Boni zu retten.

Panama Papers und Steuerbetrug, VW und Dieselskandal, immer mehr Chemie in der herkömmlichen Landwirtschaft, Waffenexporte auf Rekordhöhe, immer mehr Superreiche und immer mehr Menschen an der Armutsgrenze, Europa unfähig zur Solidarität mit Flüchtlingen: Wundert sich noch jemand über schwindendes Vertrauen in die demokratischen Strukturen? Der Irrsinn unseres Systems wird immer offensichtlicher.

Den Flug zum Mars halten wir für möglich, aber eine bessere Welt soll unmöglich sein? Resignation wäre noch schlimmer als die heutigen Verirrungen der Superreichen. Der homo oeconomicus darf keine Zukunft haben.

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(Franz Alt)

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