Die Rache der Jobsucher

"Absageagentur" präsentiert Firmen Absagen auf Jobangebote

Keine Lust, weitere Absagen auf Stellenbewerbungen aus dem Briefkasten zu fischen? Jetzt ist die Zeit gekommen, es den Unternehmen heimzuzahlen…

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass ein anderer Kandidat für die ausgeschriebene Stelle ausgewählt wurde. Bitte fassen Sie dies nicht als Abwertung Ihrer Person auf, es ist ausschließlich auf unsere Auswahlkriterien zurückzuführen.

So oder ähnlich lauten die Absagefloskeln, die Arbeitssuchende tagtäglich zusammen mit der womöglich noch mit Eselsohren oder Kaffeeflecken verzierten zurückgeschickten Bewerbungsmappe in der Post vorfinden.

Klar, es kann nur einer gewinnen. Dennoch ziemlich demotivierend. Einem Bewerber platzte schon einmal der Kragen und er schrieb zurück:

Vielen Dank für Ihr freundliches Schreiben. Leider ist meine Kapazität für Absagen jedoch mittlerweile komplett erschöpft. Bitte verstehen Sie, dass ich Ihre Absage deshalb zu meinem größten Bedauern ablehnen muss und meinen neuen Job bei Ihnen am Montag antreten werde!

Die Reaktion der so unerwartet mit einem neuen Mitarbeiter beglückten Firma ist leider nicht bekannt.

So mancher ist allerdings wirklich schon einmal in der Lage gewesen, einer Firma absagen zu müssen, da es mit den Jobs ja mitunter wie mit den Freunden/Freundinnen ist: Hat man nach längerer Abstinenz einen, kommen plötzlich noch drei weitere anspaziert. Doch dass man sich vor Jobangeboten nicht mehr retten kann, ist momentan doch eher die Ausnahme.

Keinen Job, doch zumindest eine etwas erleichternde Retourkutsche für frustrierte Jobsucher bietet nun jedoch die Berliner Absageagentur an, die Absagen an Unternehmen verschickt. Wer sich über eine Firma oder deren Absage geärgert hat, kann sich bei dieser also nun mit einer ebensolchen formvollendeten Absage revanchieren:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen für die Ausschreibung oben genannter Stelle.

Auf der Grundlage meines Anforderungsprofils habe ich nach einer sorgfältigen Auswertung der Stellenanzeigen eine Vorauswahl getroffen. Leider kann ich Ihr Angebot nicht berücksichtigen und muss Ihnen mit Bedauern mitteilen, dass Ihre Ausschreibung nicht in die Endauswahl gekommen ist.

Ich hoffe, dass Sie mit Ihrer Ausschreibung bei anderen Arbeitssuchenden auf mehr Interesse gestoßen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Der Absager muss dabei der Absageagentur nur die Stellenanzeige oder abzusagende Firma mitteilen – per Mail oder auch persönlich im Büro der Absageagentur in Berlin. Neben drei Standardtexten kann er auch einen eigenen Text liefern, wenn er bereits weiß, was ihm an der mit einer Absage zu beglückenden Firma stinkt – schlechte Bezahlung, mieses Betriebsklima oder ein Chef, der sein Personal als sein Eigentum betrachtet.

Ein verspäteter Aprilscherz? Nicht ganz, obwohl die Absageagentur tatsächlich am ersten April eröffnete – und am 13. Mai wieder ihre Pforten schließen wird, so die für Porto und Briefpapier vom Verein Netzwerk Selbsthilfe zur Verfügung gestellten 600 Euro nicht schon eher verbraucht sind.

Vielmehr eine kleine politische Protestaktion von Katrin Lehnert (Ethnologie-Studentin, 28) und Thomas Klauck (Kulturwissenschaftler, 36). Die Miete für die Büroräume zahlt die Stiftung Mitarbeit, ihre Zeit bringen die beiden selbst in das Projekt ein, das sie als symbolische Aktion verstehen, bei der sich Menschen ihrem Ärger über die eine oder andere unfaire Stellenausschreibung Luft machen können. Die besten Absageschreiben werden deshalb auch mit Einverständnis ihrer Auftraggeber im Agenturbüro an die Wand gehängt. Von den bereits mit Absagen beglückten Unternehmen gibt es dagegen bislang noch keine nennenswerte Reaktion. (Wolf-Dieter Roth)