Die Realität zerplatzt an der Blase

Anton Markus Pasing: Parasit 3. Bilder: Anton Markus Pasing

Städtisches Wohnen im Spiegel seiner Utopien - Teil 1

"Etwas Riesenhaftes rollt auf uns zu, etwas Ungeheuerliches. Ein mächtiger Sturm wird unserer Gesellschaft die Trägheit aus den Knochen schütteln und sie aus allen Fugen krachen lassen." Sagt Baron Tusenbach in Tschechows "Drei Schwestern" (1901). Derselbe antwortet an anderer Stelle auf die Frage, wie wir in zwei-, dreihundert Jahren leben werden: " Dann wird man wahrscheinlich mit dem Luftballon reisen, die Jacketts werden einen andern Schnitt haben, der sechste Sinn wird möglicherweise entdeckt - aber das Leben selbst wird geblieben sein, wie es heut' ist." Zwischen Umsturz und Beharren taucht, um das Rätsel künftigen Lebens zu erhellen, eine andere Frage auf: Wie wollen wir wohnen, wie werden wir wohnen?

Werden die Wohnungen der Zukunft für Kakerlaken gebaut werden, die einzigen Überlebenden des Super-GAU? Wird Los Angeles im Untergrund fortbestehen? Eine Fiktion ist der Ort, wo Unmögliches möglich wird. Darryl Chen von 'Tomorrow's Thoughts Today':

The present can be mined for those critical projects that turn the perverse, fantastic, and underrated phenomena of our modern world into design platforms.

Was zu monströsen Architekturen aufgeblasen wird, sind Miniaturen in uns, gegenwärtig. Aus subversiven Bilderträumen werden Bildräume mit Tageslicht. Worauf beruht die Idee einer Architektur der Zukunft?Erstens: Ohne die Bildmächtigkeit kann es keine Entwürfe von etwas geben, was noch nicht ist. - Zweitens: Architektur ruht auf dem Kryptischen wie Kirchen auf der Krypta. Die Vergangenheit dockt an, gibt Schwung oder erschüttert. - Drittens: "Ein Haus ist ein Roboter, in dem man wohnen kann."1 Die virtualitätsaffine Technik ist eine Phantasie, welche die schlechte soziale Realität mal zukunftsfreudig, mal apokalyptisch transzendiert. Markus Pasing geht es in seinen Entwürfen um die Symbiose von Tier, Robot und Haus. Der Robot-Körper wird wieder fleischlich. Der letzte Mensch ist der erste Mensch. Das letzte Haus ist sein erstes Haus.

Er hat Sehnsucht nach der Höhle. Nicht nur er. Investoren, die vom neuen geförderten Bauboom profitieren, berufen sich gern auf die Wünsche ihrer Kunden, wenn sie auf konventionelle Grundrisse zurückgreifen. Die Küche mag zum Wohnzimmer geöffnet sein, aber vom Geist der Moderne, den offenen Grundrissen im "fließenden Raum", vom Auflösen der Raumgrenze zwischen Innen und Außen, ist wenig zu spüren. Da helfen auch Baugenossenschaften nichts, wenn die Genossen, die nicht gerade selbst Architekten sind, wegen "schlechter Gerüche" eine Küche doch wieder mit vier Wänden verlangen. Cocooning, das Einspinnen im Schutzbedürfnis, ist die Rolle rückwärts über die Moderne. Damit ist die Utopie in der Vergangenheit angekommen. Aber ihre Bedingungen liegen jeweils in der Gegenwart, deren Defiziten und Ängsten.

Verlassen wir die Realität und schauen auf die utopischen Angebote von schwimmenden und Wolkenstädten, von Bubbles, Wohnwürfeln oder in Scheiben geschnittenen Gebäuden, die heute gemacht werden. Da setzt die nächste Enttäuschung ein: Alles schon dagewesen. Schon in den 60er Jahren wurden Städte wie Wolken, gar Flugzeugträgerstädte, Containerstapel oder Häuser, die man mit sich herumtragen kann, gezeichnet, collagiert oder montiert. Ist der heutige Futurismus "retro", ein Wiederkäuen? Ist Geschichte die Wiederkehr eines ewig Gleichen? Paradoxerweise entwickelte sich in den damaligen Aufbruchszeiten von Pop-, Hippie- und 68er-Kultur ein Grundmuster, das bis heute tragfähig ist. Die Gruppe Superstudio überzog die Erdoberfläche mit einem Raster unendlicher Linien. Die Architektur wurde wie auch die Städte überhaupt aufgelöst, um neue Formen aus dem abstrakten Raum zu rekonstruieren. Dieser Raum ist vom Kosmos abgeleitet.

Parasit 1. Bild: Anton Markus Pasing

In das Raster "kann man sich überall einloggen", sagt Jan Liesegang von der Gruppe raumlabor, die es heute noch, wenn auch minimalistisch, mit ihren "akupunkturartigen Interventionen" im öffentlichen Raum praktiziert. Wurde damals das Raster zum Gerüst hochgezogen, etwa in Brückenform, waren neue Städte im Entstehen, oder Städte über der Stadt. Diese Städte wären gemäß der intermittierenden Linien zur Serie fähig. In das Gerüst als Tragwerk könnten beliebig, das heißt auch "selbstorganisiert", Module zum Wohnen und allen anderen Zwecken eingehängt werden. Solche Megastrukturen wurden den explodierenden Megacities entgegengesetzt. Gruppen wie Archigram und Archizoom zauberten wie aus der Wundertüte Manifeste und Raumstadtmodelle, die sich Instant City, Continuous City oder Plug-in-City nannten. Diese Stadt aus diagonalen Röhren und Knotenpunkten ist prêt à porter. Sie baut sich selbst. Die japanischen Metabolisten antworteten mit der organisch-naturwissenschaftlichen Variante von Megastrukturen (z.B. "Helix City"). Der Makroform der Städte entsprach die Mikroform zusammengesteckter Kapseln (Capsule Tower in Tokio).

Nakagin Capsule Tower von Kisho Kurokawa, Tokio 1972. Bild: Intercitylife. Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Yona Friedmans "Ville spatiale" folgte dem Konzept einer aufgeständerten, beliebig sich ausdehnenden Stadt ebenso wie New Babylon des Holländers Constant. Wenn Constant von einem offenen System für "Erdlinge" sprach, das sich wie ein "Rhizom" überall hin ausbreitet, lässt das doch wieder auf den Wunsch nach organischer Erdnähe schließen. Letztlich wird die feste Stadt durch die ubiqitäre Wucherung aufgehoben. Constant dachte an Wanderlagerplätze für Zivilisationsnomaden. Reisen in seinen Systemen die Menschen hin und her, so ist es bei Archigram die ganze Stadt: "Walking City" ist ein mechanisches Insekt, das mit seinen teleskopischen Stelzen dorthin wandert, wo gerade Bedarf an Stadt ist. Solch eine Stadt wäre keine Eintagsfliege.

Kommen noch in den Lüften treibende Städte hinzu, ist das Bild vom "Raumschiff Erde" eingelöst, womit Buckminster Fuller den Perspektivenwechsel der 60er und 70er Jahre bezeichnete. Die Beobachtung der Außenwelt vom geschlossenen Raum aus ist durch die der Erde vom Weltraum aus ersetzt. Die Welt wird zum Design-Objekt, was Stefan Wewerka sehr wörtlich verstand: "Die Erdkugel halbieren, beide Hälften gegeneinander verdrehen und wieder zusammenkleben. Akra würde dann ein Vorort von London und der Niger würde in die Nordsee münden..." Diese Gebrauchsanleitung macht Spaß, weniger jedoch die ernsthaften geopolitischen Pläne des Architekten Herman Sörgel aus den späten 20er Jahren, das Mittelmeer trockenzulegen.

Der antiautoritär aufbegehrende Architektennachwuchs machte sich lieber an die Unterwanderung der Schwerkraft. Buckminster Fuller war ein Pionier für sehr leichte und schwebende Raumgebilde. Er bediente sich geodätischer Kuppeln und biomorpher Strukturen. Mit Fuller, der bereits vor dem Krieg Raumzellen-Modelle entworfen hatte, die offen für verschiedene Verwendungen und mobil waren, kann die Utopie noch weiter in die Vergangenheit verfolgt werden. El Lissitzky schlug 1924 für Moskau "Wolkenbügel" aus Vertikale und Horizontale vor, die wie neuzeitliche Container-Gebrauchskunst aussehen.

El Lissitzky: "Wolkenbügel", um 1924. Repro: Michael Wiederspahn

Für jene Aufbruchszeit nach der Revolution wurde die Parole ausgegeben: Sowjetmacht + Levitation = Neuer Mensch. Wenig wurde realisiert, aber vieles wirkt vorbildlich für die 60er Jahre bis in Zukunft. Bauwerke wurden auf Stelzen gesetzt, Module wurden in gerüstartige Konstruktionen eingehängt und Städte am (laufenden) Band projektiert. Georgi Krutnikow schwebte - wörtlich - eine "Stadt der Zukunft" vor, die wie eine umgedrehte Qualle aussieht. Und an der Kunstschule 'Wchutemas', dem russischen Bauhaus, wurde im Grundstudium "die abstrakte Formfindung der räumlichen Künste" unterrichtet.

Die russische Revolution endete in Ernüchterung, aber mit dem Zweiten Weltkrieg triumphierte die Technik und verlockte mit der Realisierung der Visionen vom Wohnen in sphärischen Höhen. Doch trotz Leichtbauweise und durchsichtigem PVC zerplatzten die Träume an der Realität wie Seifenblasen. Oder umgekehrt? Platzte die Realität? - Die Utopie reproduzierte sich auf höherem Niveau, als Buckminster Fuller Anfang der 60er Manhattan mit einer gewölbten Hülle überziehen und kleine Städte in Ballons in die Atmosphäre aufsteigen lassen wollte. Die Wiener Gruppe Haus-Rucker-Co griff das auf, fing jedoch im Mikro-Maßstab an: mit "Raum-Anzügen", weiter Blasen für Zwei, die, ohne sich um das Baurecht zu scheren, an Hausfassaden andockten, sowie "Pneumacosms", modularen Wohnkapseln für 10-15 Menschen. Haus und Stadt wurden pneumatisch, ein- und ausatmend, pulsierend zwischen Schrumpfen und Wachstum.

Haus-Rucker-Co, Ballon für zwei, Apollogasse, Wien 1967. Bild: Haus-Rucker-Co, Gerald Zugmannn

Die dichte Materie der gebauten Realität ist seitdem durchlässig geworden; die Hülle ist wie eine Membran. Die Stadt wird flüchtig. Die Hauskörper expandieren und mit ihnen die Körper der Bewohner, die mal mehr, mal weniger "gehäutet" sind. Die Richtung geht ins All. Die Blasen sind "Mind Expander". Bewusstseinserweiterung gehörte zur psychedelischen Zeit des "Yellow Submarine". Die Räume bewegen sich gegen- und ineinander. Wer in der Blase sitzt, befindet sich im geschützten Raum, ist aber sichtbar zugleich, ist außerhalb des Hauses.

Das Thema von Innenwelt und Außenwelt hat eine soziale Fassung: das Verhältnis von privat und öffentlich, und das ist derart labil geworden, dass Haus-Ruckers Blasen richtungsweisend für aktuelle und künftige Diskussionen sind. Allerdings kam schon damals eine andere Richtung auf: Die Blasen wurden symbolisch als Klimahüllen interpretiert, um die Stadtluft vor der Umwelt - und vice versa - zu schützen. Das deutet auf eine Einschränkung urbaner Freiheit hin, auf den Umschlag der Utopie in Dystopie, und der ist - in diesem Kontext meist unbeachtet - bereits heftig im Gange. Wenn flächendeckend bestehende Außenwände mit Kunststoffhüllen, diesmal sehr realem Hartschaum ("Styropor"), überklebt werden, ist jede Reflexion sowohl auf die vergangene als auch eine künftige Stadt abgewürgt. Die Plastik-Armierung erledigt symbolisch die Beziehung zum Außenraum. Folglich gibt es kein Dazwischen mehr, keine Grenzgänge.2 Was sollte man den Städten des 21. Jahrhunderts wünschen, wenn nicht Durchlässigkeit und Offenheit, räumlich wie sozial. Aber die Vorzeichen stehen schlecht: "Wohnqualitäten, die jenseits messbarer Werte liegen, wie das Verhältnis zwischen innen und außen, zwischen Individuum und Kollektiv, drohen im Rahmen der energetischen Optimierung verloren zu gehen."3 Aus den "Gates Communities" wird die Styropor-Community.

Das "Küchenmonument" von raumlaborberlin, hier zu Gast in Duisburg. Bild: Marco Canevacci

Ganz im Sinne von Haus-Rucker-Co tourt heute das "Küchenmonument" von raumlabor durch die Städte, eine pneumatische transparente Raumhülle, die als mobile Skulptur temporäre Gemeinschaften im öffentlichen Raum in Gang setzt. Es ist eine im ursprünglichen Sinn öffentliche Tafel. In Tomás Saracenos Installation In Orbit von 2013 sind die Blasen wieder in den Himmel gestiegen und haben sich zu Cloud Cities formiert. Zwischen Kugelräumen turnen die Besucher in großer Höhe auf schwankenden Netzen.4

Da die Spielräume für Utopien geringer geworden sind, wurden die "Bubbles" kleiner und haben sich zu Zellverbänden zusammengeschlossen. Sie sind Schaum geworden. Am Horizont zukünftiger Wohnwelten sieht der Philosoph Peter Sloterdijk schaumartige Gebilde. Im "Wohnschaum" lebt der Einzelne in der Selbsttäuschung einer Abkapselung, einer Immunisierung gegen den Nachbarn, die ihn zugleich mit den anderen vernetzt. Das Ich ist durch eben diese (auch mediale) Vernetzung zum Schematismus geworden. Der Anspruch auf Differenz wird zur leeren Behauptung. Die Wünsche, die für die intimen Rückzugsorte der Wohnung reserviert sind, sind präfabriziert.

"Soap Opera" von raumlabor; an der Waschkaue (Wasch- und Umkleidehaus) einer ehemaligen Zeche in Essen. Bild: raumlaborberlin

Um so schwerer fällt die Abschottung vom Nachbarn. Geräusche drängen sich als lästig auf. Sloterdijk spricht von Connected isolation, vom Koexistenzstress fragiler Blasen im Schaum. Aber auch das ist keine Zukunftsdiagnose. Wie Alexander Mitscherlich schon 1965 schrieb, unterstreicht das Privateigentum einerseits die Schutzfunktion der Wohnung, ist aber andererseits die Bedingung der neurotisierenden "Unwirtlichkeit unserer Städte". Das Private wird öffentlich und das Öffentliche privat. Das Wesen der Urbanität, zwischen öffentlich und privat souverän wechseln zu können, wird umgekrempelt.

Archigram dachte sich das Unmögliche aus, um das Wirkliche zu schaffen. Dieses Motiv blieb vom Zynismus der Marktmechanismen nicht verschont. Der Vergleich mit Modenschauen liegt nahe. Auf dem Laufsteg werden Paradiesvogelkostüme vorgeführt, damit das Publikum anschließend um so bereitwilliger nach der Prêt-à-porter-Mode greift. Ähnlich wird die Schere zwischen den schwerelosen Phantasmagorien der Künstler-Architekten und den konventionellen Wünschen des Publikums nie geschlossen werden. Aber der Wohnungsabsatz wird gefördert.

Noch steht die Container-Kunsthalle in Prenzlauer Berg, bald zieht sie weiter. Bild: Bernhard Wiens

Dennoch finden Annäherungen statt. Arno Brandlhuber verbindet die Utopie sogar mit den verschärften Vorschriften der Energieeinsparung. Ein Lagergebäude aus DDR-Zeiten konvertiert bei ihm zu einer "Anti-Villa", einem dehnbaren Haus, das sich im Winter auf einen Kernbereich zurückzieht. Dieser wird durch Vorhangschichten aus Gaze oder transparentem PVC markiert und vom zentralen Saunaofen auf Zimmertemperatur gehalten. Daran schließen sich abgestufte Temperaturzonen an. Aus der Haus-Ruckerschen Blase ist ein innerer Energiering geworden, der den Raum atmosphärisch bildet. Ganz nebenbei sind Erkenntnisse unserer Vorfahren wieder ausgegraben worden, denen eine zentrale Feuerstelle reichte und die sich sogar am Vieh erwärmen konnten, wenn sie mit ihm unter einem Dach lebten.

Als kleinstes Maß urbanen Lebens, das bei Bedarf von einem Tragwerk gerahmt und beliebig erweitert und wieder abgebaut werden kann, stellen Container nun doch ein irdisches Glied dar zwischen den abstrakten Raumstadtkonstruktionen und Wolkenkuckucksheimen auf der einen und künftigen Erfordernissen eines flexiblen Bauens auf der anderen Seite. Container sind die Parasiten, die sich in Baulücken und Brachflächen temporär einnisten. Sie sind, indem sie der industriellen Nutzung enthoben werden, das Haus, das "heute kommt und morgen bleibt".

"Habitat 67", errichtet aus 354 Quadern zur Expo in Montreal. Bild: Magnus Manske. Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Mit dieser Metapher hatte der Soziologe Georg Simmel 1908 zwar nicht Container, aber den "Fremden" beschrieben und damit eine ganz aktuelle Situation der Migration vorweggenommen. Container sind aber auch anpassungsfähig an wirtschaftliche Fluktuation und fragmentierte Familienchroniken. Wenn Mitglieder den Verband verlassen, werden die Module umgesetzt. Container unterstützen das "abfahrtswillige Wohnen" der urbanen Nomaden. Sie sind ein Drittes aus Orten und Nicht-Orten, sind das "Modul ohne Eigenschaften". Sie sind tauglich für "Instant City".

Container erwecken den Eindruck von Geschlossenheit, von Truhen oder Black boxes. Das täuscht. Das Wandprofil gleicht sich innen wie außen, und wer zwischen den Stapeln entlangläuft, weiß auch nicht, ob er sich gerade an der Innen- oder Außenseite befindet. Die Isolation eines Inneren ist identisch mit der Präsentation nach außen und dem Blick zurück auf sich selbst. Wohnen wird zur Bühne der permanenten Aufzeichnung und damit der Selbstüberwachung. Das "Ich selbst" wird zur kleindarstellerischen Medienexistenz im Big-Brother-Format. Das Privatleben ist durchlöchert, so wie es die Container in der neuen Verwendung sind.

Auf dem Geierswalder See in der Lausitz. Bild: Haike Weichel

Was die Tatami-Matte für das Flächenmaß des japanischen Hauses ist, könnte der ISO-Container für das räumliche Grundmaß des Städtebaus werden. Das Prinzip von Stapelung und rhythmischer Reihung speist sich jedoch noch aus anderen Traditionen. Le Corbusier hatte es als Ideal für ganze Städte empfohlen. Auch aus anderen Materialien als Stahl kann gestapelt werden. In Montreal ist schon 1967 ein kunstvolles Wohngebirge aus Betonquadern aufgetürmt worden ("Habitat 67'). Weniger kunstvoll geben sich heute Container-Unterkünfte für Flüchtlinge. Ein Paradox tut sich hier auf. Es geht nicht nur um das "Wie", sondern ebenso um das "Wo". Wenn das Umfeld nicht stimmt, wenn die einheimische Anwohnerschaft im latenten Gefühl lebt, aus der Gesellschaft abgeschoben zu sein, wird sie ein schnell hochgezogenes Containerlager als rotes Tuch empfinden. So ubiquitär sind Container demnach nicht. Die "Adresse" der Aufstellung sollte gut gewählt sein.

Teil 2: Nichts ist mehr, wo es war

(Bernhard Wiens)

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