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Die Rückkehr der Holzvergaser

ADN-ZB/SNB Pkw mit Holzgasantrieb in Berlin 1946. (Bild: Wikimedia Commons Das Bild stammt aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland.).

Holz ist, entgegen mancher Vorurteile, ein umweltschonender Brennstoff. Forscher plädieren dafür, das nachwachsende Material in größerem Umfang einzusetzen

Das Verhältnis des modernen Menschen zum Holz ist zwiespältig. Einerseits nutzen wir es seit uralter Zeit - die Feuer, die schon unsere Vorfahren entzündet haben, ziehen uns noch immer magisch an. Mit der Gitarre am offenen Lagerfeuer zu sitzen, dürfte bei vielen zu den schöneren Erinnerungen gehören. Kaminöfen gehören denn auch zu den krisenfest gut laufenden Angeboten der Baumärkte - ein wärmendes, selbst entfachtes Feuerchen gibt so einen gewissen Rest Sicherheit, das eigene Leben noch unter Kontrolle zu haben.

Andererseits haben wir Angst um unseren Freund, den Baum. Holz verbrennt man nicht, das gehört zum Lernstoff der Grundschule. Was aus Holz entstanden ist, soll möglichst oft recycelt werden. Aus feinem Schreibpapier werden Zeitungen, bedrucktes Holz endet auf der Toilettenrolle - es ist besser, den Rohstoff Zellulose immer wieder zurückzugewinnen, als ihn seines Energiegehalts wegen zu verbrennen.

Und nun treten Wissenschaftler dafür ein, Holz noch stärker als Energiequelle zu nutzen? Die Argumente sind tatsächlich fundiert. Mit der richtigen Technik ist es möglich, den Rohstoff auf sehr saubere Art zu verbrennen. Holz, wählt man die richtige Quelle, kann kostengünstig bereitgestellt werden. Und dass im Lebenszyklus nicht mehr Kohlenstoff in Form von CO2 in die Luft geblasen werden kann, als der Baum zuvor aufgenommen hat, ist auch völlig logisch - also ein insgesamt kohlendioxid-neutraler Prozess.

Gemeint sind allerdings nicht die Mini-Feuerstätten im privaten Einfamilienhäuschen. Der offene Kamin gehört zu den eher ineffizienten Kraftwerken. Zum einen gelingt es darin nicht, Holz wirklich vollständig und sauber zu verbrennen. Wer einmal ein Holzscheit beim Brennvorgang beobachtet hat, erkennt das klar: Es brennt immer nur ein Teil des Scheits. An anderen Stellen führt die Hitze nur dazu, dass gasförmige Bestandteile aus dem Holz herausdestilliert werden und den Kamin emporsteigen, bevor sie verbrannt werden. Studien haben zudem gezeigt, dass Kamine in der Regel den Verbrauch an anderen Heizstoffen nicht verringern - im Gegenteil. Das liegt unter anderem daran, dass sie für ihre Arbeit Frischluft benötigen - und die muss (über Umwege) von draußen zugeführt werden.

Bild: Science

Nein, was ein amerikanisches Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science fordert [1], ist die Verwendung von Holz als Rohstoff für die örtliche Energieversorgung - ein Trend, der in Europa zuerst zu beobachten war. Allein in Österreich wurden in den letzten zwanzig Jahren über 1000 Holzenergie-Anlagen errichtet, von denen jede zehnte Wärme und Strom gleichzeitig erzeugt. Die Anlagen dienen in der Regel zur kommunalen Versorgung, ihre Leistung liegt bei höchstens 10 Megawatt. Dabei wird eine Effizienz von fast 90 Prozent erreicht.

Um ihre Argumentation zu stützen, berechnen die Forscher mögliche CO2-Einsparungen. Wenn etwa in einem mittelgroßen US-Staat wie North Carolina in jedem von 100 Landkreisen ein kommunales, mit Holz betriebenes Wärmekraftwerk entstünde, ergäben sich bei Gesamtinvestitionen von 500 Millionen Dollar Einsparungen an fossilen Brennstoffen von jährlich 100 bis 180 Millionen Dollar. Gleichzeitig verringerte sich die Emission fossilen Kohlendioxids um 0,75 bis 1 Million Tonnen pro Jahr. Das dafür benötigte Holz entspräche etwa einem Fünftel der möglichen Holzproduktion des Staates. Auf die ganze USA bezogen, könnte Holz etwa zwei Drittel mehr an erneuerbarer Energie liefern als Wasserkraft - und etwa halb so viel, wie heute im gesamten Land in Kernkraftwerken erzeugt wird.


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-3422106

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.sciencemag.org/