Die Rüpel sind immer die anderen!

Im Westen der USA sind die Handytelefonierer höflicher - und am meisten man selbst

Die richtige Etikette am Handy, insbesondere das Gebot, beim Mobiltelefonieren nicht seine Umgebung unnötig zu belästigen, ist etwas von der jeweiligen Landeskultur abhängig: Italiener sind am Handy ebenso wie im normalen Alltag etwas lebendiger und lautstärker als beispielsweise Finnen. In den USA treffen verschiedene Kulturen zusammen, die unterschiedliche Auffassungen über die Lästigkeit öffentlichen Telefonierens haben könnten. Doch die Ergebnisse sind relativ einheitlich.

Wenn das Image des nützlichen Begleiters, des Handys, durch penetrante Wichtigtuer leidet, die auch beim Essen oder im Kino noch lautstark vor sich hin brabbeln oder ständig angerufen werden, ist dies für die Hersteller von Handys natürlich gar nicht gut. Um die aktuelle Situation in den USA zu erfassen, hatte Samsung USA deshalb beim Markforschungsunternehmen Kelton Research eine entsprechende Umfrage in Auftrag gegeben, an der über 1000 Handynutzer vom Teenager- bis zum Seniorenalter teilnahmen. Am Donnerstag letzter Woche wurden die Ergebnisse bekanntgegeben.

Während die oberen Balken die Selbsteinschätzung der Befragten wiedergeben („Not Very“: Nicht sehr rücksichtsvoll, „Somewhat“: Etwas rücksichtsvoll, „Extremely“: Sehr rücksichtsvoll), zeigen die unteren die Fremdeinschätzung, also wie die Befragten über andere Handynutzer urteilen (Bild: Samsung/Newscom)

Jeder dritte Amerikaner akzeptiert, wenn jemand ein Handygespräch im Restaurant führt. In anderen prekären Situationen sind diese Prozentsätze jedoch wesentlich geringer, sei es bei einem ersten Rendezvous, bei einem privaten Gespräch, bei einem geschäftlichen Gespräch oder im Kino. Dabei sind Teenager stets deutlich telefonfreundlicher eingestellt als ältere Handynutzer, was sich besonders beim "ersten Date" (13% bei Jugendlichen gegenüber 5% bei der Generation über 55), bei geschäftlichen Besprechungen (10% gegenüber 3%) und im Kino (9% gegenüber 2%) zeigt. Das klingt dann eigentlich doch etwas erschreckend: Wer will schon eine Verabredung mit jemand, dessen Telefon die ganze Zeit klingelt oder mit so jemand ins Kino gehen? Insgesamt sind aber je nach Alter mit 56 bis 70% die klare Mehrheit der amerikanischen Handynutzer davon überzeugt, dass das Telefonieren in keiner der oben genannten Situationen angebracht ist.

Interessant ist, dass die Bösewichte natürlich immer die anderen sind: Während nur 3% der Befragten zugeben, dass ihr Telefonierverhalten für ihre Umgebung anstrengend sein könnte, meinen 51%, dass andere keine Rücksicht auf ihre Umgebung nehmen. 57% der Befragten halten sich selbst für extrem rücksichtsvoll, doch nur 4% geben an, dass sie dies auch von den Menschen in ihrer Umgebung denken. Beim Alter geht es dann zumindest etwas ehrlicher zu: 79% der Amerikaner über 55 halten sich für sehr rücksichtsvoll, aber nur 32% der Teenager. Außerdem halten sich die Telefonierer im Westen der USA für etwas höflicher als die im Rest des Landes und sagen dies auch über ihre Mitmenschen aus.

Derartige Statistiken für Europa und Deutschland sind bislang nicht bekannt, allerdings sollte man sie eventuell noch um solche abstrusen Rubriken wie "Geschäftstelefonate auf der CeBIT-Toilette" oder "Simsen beim Beischlaf" erweitern, die doch immer wieder zu großem Erstaunen und Erschrecken bei Zeugen derartiger Vorfälle führen und doch absolut nicht selten sind… (Wolf-Dieter Roth)