Die Schockstrategie und die Epidemie des Anti-Donald-Syndroms (ADS)

Real Game of Thrones

Im Real Game of Thrones überschlagen sich die Ereignisse. Was bisher in den Chroniken aufgezeichnet wurde, erfahren sie hier.

Das Einreiseverbot, mit dem König Donald Reisende aus sieben Ländern für 90 Tage von seinem exzeptionalistischen Imperium fernhalten will, stößt immer noch auf scharfe Proteste. Nicht nur in den Städten des Königreichs, auch im Ausland kam es zu großen Anti-Donald-Demonstrationen.

Dieser Bann, den der neue König ausgesprochen hat, sorgt merkwürdigerweise für sehr viel größere Betroffenheit als die Bomben, die seine Vorgänger seit Jahren genau über diesen Ländern abwarfen. König Obama hatte es im letzten Dienstjahr bekanntlich auf auf 26.172 Abwürfe gebracht und damit zu einem persönlichen Rekord, doch gegen diese Bomben wurde fast nirgendwo demonstriert. Ähnlich ist die Lage auch bei der so heftig kritisierten Migrationspolitik Donalds, bei der es sich, wie Chronisten des Königreichs jetzt herausgefunden haben, um ein Plagiat handelt. Donald hatte sich bei einer 20 Jahre alten Rede von Bill "Free Willy" Clinton bedient, gegen die aber damals weder "Pussyhats" noch sonstwer protestierten.

Der neue König setzt also fort, was seine Vorgänger im Namen von "Nation", "Freiheit" und "Werten" des exzeptionalistischen Königreichs vor ihm getan haben. Zuletzt ließ er im mit Einreiseverbot belegten Königreich Yemen ein 8-jähriges Mädchen erledigen, dessen älterer Bruder zuvor einer Obama-Drohne zum Opfer gefallen war, doch unter Donald stoßen diese Operationen nun weltweit auf solches Entsetzen, dass sogar einzelne 8-jährige Mordopfer Aufmerksamkeit erhalten.

Dass der von W. ausgerufene und von Obama fortgesetzte "War on Terror" schon 1,5 Millionen Leichen produziert hat - darunter auch viele Kinder - war und ist dagegen kein Thema. Denn jetzt ist das "Monster" Donald los. Das ehemalige Nachrichtenmagazin zeigt ihn als blutigen Kopf-Abschneider. Warum wirkt bei ihm monströs und schrecklich, was zuvor als normal und akzeptabel galt? Nur an der Eichenhörnchenfrisur des neuen Königs kann das eigentlich nicht liegen ...

Cover der aktuellen Spiegel-Ausgabe

Ein Grund mag sein, dass sich Donald mit der gesamten Gilde der Herolde und Lautsprecher angelegt hat. "You are Fake News!" hatte er einem Herold von CNN zugerufen, weil diese Organisation üble Gerüchte über angebliche Orgien Donalds in der Hauptstadt des Ultrabösen publiziert hatten. Sodann hatte er sämtliche Mitarbeiter seiner Regierung angewiesen, dieser Bühne keine Interviews mehr zu gewähren. Auch wenn er damit in klassischer Tradition steht - König Obama ignorierte zum Beispiel "Fox", und auch der berühmte King Kohl, der Ziehvater von Königin Angela, den man "Birne" nannte und der mit "Bimbes" gefüttert werden musste, sprach nie mit dem "Spiegel" - so wird Donalds Boykott nun als "unerhört" angesehen.

Zur Beantwortung der Frage, warum unter Donald jetzt furchtbar schlimm ist, was vorher als normal galt, müssen wir einmal mehr in die Tiefen des Staats herabsteigen, zu den unsichtbaren Meistern der Intelligence, die als Schattenspieler und Strippenzieher seit Jahrzehnten die Fäden im Königreich in der Hand haben und für die mit Donalds Wahlsieg einer der größten anzunehmenden Unfälle eingetreten ist. Ein Thronfolger, der nicht aus ihrem Think-Tank-Land stammt, ein "Cowboy", der in die wohlgehütete Domäne der "Yankee"-Herrschaft eingebrochen ist und der sich tatsächlich daran zu machen scheint, einen "Sumpf" trockenzulegen. Nicht den oberflächlichen der Oligarchen und Plutokraten, zu denen er ja selbst gehört und an dem sich auch unter Donald wenig ändern wird und allenfalls das Personal wechselt, sondern den unterirdischen Sumpf des Tiefensstaats, von dessen Existenz die meisten Leute im Königreich eigentlich gar nichts wussten.

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