Die Schockstrategie und die Epidemie des Anti-Donald-Syndroms (ADS)

Donalds Einflüsterer und das Anti-Donald-Syndrom

Was Donald da im Rahmen seiner Schockstrategie Tag für Tag ablässt, sind Testballons, bei denen es weniger um die vorhersagbare Reaktion der Öffentlichkeit geht, als um ein Check-Up der internen Loyalität geht, um ein Ausmerzen von schwachen Gliedern - wie der sofort gefeuerten Justizministerin - in der Befehlskette. Nur so kann einer, der den Thron gegen den gesamten Apparat erobert hat, seine Macht konsolidieren. Aus diesem Grund hat er auch den Meistern der Intelligence ihren Stammplatz im "Nationalen Sicherheitsrat" gestrichen - sie werden nur noch "bei Bedarf" hinzugebeten - und seinen Chefberater Steve Bannon, den man auch "Breitbart" nannte, an ihre Stelle gesetzt.

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Er nimmt als persönlicher Einflüsterer des Königs nun dieselbe intime Rolle ein wie einst "Bloody Henry" Kissinger bei "Tricky Dick" Nixon oder Dick Cheney bei W. und hat sich denn auch schon als Donalds "Darth Vader" bezeichnet. Natürlich scherzhaft, aber er meint es ernst - und wird ab sofort dabei sitzen, wenn jeden Dienstag auf der "Kill List" die durch Drohnen zu erledigenden Opfer angekreuzt werden. Diese praktische und zeitsparende Einrichtung hatte König Obama 2016 seinen neuen Rekord an politischen Morden ermöglicht und wird auch von Donald beibehalten; ob er der Jagdleidenschaft dann ebenso frönt wie sein Vorgänger bleibt noch abzuwarten.

Gemessen an den Leichenbergen, zu denen Bloody Henry und Cheney ihre Majestäten einst ermunterten, ist Donalds Einflüsterer "Breitbart" Bannon zwar noch völlig unbelastet, wird aber bereits als gefährlich und böse porträtiert. Wie sehr er das wirklich ist, muss sich noch herausstellen, sehr schlau ist er auf jeden Fall.

Die überfallartige Schockstrategie mit der die Donald-Regierung gestartet ist, war sicher seine Idee, ebenso wie die erwartbaren hysterischen Reaktionen, die sie auslösten. Nicht zufällig hat der "Breitbart" den Honigdachs zum Wappentier erklärt, der sich auch von Bienenstichen oder Schlangenbissen nicht abhalten lässt: "he gives a shit" - und so dürfen wir ihn uns in Donalds ovalem Büro, zu dem er als einziger jederzeit Zutritt hat, sehr entspannt vorstellen, wenn er die Nachrichten zur Kenntnis nimmt. Und befriedigt feststellen kann, dass die Wahlverlierer, seine Gegner aus den liberalen und linken und libertären Lagern, in geradezu apokalyptischer Hysterie ausrasten und dabei alles über Bord werfen, was ihnen an "Werten" wie Demokratie, Toleranz und political correctness doch angeblich heilig ist.

Und selbst die vornehmsten Herolde und Lautsprecher des Königreichs, die den rüden "Breitbart"-Brigaden stets Hass, Hetze und "Fake News" vorgeworfen hatten, produzieren nun in Sachen Donald nichts mehr anderes als genau das. ADS - das Anti-Donald-Syndrom - hatte sich epidemisch ausgebreitet und den von akuten Fieberschüben heimgesuchten Herolden und Lautsprechern war selbst die nach oben geschlossene Hitler-Skala nicht mehr grauenhaft genug, wenn es um die Boshaftigkeit des neuen Königs ging. Der Honigdachs war's zufrieden and gave a shit ...

Nur wenige im exzeptionalistischen Königreich waren weder vom Donaldismus noch von ADS befallen. Sie hielten das Anti-Donald-Geschrei für genauso selbstgefällig wie den König selbst und völlig ungeeignet, sich ernsthaft über eine Zukunft nach Donald Gedanken zu machen. (Mathias Bröckers)

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