Die Selbstzerlegung der SPD schreitet weiter voran

Während die Partei zur Wende noch 940.000 Mitglieder hatte, sind es heute weniger als die Hälfte

Was waren das noch Zeiten: Bei der Bundestagswahl von 1972 kamen die Sozialdemokraten auf 45,8 Prozent der Stimmen. 1998 waren es unter Gerhard Schröder noch 40,9 Prozent, während bei der Bundestagswahl 2013 die SPD das schlechtestes Wahlergebnis ihrer Geschichte von 2009 (23 Prozent) nur etwas verbessern konnte, nämlich auf 25,7 Prozent. Anders gesagt: Betrachtet man das Wahlergebnis von 1998 und 2009, hat die SPD innerhalb von 11 Jahren 17,9 Prozentpunkte bzw. mehr als 40 Prozent ihrer Wähler verloren.

Nun berichtet die Welt von den neuen Mitgliederzahlen der SPD und deutlich wird: Auch da zeigt sich, dass die einst stärkste politische Kraft auf immer wackeligeren Beinen steht. Im Jahr 2015 gab die SPD an, über 442.815 Mitglieder zu verfügen. Zum Vergleich: 1990 waren es noch über 940.000.

Nach der Welt "sah die SPD sich nicht in der Lage", derzeit aktuelle Angaben zur Mitgliederzahl für die Gesamtpartei zu machen, allerdings zeigen die aktuellen Zahlen zu den SPD-Landesverbänden, dass die Partei wieder mindestens mehrere tausend Mitglieder verloren hat. Alleine der Landesverband der SPD in Nordrhein-Westfalen darf zum Ende des Jahres 2016 den Verlust von knapp 4000 Mitglieder im Vergleich zum Vorjahr beklagen und zählt nun 108.000 Frauen und Männer mit Parteibuch.

Auch in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen ist die Zahl der Mitglieder rückläufig. Dem SPD-Landesverband in Bayern waren bis zum 30. November noch 58.365 Mitglieder angeschlossen. Laut Welt sind das "1507 Mitglieder (und damit gut zwei Prozent) weniger als Ende 2015." In Niedersachsen zählt die SPD 747 Mitglieder weniger, in Baden Württemberg sind es "seit Ende 2015 genau 498 Mitglieder", die die Partei verloren hat. Allerdings, wie das Blatt weiter berichtet, habe es nach der Wahl von Donald Trump in den USA auch Parteieintritte gegeben, beispielsweise "233 Neueintritte bei der Südwest-SPD".

Laut einer Parteienstudie aus dem Sommer dieses Jahres, die sich mit dem Mitgliederverlust der Parteien - von dem nicht nur die SPD betroffen ist - bis Ende 2015 auseinandersetzt, ist die SPD die einzige Partei, die flächendeckend in allen Bundesländern geschrumpft ist, so die Zeit. Im Vergleich zum Jahr 2014 haben 2015 demnach die Parteien CDU, CSU, SPD, Grüne, Linke und FDP insgesamt 36.500 Mitglieder verloren. Seit 1990 haben die Parteien, zusammengenommen, die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. In Zahlen ausgedrückt: Der Mitgliederbestand "schrumpfte von 2,4 Millionen im Jahr 1990 auf heute 1,2 Millionen".

Ein Grund der im Hinblick auf diesen Trend immer wieder angeführt wird, ist, dass viele ältere Mitglieder der Parteien, die diesen über lange Zeit verbunden waren, schlicht wegsterben. Allerdings kam die Studie zu dem Ergebnis, dass, mit Ausnahme der FDP, bei allen Parteien die "Austritte deutlich die Zahl sowohl der Eintritte als auch der Todesfälle" übersteige.

Mittlerweile wurden der Parteienstudie auch im Sommer noch nicht vorliegende Zahlen der AfD hinzugefügt. Dabei zeigt sich, dass der Frauenanteil unter allen Parteien am niedrigsten ist und 2015 bei 16 Prozent lag. Und es zeigt sich, dass die AfD 2015 nach einer Zunahme der Mitglieder 2014 um 17 Prozent einen Verlust von 21 Prozent hinnehmen musste und Ende 2015 demnach 16.385 Mitglieder hatte, d.h. weniger als ein Drittel der Mitglieder von FDP, den Grünen oder der Linkspartei. (Marcus Klöckner)

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