Die Spiele haben schon begonnen

London, Paris, San Francisco: Der olympische Fackellauf wird zur sportlichen Ausbläseraktion

Gestern London, heute Paris, morgen und Mittwoch San Francisco. Schwere Zeiten für Chinas Imagepolitik: Der olympische Fackellauf, der das Publikum auf friedliche und gelungene Spiele in Peking einstimmen sollte, wird zur Ausbläseraktion. Das olympische Feuer läuft durch jene Hauptstädte der Welt, die jeder Global Player gerne auf seiner Vistenkarte haben will. Aber die globale Aufmerksamkeit und vor allem die Sympathie richten sich vor allem auf das sportlich-subversive Unterfangen jener, die die Flamme auspusten wollen: Buhrufe für die repressive Großmacht und Beifall für die Unterstützer Tibets. Dass die Flamme in Paris schließlich in einem gesicherten Bus weitertransportiert werden musste, ist von einer Symbolik, die der Führung in Peking nicht passen dürfte.

Die Protestierer dagegen haben das aufmerksamkeitsökonomische Etappenziel in Paris erreicht. Die Flamme wurde gelöscht und musste wieder angezündet werden, berichtet der Nouvel Observateur, der darüberhinaus zahlreiche Zwischenfälle vermerkt und fünf Festnahmen der Polizei - "zur Überprüfung der Personalien" -, darunter die grüne Vizepräsidentin des Regionalrates der Ile-de-France, Mireille Ferri, die damit einen Tag lang über die Region hinaus bekannt wurde. Sie war mit einem Feuerlöscher ausgerüstet auf den Weg zu den Champ-de-Mars.

Mehrfach wurde versucht, den Fackellauf zu unterbrechen, meldet auch Le Monde. Nach dem Bericht der Zeitung gelang es den Gegnern, die Veranstalter dazu zu zwingen, sich gegen eine Fortführung des Staffellaufes zu entscheiden, nachdem Zwischenfälle den Ablauf der Veranstaltung gestört und verlangsamt haben. Obwohl sich die Veranstalter auf die zu erwartenden Aktionen vorbereitet hatten und insgesamt etwa 3000 Sicherheitskräfte aufboten, war eine absolute Kontrolle unmöglich. Die Bilder der Pro-Tibet-Demonstranten werden um die Welt gehen, ebenso das Zeichen, das sich die Organisation "Reporter ohne Grenzen", unerbittliche Kritiker der drastischen chinesischen Maßnahmen gegen die Meinungsfreiheit, für die Spiele in Peking ausgedacht hat: Handschellen statt der olympischen Ringe.

Um vier Uhr morgens wird das olympische Feuer in San Francisco an Bord eines Air China Fluges erwartet, das weiß sicher nicht nur der Reporter des San Francisco Chronicles, der von "unzähligen Gruppen" schreibt, welche die Gelegenheit zu einem Protest gegen die Politik der chinesischen Regierung nutzen wollen. Die Planungen laufen längst. Richard Gere, der Erzbischof Tutu, tibetanische Führer und das gesamte "San Francisco-Team-Tibet" stehen bereit. Für morgen und übermorgen sind Pressekonferenzen, Versammlungen, ein "Candle Light Vigil" und Massenmobilisierungen via SMS geplant. Die Spiele haben bereits begonnen.

Zur Vorgeschichte des nationalsozialistisch inspirierten Fackellaufes siehe "Löscht die Flamme" (Thomas Pany)

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