Die Stadt der Außerirdischen

International UFO Museum and Research Center in Roswell. Bild: AllenS / Public Domain

In Roswell, New Mexico, findet auch dieses Jahr wieder ein UFO-Kongress statt

Wenn man daran glaubt, dass es Außerirdische gibt, dann hier. Die Gegend ist so flach wie ein Pfannkuchen, der Himmel so hoch und weit und in der Nacht funkeln die Sterne. In der Wüste wachsen ein paar Kakteen, die Farmer ziehen ihre Zäune hoch und die Coyoten heulen.

Es war am 5. Juli 1947, als der Viehzüchter Mac Brazel mit seinem siebenjährigen Sohn auf seinen Weidegründen unterwegs war und einen seltsamen Fund machte. Auf einer Fläche so groß wie mehrere Fußballfelder entdeckte er metallene Teile, die hier verstreut waren. Er sammelte ein paar der seltsamen Dinge ein, packte sie in einen Sack und brachte sie zu seinem Haus.

Am nächsten Tag fuhr Brazel mit dem Sack in die rund 100 Kilometer entfernte Stadt Roswell und ging damit zum Sheriff. Der wiederum rief bei dem nahen Luftwaffenstützpunkt an und verständigte das Militär. So beginnt die Geschichte über den angeblichen Absturz einer "Fliegenden Untertasse", eines Ufos, von Außerirdischen und die Vertuschung des Vorfalls durch das US-Militär.

Roswell ist heute eine Stadt mit rund 45.000 Einwohnern im Südosten des US-Bundesstaates New Mexico. Der Country-Sänger John Denver und die Schauspielerin Demi Moore sind hier geboren, außerdem gibt es einen jährlichen Milchmann-Triathlohn und es ist bereits im April sehr warm, mehr gäbe es über Roswell eigentlich nicht zu berichten. Wäre da nicht das UFO-Museum.

Es liegt direkt im Stadtzentrum an der Hauptstraße und über dem Eingang lockt der grüne Kopf eines Aliens, eines Außerirdischen. Der ist mittlerweile zu einer Art Wahrzeichen der Stadt geworden, egal ob bei der Bäckerei, dem Motel, dem LKW-Parkplatz oder dem Geschenkeladen, überall stößt man auf kleine grüne Wesen mit Glubschaugen. Betritt man das Museum, geht es geradeaus zu dem großen Ausstellungsraum und nach rechts zur "Forschungsbibliothek", dort kann man sich in 7000 Büchern und 13.000 Dokumenten zum Thema Ufos und Außerirdische informieren.

"Wir sind nach dem Vatikan die zweitgrößte Bibliothek weltweit, die sich auf diese Dinge spezialisiert hat", sagt Museumsdirektor Jim Hill. Und es gebe auch durchaus seriöse Forscher, meint er, so wie etwa der Gentleman aus New York, der jedes Jahr eine Woche bei den Büchern verbringt.

Die Bibliothek ist in der Tat geräumig und in einem zweiten Raum finden sich die Kartons mit Dokumenten unterschiedlicher Art. Da sind zum einen einschlägige Esoterik-Magazine wie das amerikanische "Mysteries", das sich neben den Ufos auch Themen wie "Kornkreise und ihre Beziehung zu Tönen" oder "Floridas geheimnisvollem Korallen-Schloss" widmet. Dann gibt es die "Newsletter" der diversen Ufo-Gesellschaften, die über Sichtungen von Außerirdischen und übernatürlichen Phänomenen berichten. Zum Beispiel vom "UFO Network of Ohio", das in seiner Ausgabe vom Frühjahr 2007 über "Beängstigende Erfahrung" einer Farmersfamilie in Pennsylvania berichtet.

Und dann gibt es noch Dokumente wie die "Technischen Notizen" der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, etwa die Nummer "D-709" vom Oktober 1961 über "Wie wähle ich die entsprechende Zeitablenkungseinheit für sinusförmige Vibrationenstests?" An einer Wand der Bibliothek zeigt ein großes Gemälde, um was es im Museum gehen wird: Ein rauchendes notgelandetes Raumschiff, aus dem sich einige Außerirdische offensichtlich verletzt retten konnten.

Diese Szene steht auch im Mittelpunkt des Museums. Vier Aliens mit silbernen Körpern, spitz zum Kinn zulaufenden Köpfen und großen schwarzen Augen stehen vor einer fliegenden Untertasse, ab und zu zischt es, Rauch steigt auf und die Gruppe Außerirdischer wird in buntflackerndes Licht getaucht. In einer Ecke des Raumes sieht man dann noch einen der Fremdlinge in einer Art Glasröhre liegen.

Ansonsten besteht das Museum vor allem aus Text und Fotos auf Wandtafeln und in Zeitungsausschnitten. Darin wird die Geschichte von Mac Brazel weitererzählt. Wie sich das Militär der seltsamen Fundstücke bemächtigte und die Zeitung meldete, die Air Force habe ein abgestütztes UFO geborgen. Und wie kurz darauf die Kehrtwende kam und aus dem UFO dann ein Heißluftballon wurde. Aber zwei Krankenschwestern hätten in einem Hospital seltsame Körper gesehen. Und alle Zeugen seien durch Einschüchterung und Bestechung zum Schweigen gebracht worden.

30 Jahre lang blieb der Vorfall in der Öffentlichkeit ununtersucht, dann erschien 1980 das erste Buch zum Thema unter dem Titel "Der Roswell Vorfall". Die These: Es sei eine außerirdische Fliegende Untertasse nahe Roswell abgestürzt. Das US-Militär habe die Reste der Maschine geborgen und auf einen Luftwaffenstützpunkt gebracht, um die Technik zu untersuchen. Daraus seien neue, geheime Technologien für Flugzeuge der Air Force gewonnen worden. Zudem hätten die Soldaten auch mehrere Außerirdische geborgen, die an ihren Verletzungen gestorben seien. All dies unter größter Geheimhaltung und unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Ob Wahrheit oder nicht, wahr sind auf jeden Fall die Auswirkungen auf den Tourismus in der Stadt. Auf die Idee mit dem UFO-Museum war Walter G. Haut gekommen. Der war 1947 als Navigator für Bombenflugzeuge auf dem Roswell Army Air Field stationiert und zu dieser Zeit für die Öffentlichkeit zuständig. Aus seiner Feder stammte auch der am nächsten Tag dementierte Bericht über die Bergung des UFOs.

Zusammen mit Kompagnons eröffnete Haut 1992 das Roswellsche UFO-Museum unter dem Dach einer Non-Profit-Organisation im siebten Stock eines Bankgebäudes. Aufgrund der steigenden Besucherzahlen zog das Museum im Januar 1997 um in das jetzige Gebäude, einem ehemaligen Theater. Seit 1992 kamen 3,5 Millionen Besucher nach Roswell, um die UFO-Geschichte zu hören. Kein Wunder, dass Walter G. Haut 2002 in die Ruhmeshalle der Tourismusbehörde von New Mexico aufgenommen wurde.

Wie jedes Jahr wird es auch 2017 in Roswell ein "UFO-Festival" geben, hier versammelt sich die Creme de la Creme der Ufologen. Und selbstverständlich ist dieses Treffen, das heuer vom 29. Juni bis 2. Juli stattfinden wird, ein gefundenes Fressen für jeden Verschwörungstheoretiker.

Eine kleine Auswahl der Autoren und Themen. Mit dabei ist zum Beispiel Stanton T. Friedman, ein Physiker aus Chicago. Sein Buch "Fliegende Untertassen und die Wissenschaft" ist jetzt in der 4. Auflage erschienen.Er wird über "Astronomie und Ufologie" sprechen. Auch Kathleen Marden ist in der UFO-Szene keine Unbekannte, im Gegenteil. Zusammen mit Friedman hat sie 2007 ein Buch über die Begegnung ihrer Tante Betty Hill mit Außerirdischen im Jahre 1961 geschrieben. Der Titel: "Entführt. Das Betty und Barnie Hill UFO-Erlebnis." Auf dem Kongress wird sie über "Beweise zur Verschleierung von UFOs durch staatliche Behörden" berichten.

Derrel Siems wiederum hat einen Ruf als "Jäger der Außerirdischen", der seit 35 Jahren an vorderster Front bei der UFO-Aufklärung steht. Im Alter von vier bis 17 Jahren musste er nach eigenen Angaben verschiedene bösartige Begegnungen mit Aliens erleiden und kämpft seither an der Seite von Missbrauchsopfern durch Außerirdische. Der Titel seines Workshops: "Der Kontakt mit Aliens hinterlässt Anzeichen! Wie du diese Anzeichen bei dir selbst findest."

Travis Walton ist ein weiterer Zeuge für die Existenz von UFOs. Er wurde nach seinen Angaben 1975 in Arizona von Außerirdischen entführt, nachdem am Himmel ein seltsames helles Licht beobachtet wurde. Seine Geschichte wurde unter dem Titel "Feuer am Himmel" verfilmt und so lautet auch sein Vortrag. (Rudolf Stumberger)

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