Die Stunde der Xenoarchäologen

Das vermeintliche "Marsgesicht", die durch eine Kombination aus HRSC-Stereobilddaten mit darübergelegten hochauflösenden Bilddaten der Mars Observer Camera auf der NASA-Sonde Mars Global Surveyor erzeugt wurde. Die Blickrichtung ist von Süden nach Norden. Bild: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 6 (Letzter Teil)

Bereits 1938 erzählte der englische Schriftsteller John Wyndham in seiner Science-Fiction-Novelle "The Last Lunarians" in Form eines fiktionalen Reports von einer archäologischen Mission zum Mond. In seiner legendären Kurzgeschichte "The Sentinel" machte Arthur C. Clarke den Sprung auf die nächste Ebene und legte den literarischen Grundstein für eine in der SETI-Forschung bislang unbekannte Teildisziplin, die sich inoffiziell Mars SETA oder Lunar SETA nennt. Ihre Anhänger glauben, dass technologisch hochstehende extraterrestrische Kulturen zur Kontaktaufnahme materiell-stoffliche Artefakte auf dem Mars und im grauweißen Mondsand platziert oder vergraben haben könnten. Um dies zu beweisen, haben Wissenschaftler Fotos vom Mars und Mond, aufgenommen von Forschungssonden, dokumentiert und ausgewertet - und dabei sogar verdächtige Strukturen ausgemacht, die Artefakte sein könnten. Mit Teleskopen observieren sie derweil das größte Objekt ihrer Begierde kontinuierlich: den Mond. Doch mit Blick auf den Erdtrabanten müssen sie den größten Datenberg noch abtragen. Dabei könnten sie Überraschendes zutage fördern …

Teil 5: Weltraumkolonien, Kunstplaneten und Astro-Magier im Fokus

Bild: NASA

Mythos Marsgesicht

Die Taktik unserer grünen planetaren Nachbarn von der roten Welt war stets undurchsichtig. Erst machten sie mit dem Bau eines breiten Kanalsystems auf sich aufmerksam, deren linienartige Struktur der US-Astronomen Percival Lowell (1855-1916) vor knapp 110 Jahren explizit als marsiane Artefakte, 437 an der Zahl, interpretierte. Kurz darauf überfielen sie die Erde in einer ausgesprochen schlampig organisierten Nacht-und-Nebel-Aktion, bei der der Mikroben-Faktor auf dilettantische Art und Weise völlig außer Acht gelassen wurde. Und anschließend meißelten sie ein zorniges Gesicht in den Marsboden und hinterließen zu guter Letzt sogar angeblich eine riesige Pyramide in der Wüstenlandschaft der irdischen Nachbarwelt.

Percival Lowell - gewissermaßen der erste SETA-Astronom

Heute jedoch wissen wir es besser: Die linienartigen Strukturen, die Giovanni Schiaparelli (1835-1910) bereits 1877 während einer intensiven Beobachtungskampagne als künstlich angelegte, wasserführende Kanäle (canali) bezeichnete (womit er jedoch nur natürlich gewachsene angelegte Flussbetten auf dem Mars meinte), was kurz darauf einen gewissen Herbert George Wells (1866-1946) literarisch inspirierte, beruhen entweder auf optischen Täuschungen - oder sind nichts anderes als zufällige exogeologische Erscheinungen, auch wenn dies viele Anhänger der Paläoastronautik trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA immer noch nicht wahrhaben wollen.

Cydonia-Region mit "Face on Mars" und pyramidenähnlichen Strukturen Bild: NASA

Bei der berühmtesten nicht-irdischen Felsformation kam dies besonders zum Tragen. Als sich bei der Analyse eines bizarren Bildes, das der Marsorbiter Viking-1 am 25. Juli 1976 aufnahm, eine Struktur offenbarte, die von oben betrachtet wie ein Gesicht aussah, charakterisierte die NASA fragliche Formation eine Woche später in einer Pressemitteilung als "einem menschlichen Kopf ähnlich".

Diese Äußerung und das Bild selbst beflügelten die Phantasien vieler Menschen. Auch die Medien beteiligten sich rege an den Spekulationen, die ihren Ausdruck in zahlreichen mehr oder weniger ernsthaften Zeitungsartikeln, in Werken der populärwissenschaftlichen und Science-Fiction-Literatur, in TV-Beiträgen und später auf vielen esoterisch gefärbten Paläo-SETI-Webseiten fanden.

Ein Mythos war geboren. Und der Mythos lebt weiter - trotz aller entlarvenden Fotos der Cydonia-Region, aufgenommen von den NASA-Marsorbitern Mars Global Surveyor (1998 und 2001) und Mars-Odyssey (2002). Er lebt weiter - ungeachtet der hochauflösenden 3D-Bilder, die der ESA-Forschungsroboter Mars Express im Juni 2006 mit einer bis dahin noch nicht da gewesenen Genauigkeit - 13,7 Meter pro Bildpunkt - zur Erde funkte.

Da verliert der Mars sein Gesicht, da erleidet der Rote Planet einen marsianen Gesichtsverlust, und dennoch versuchen die Anhänger der Paläoastronautik ihr Gesicht zu wahren und rücken keinen Deut von ihrem Glauben ab. Für sie lassen einige Bildausschnitte der von den US-Orbitern geschossenen Fotos nur einen Schluss zu: Was auf dem Mars in der Cydonia-Region (und nicht nur dort) zu sehen ist, sprich Pyramiden, verlassene Siedlungen und verfallene Städte, sind architektonische Relikte einer längst vergangenen hochstehenden Zivilisation. Es sind Artefakte einer intelligenten Kultur, die entweder auf dem Mars für längere Zeit gelebt oder den Roten Planeten einst als Basis genutzt hat.

Wissenschaftliche Bestätigung

Obgleich bizarre Strukturen auf dem Mars nichts Ungewöhnliches, sondern meist das Ergebnis exogeologischer Umwälzungen sind und auch neueste Fotos der Marsoberfläche zeigen, dass die Geologie des jungen Mars wesentlich dynamischer gewesen war, als bisher angenommen, sympathisieren bisweilen offensichtlich selbst gestandene Wissenschaftler mit der marsianen Artefakt-These - wie etwa Mark J. Carlotto und Michael C. Stein. Nach der Analyse der Viking-Daten nahm die beiden Satellitendaten- und Bildbearbeitungsexperten vor 23 Jahren das Gesicht vom Mars und die nähere Umgebung mittels einer von ihnen weiter entwickelten Methode nochmals genauer unter die Lupe. Hierbei wandten sie die Fraktal-Methode an. Sie baut auf der Erfahrung auf, dass auf Satellitenaufnahmen der Erde natürlich gewachsene größere Strukturen wie Landschaften, Wüsten, Dünen oder Berge stets aus den gleichen Details bestehen, die nur in puncto Größe und Ausdehnung variieren. Diese gleichen auch jenen auf anderen Steinplaneten im Sonnensystem. So ähneln beispielsweise bestimmte Landschaftszüge auf dem Mars denen der Erde.

Viking 1. Bild: NASA

Gleichwohl sind auf der Erdoberfläche überall Muster von Intelligenz zu finden, Spuren technologischer Schaffenskraft - wie Straßen, Städte, Fahrzeuge oder archäologische Ruinen. Von Weltraum aus sind solche Muster leicht zu erkennen, weisen sie doch Merkmale und Größen auf, die in unmittelbaren Zusammenhang mit der Größe ihrer Konstrukteure stehen. Mit speziellen Computerprogrammen lassen sich sodann die künstlich gearteten Muster und Anomalien von natürlichen gezielt abgrenzen. Und durch den Einsatz von Falschfarbenaufnahmen gewinnen ungeahnte Details an Schärfe. Wie dem auch sei - nach dem Scan der Viking-Bilder zogen die Forscher 1990 jedenfalls ein überraschendes Fazit:

Nachdem wir die Technik angewandt und die Bilder des Viking-Orbiters untersucht haben, deuten die vorläufigen Resultate darauf hin, dass bestimmte Objekte auf der Oberfläche des Mars, die zurzeit unter Beobachtung stehen, nicht natürlichen Ursprungs sind.

Ihrer Ansicht nach verdienen in der Cydonia-Region mehrere Objekte wissenschaftliche Aufmerksamkeit: zum Beispiel ein pyramidenartiges Gebilde und einige scharfeckige Formationen, die so aussehen, als seien sie in die Landschaft eingeätzt worden. Da auf dem Mars offensichtlich eine bestimmte Anzahl artifizieller Gebilde existiere, seien weitere Untersuchungen unerlässlich. In einem 17 Jahre später publizierten Fachaufsatz geht Carlotto - ungeachtet des marsianen Gesichtsverlustes - sogar noch weiter:

Die vorliegenden Resultate zeigen, dass im Vergleich zu irdischen Mustern bestimmte Bereiche auf unserem Mond und auf dem Mars wie künstlich gemacht wirken.

Man müsse diese Gebilde weiterhin observieren. Immerhin könne man jetzt, wie Auswertungsübungen von Satellitenbildern der Erde gezeigt haben, mit 85-prozentiger Genauigkeit natürliche Muster von artifiziellen unterscheiden, erläutert Carlotto. Er bezeichnet das Abscannen von Planetenoberfläche als pSETI (Planetary SETI), ein Terminus technicus, der sich in der SETI Community gleichwohl noch nicht etabliert hat.

Mars mitsamt Polarregion. Auf ihm vermuteten noch im letzten Jahrhundert einige Wissenschaftler intelligente Lebensformen. Bild: NASA

Sein Optimismus teilt kein Geringerer als der weltbekannte Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke, aus dessen Feder das legendäre Opus "2001: A Space Odyssey" stammt. Im Februar 2001 ließ er nicht den Hauch eines Zweifels daran aufkommen, dass für ihn der geheimnisvolle Rote Planet in ferner Vergangenheit einmal die Heimat einer intelligenten Kultur gewesen war.

Ich bin davon überzeugt, dass wir auf dem Mars tatsächlich Leben gefunden haben. Es gibt einige unglaubliche Fotografien vom Jet Propulsion Laboratory [der NASA], die für mich ein ziemlich klarer Beweis für die Existenz fortgeschrittener Lebensformen auf dem Mars sind. Schauen Sie sich die Bilder an. Ich sehe hierfür keine andere Erklärung.

Artefakte im Okular

Außerirdische Artefakte mit einem Superteleskop auflösen und fotografieren würde auch Antoine Labeyrie gerne, der sich als Spezialist für optische Fragen in der beobachtenden Astronomie einen Namen gemacht hat, entwickelte er doch die Speckle-Interferometrie, ein Verfahren, das atmosphärische Störungen ausgleicht und die Qualität von Bildern erdgebundener Teleskope erheblich steigert.

Außerirdisch ist dieses Reptil artige Gebilde in jeder Hinsicht. Bei ihm handelt es jedoch nicht um eine Artefakt ähnliche Struktur, sondern um eine sechs Kilometer lange Sanddüne auf dem Mars. Bild: NASA/JPL-Caltech/ASU

Das Hyperteleskop, das ihm vorschwebt, trägt den vorläufigen Namen Exo Earth Imager (EEI) und soll einmal als überdimensional großes Interferometer-Teleskop in der Erdumlaufbahn seine Kreise ziehen, wo es auch zusammengesetzt werden soll. Basierend auf Kalkulationen und Simulationen traut Labeyrie seinem Traumteleskop zu, einen 30 Lichtjahre entfernten Exoplaneten aufzuspüren und detaillierte Strukturen auf dem Zielplaneten auszumachen, möglicherweise sogar Artefakte.

Auf dem Zeichenbrett Labeyries hat der Exo Earth Imager schon anschauliche Formen angenommen. So sieht sein jüngster Entwurf eine Flotte von 10.000 Drei-Meter-Spiegeln vor, die sich in einer sphärischen Blase verteilen, die einen Durchmesser von sage und schreibe 400 Kilometern hat. Alle Teilspiegel werden im Orbit dergestalt geschickt zueinander positioniert, dass sich das gesammelte Licht in einem Brennpunkt bündelt. Die einzelnen Teleskope verschmelzen dabei zu einem gigantischen Spiegel, der ein Gebiet von 8.000 Quadratkilometern abdeckt.

Auch der italienische SETI-Astronom Claudio Maccone denkt an ein futuristisches Objekt, das in ferner Zukunft einmal drei Lichttage von der Erde entfernt im All schweben und nach intelligenten fernen Kulturen und deren Artefakte Ausschau halten soll. Was spräche dagegen, fragte sich Maccone, am Rande des Sonnensystems eine mit Teleskopen bestückte Raumsonde zu stationieren, die unter Anwendung des Gravitationslinseneffekts astronomische Observationen von kaum vorstellbarer Präzision erlaubt? Dahin, wo der Brennpunkt der Sonne liegt, hinein in jenes Niemandsland abseits des Sonnensystems, wo die solare Gravitationslinse dank der Schwerkraft der Sonne die von anderen Sternen eintreffende elektromagnetische Strahlung inklusive aller Radiowellen bündelt, konzentriert und vor allem verstärkt - ähnlich einer optischen Linse.

82 Milliarden Kilometer von unserer Sonne entfernt befinden sich die Brennpunkte unserer Sonne. Würde man dorthin ein sensibles astronomisches Gerät verfrachten, könnte es laut Maccone Städte und technische Details, sprich Artekfakte ausfindig machen. Bild: NASA/ESA

Drei Lichttage von der Erde entfernt, aber immer noch erheblich näher als der erdnächste Stern Proxima Centauri, befindet sich eine ganze Sphäre von Brennpunkten, die zahllose Bilder von Sternen und Galaxien generieren. Die von unserem Heimatstern am Sonnenrand abgelenkten Strahlen fokussieren sich hier in einem Raumbereich, dessen Form am ehesten mit einer Kugelschale beschrieben werden kann, der jedoch weit außerhalb unseres Sonnensystems liegt - 82 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt: 14 mal weiter entfernt als Pluto von der Sonne. Alle observierten kosmischen Objekte, ob Planeten, Sterne oder Galaxien, sind in puncto Auflösung kraft der solaren Linse eine Million Mal schärfer als die Bilder aller optischen Teleskope auf der Erde zusammen.

Einmal im 82 Milliarden Kilometer entfernten Zielgebiet angekommen, würden die Teleskope in Aktion treten und nahezu alle wichtigen Bereiche des elektromagnetischen Spektrums abtasten und analysieren. Dann wären einige kleinere astronomische Revolutionen programmiert. Maccone weist darauf hin, dass es infolge der unglaublichen optischen Auflösung von FOCAL durchaus möglich sei, Städte auf erdnahen extrasolaren Planeten auszumachen, aber auch größere Details wie Fahrzeuge - also Artefakte par excellence.

SAAM

Aber warum in die weite Ferne schweifen und den Mars, ja in Zukunft sogar ferne Planeten mit Sonden und Teleskopen observieren, wenn die künstlichen Objekte der Begierde sozusagen vor unserer planetaren Haustüre liegen, wenn außerirdische Artefakte dereinst auf dem Mond verstaut wurden. Beseelt und angetrieben von diesem Gedanken rief der ukrainische Radioastronom Alexey V. Arkhipov 1992 das privat organisierte SAAM-Projekt ins Leben, das gewissermaßen ein Teilbereich des SETA-Programms ist und unter der Federführung des "Research Institute on Anomalous Phenomena" (RIAP) steht, dem wiederum Arkhipov vorsteht.

SAAM ist das Akronym für "Search for Alien Artifacts on the Moon". Der Name ist Programm. Um auf der Suche nach lunaren extraterrestrischen Artefakten wissenschaftlich fundierte Daten zu sammeln, etablierte das RIAP-Institut ein Netzwerk, dem Wissenschaftler in Belarus (Weißrussland) und Astronomen der American Lunar Society sowie der ALPO, der Association of Lunar&Planetary Observers am Department of Planetary Sciences an der University of Arizona in Tucson (USA) angehören. Es ist eine bunte Forscher-Truppe, die den Mond mit den unterschiedlichsten Teleskopen permanent observiert und auch alte Satellitendaten von Mondorbitern akribisch auswertet.

Schwerpunktmäßig richtet sich ihr Fokus dabei auf bislang unbekannte temporäre Leuchterscheinungen auf der Mondoberfläche, die sich in Form von lokalen Helligkeits- oder Farbveränderungen zeigen und von denen schätzungsweise 1.500 registriert wurden. Mondsüchtige beobachteten diese Ereignisse in erster Linie in den großen Mondkratern Aristarchus, Gassendi, Furnerius und Stevinus.

Der Aristarchus Krater - aufgenommen vom NASA-Mondorbiter Lunar Reconnaissance Orbiter. Der Krater hat einen Durchmesser von 40 Kilometer und eine Tiefe von 3,5 Kilometer. Bild: NASA/GSFC/Arizona State University

Was die Herkunft und wahre Natur dieses Phänomens angelangt, existiert bis heute kein einheitliches Erklärungsmodell. Ob solche LTPs (Lunar Transient Phenomena) durch Restvulkanismus, lunare Gasausbrüche, elektrische Entladungen oder Meteoriteneinschläge hervorgerufen werden, diskutieren Wissenschaftler weltweit kontrovers. Arkhipov indes hat eine andere Erklärung parat.

Die sternähnlichen Phänomene auf der lunaren Oberfläche, die 20 bis 60 Minuten dauern, könnten möglicherweise Artefakte auf dem Mond sein. Ein auf dem Mond installierter Spiegel würde das Licht der Sonne auf diese Weise reflektieren.

Laut Arkhipov mehren sich auch Berichte von nächtlichen Lichtpunkt-Phänomenen auf dem Mond, die sich über einen Zeitraum von 15 Minuten bis zwei Stunden erstrecken. Da die ungewöhnliche Länge dieser LTP-Phänomene mit den bisherigen Erklärungsmodellen nicht in Einklang zu bringen ist, könnten einige dieser Erscheinungen nach Ansicht des ukrainischen Astronomen durchaus künstlichen Ursprungs sein.

Lunare Anomalien

Es liegt in der Natur der Sache, dass derjenige, der nach Anomalien sucht, die selbigen auch finden wird. So verwundert es nicht, dass vornehmlich Präastronautik-Fans immer wieder auf lunare Anomalien hinweisen, die mit keinem bekannten Naturphänomen korrespondieren. So verweist der bekennende Paläo-SETI-Anhänger und Mond-Verschwörungstheoretiker Gernot L. Geise auf ruinenähnliche Formationen und quasi-rechteckige Muster von Einsenkungen ("recdeps"). Rund 69 Prozent aller ruinenähnlichen Objekte, so der Autor, zählen zu diesem Typus. Ferner bestünden 30 Prozent der ruinenähnlichen Strukturen aus quasi-rechteckigen Liniengitter ("reclats"), einem "Komplex von verflochtenen, gebrochenen Gebirgskämmen oder Furchen".

Auch am Rande des auf der Rückseite des Mondes gelegenen Kraters Lobachevsky fotografierten Astronomen vor knapp 50 Jahren ein Gebilde, dass sich möglicherweise bewegt - vom oberen Wallrand zum Kraterboden hin. Ein Meteoriteneinschlag könne nicht der Grund dieses Phänomens sein, da offenbar eine Spur zum oberen Kraterrand führe. Geise macht darüber hinaus auf ein Video aus Japan aufmerksam, das mit einem Teleskop aufgenommen wurde. Auf ihm ist ein so genannter Fastwalker zu sehen. Auch dieses unbekannte Objekt scheint sich ebenfalls über der Mondoberfläche zu bewegen. Auf das Problem der "Fast Moving Objects" (FMO) geht sogar Arkhipov in einem weiteren Fachaufsatz ein. Hierbei handelt es sich anscheinend um Objekte, die sich entweder auf oder etliche Meter über der Mondoberfläche schnell bewegen. Maximal eine Minute dauert ein FMO, hinter dem der ukrainische Wissenschaftler gleichwohl ein natürliches Phänomen vermutet.

Ein andere auffallende Anomalie sind laut Giese die "Domes", kuppelartige, runde Gebilde von unterschiedlicher Größe, die sich über den Mond erstrecken und von denen inzwischen Hunderte bekannt sind. Giese erwähnt zudem auch nochmals die von dem US-Forscher Steven Wingate 1997 in die Diskussion gebrachte Anomalie, die auf einem Bild zu sehen ist, das während der Apollo-16-Mission auf der Rückseite des Mondes aufgenommen wurde. Hier wurde angeblich ein unbekanntes, im Wall des Kraters Lobachevsky befindliches Objekt in einer kleinen Vertiefung fotografiert (siehe Bild).

Ob auf diesem Apollo-16-Bild wirklich eine Anomalie zu sehen ist, wie viele annehmen, liegt im Auge des Betrachters. Bild: NASA

Die seinerzeit angeführte Erklärung des Piloten der Kommandokapsel von Apollo 16, Ken Mattingly, wonach das Objekt möglicherweise nichts anderes als ein dunklerer Lavafluss sei, hält Giese für unzureichend:

Es ist allerdings fraglich, wie in einen Kraterwall flüssige Lava hinein kommen soll. Für diese "Anomalie" gibt es bisher keine Erklärung. Vergleiche mit neueren Aufnahmen der Mondsonde Clementine zeigen, dass das Objekt heute ganz anders aussieht. Kein Wunder, liegen doch zwischen den Bildern rund fünfundzwanzig Jahre. Welches (bewegliche) Objekt verharrt so lange auf der Stelle? Vergleicht man die Bilder, so sieht das Objekt auf den Clementine-Bildern aus wie eine Art Stolleneingang.

Gieses Begeisterung für SETA in Ehren - sich bei vermeintlichen Anomalien mit vorschnellen Interpretationen in Zurückhaltung zu üben, scheint in Anbetracht des heiklen Sujets angebracht und ratsam. Es liegt nämlich in der delikaten Natur des Themas, dass hierzu im Internet unzählige unsinnige Foto-Interpretationen und teilweise auch bewusste Fälschungen kursieren, die amateurhafte, bestenfalls semi-professionelle Züge haben.

Dieses Bild wurde von Mars Global Surveyor (MGS) mit seiner hochsensiblen Kamera MOC am 21. Mai 1999 aufgenommen. Was wie eine Ansammlung kleiner Felsmonolithen aussieht, sind in Wahrheit nur Marsdünen, die für ihre bizarren Strukturen bekannt sind. Bild: NASA

Selbst ernannte Experten oder Amateur-Wissenschaftler nehmen undeutliche Pixel und auf den ersten Blick bizarr aussehende Strukturen eben anderes wahr als professionell und wissenschaftlich geschulte Beobachter. So geschehen 1966, als vermeintlich pyramidenförmige und turmartige Strukturen (Blair Cuspids) auf dem Mond entdeckt wurden. Seinerzeit war die Aufregung groß. Inzwischen jedoch besagen wissenschaftliche Studien, dass es sich hierbei um ganz normales, gleichwohl relativ großes Vulkangestein handelt, das einst von einem Krater im Nordosten ausgeworfen wurde.

Warum der Mond?

Bei alledem steht natürlich die wichtige Frage im Raum, warum eine außerirdische, kommunikationsfreudige Raumfahrtkultur ausgerechnet auf dem Mond eine Botschaft in Form eines Artefakts verstecken sollte. Ist es nicht sinnvoller, auf der Erde, etwa im Erdboden, in einem Fels oder auf einer Bergspitze ein Artefakt zu verstecken? Ein Gegenstand, der nur mithilfe von technischem Instrumentarium aufgespürt werden kann. Eine Nachricht, die nur ein Adressat zu lesen und zu verstehen vermag, der eine gewisse intellektuelle Reife erlangt hat.

La Luna - auf ihm waren bislang nur 12 Menschen, hierunter aber noch kein SETA-Forscher. Bild: NASA

Wenngleich grundsätzlich nicht auszuschließen ist, dass auf unserem Planeten außerirdische, mit einer Botschaft versehene Artefakte bislang unbemerkt ihr Dasein fristen, so gehen die meisten SETA-Experten davon aus, dass eine außerirdische Expedition solcherlei Botschaften vorzugsweise auf dem Mond deponieren würde. Prof. Arkhipov geht in seiner Interpretation noch einen Schritt weiter und sieht in dem Erdbegleiter extraterrestrisches Pflichtprogramm. "Es ist nachdrücklich zu betonen, dass die Landung auf dem Mond für extraterrestrische Intelligenzen keine Annehmlichkeit, sondern eine Notwendigkeit ist."

Die Gründe hierfür liegen für ihn auf der Hand. Denn im Gegensatz zur Erde geht es auf dem Erdtrabanten auf exogeologischer Ebene höchst ruhig zu. Erosionen und Sedimentationen sind rare lunare Vorgänge. Nur Meteoriten verursachen Erosionen, aber bei weitem nicht so häufig und so wirkungsvoll wie allgemein angenommen. Unser Nachbar wird vergleichsweise selten von Meteoriten etc. heimgesucht. Impaktereignisse sind desgleichen rare lunare Vorgänge. Bereits während der Apollo-12-Mission ergaben seismologische Messungen, dass in einem Radius von 350 Kilometer im Schnitt nur einmal im Monat ein Gesteinsbrocken von der Größe einer Grapefruit auf dem Mondboden niedergeht. Vor allem aber erhöht die tektonische Inaktivität des Mondes die Überlebensrate von dort abgelegten Artefakten. Gebirgsverschiebungen, Erdbeben und Vulkanismus fallen als störende Quelle ebenso weg wie extreme Hitze, starke Magnetfelder oder Radioaktivität.

"Daher wird jede auf dem Mond zurückgelassene Nachricht, jede Spur oder jedes technisch aktive Objekt hier und heute noch vorhanden und ohne großen Kostenaufwand lokalisierbar sein", sagt der weltweit bekannte australische Physiker Paul Davies vom Beyond Center for Fundamental Concepts in Science der Arizona State University in Tempe (USA). "Die Frage wird nunmehr sein, wie diese Objekte geartet und geformt sind. Und warum sie zurückgelassen wurden."

Vier lunare Artefakt-Typen

Paul Davies und sein Kollege Robert V. Wagner glauben, dass Artefakt nicht gleich Artefakt ist. Vielmehr könnten diese in vier verschiedenen Varianten auftauchen. Das klassischste und attraktivste Artefakt schlechthin wäre - wie der Clarksche Monolith in "2001: A Space Odyssey" - ein absichtlich vergrabenes oder gut geschütztes Kunstwerk mitsamt Nachricht, die nur eine intelligente, der Raumfahrt mächtige Spezies zu entziffern in der Lage wäre. Ihr Absender würde auf diese Weise signalisieren, dass er gewillt ist, sein Wissen und seine Weisheit mit uns zu teilen. "Eine Botschaft würde sehr wahrscheinlich dergestalt deponiert sein, dass sie relativ leicht zu finden ist. Sie könnte auch mit einer Art Funksignal versehen sein, so dass Mondsatelliten sogar vergrabene Objekte finden können."

Sollten Aliens die Erde vor Tausenden von Jahren aufgesucht haben, würden sie den Homo sapiens als aufstrebende Kultur einstufen und daher ungefähr abschätzen können, wann unsere Nachfahren den Mond erobern. Sie würden dann die Nachricht entsprechend gestalten und verstecken, vielleicht in Form einer Kapsel am Rande eines Mondkraters. Andererseits müsste eine Nachricht für ferne Zivilisationen, um eine Million Jahre zu überdauern, tiefer im Mondboden vergraben sein. Nach Davies' und Wagners Meinung müsste in diesem Fall der Funkstrahl des Artefakts so stark sein, dass er mindestens mehrere Meter Regolith-Gestein durchdringt. Langwellige Radiostrahlen oder ein starkes Magnetfeld könnten uns zu dem Fundort des jeweiligen Artefaktes führen. Potentielle Fundorte könnten in den großen Kratern oder am Nord- oder Südpol des Mondes liegen.

Eine fremde Technologie könnte auf dem Mond auch wissenschaftliches Gerät installiert haben, vielleicht Roboter, Laser, Sendeanlagen oder ein Radioteleskop auf der Rückseite des Erdtrabanten. "Solche Instrumente würden allerdings weitaus schwerer zu finden sein als eine Nachricht, weil Aliens kein Interesse daran haben, dass diese leicht aufzuspüren sind", so Davies.

Ins Kalkül gezogen müsse auch die Möglichkeit, dass sie nach ihrem Aufenthalt auf dem Mond schlichtweg Müll und Abfall oder nicht mehr brauchbares technische Instrumente abgelegt haben. Möglicherweise haben die Außerirdischen dabei nicht so verschwenderisch gehaushaltet wie die Apollo-Missionen, die das meiste Equipment einfach zurückgelassen haben, spekuliert das Forscher-Duo. Irgendetwas könnten sie dennoch hinterlassen haben, vielleicht kleine Artefakte wie weggeworfene Werkzeuge. Solche zu finden sei jedoch nahezu aussichtlos. Größere Strukturen wie etwa ein Habitat, eine Kuppel oder eine Solaranlage hingegen dürften noch Millionen Jahre später zu sehen sein.

Irdischer Trash in Form eines zurückgelassenen Mondautos. Bild: NASA

Vielversprechende Lagerstätten für Alien-Trash sind laut Davies erkaltete lunare Lavaröhren, die hunderte Meter lang sein können. Derlei natürlich entstandene Tunnel, die der japanische Mondsatellit Kaguya 2009 nachwies, gelten als sehr interessante Alternative für spätere Mondbasen, weil sie nahezu perfekten Schutz vor gefährlicher Weltraumstrahlung, extremen Temperaturen und Meteoriten bieten. Aus diesem Grunde könnten die Aliens in besagten Lavatunneln seinerzeit auch ihre Nachrichten und Artefakte gezielt deponiert haben.

"Die gleichen Faktoren, die diese Lavaröhren zu einem attraktiven Lebensraum machen, bewirken auch, dass alle Artefakte, die dort zurückgelassen wurden, nahezu unendlich lange erhalten bleiben, ohne zerstört oder durch Staub verdeckt zu werden", so Davies und sein Kollege.

Zu guter Letzt könnten die Extraterrier auch auf dem Mond aktiv Bergbau betrieben und riesige Minenanlagen errichtet haben, um ihre Rohstoffdepots aufzufüllen. Die dabei von ihnen hinterlassenen Spuren könnten durch die Auswertung des vorliegenden fotografischen Materials, der Analyse der alten und neuen Satellitenbilder, leicht zu finden sein. Und genau diese Methode ist die zurzeit beste und zugleich effektivste, um extraterrestrische Artefakte auf dem Mond zu entdecken.

Eine Lava-Röhre auf dem Mond. Sollten hierin etwa Artefakte versteckt sein, so wie es Paul Davies nicht auszuschließen vermag? Bild: NASA/GSFC/Arizona State University

Die erste Suche

Bereits vor 50 Jahren fabulierte Carl Sagan über die Möglichkeit, künstliche Objekte außerirdischer Herkunft auf dem Mond mithilfe von Fotografien ausfindig zu machen. So wie sich vom Orbit aus mit modernsten Kameras beispielsweise Spuren irdischer kultureller Aktivität gut bestimmen und aufspüren lassen, könnten auch Satelliten in der Mondumlaufbahn fündig werden. Vor allem detektierte rechteckige Strukturen erhärten nach Ansicht von Sagan den Verdacht, künstlicher Abstammung zu sein. Prof. Arkhipov sieht dies ähnlich:

Rechteckige Muster, ob sie aus der Luft oder vom Weltraum aus entdeckt wurden, werden in der orbitalen Erdbeobachtung und Luftbildarchäologie als Zeichen menschlicher Kultur gedeutet. Es scheint daher naheliegend, nach rechteckigen Mustern auf dem Mond zu suchen.

Gesagt - getan. Der Erste, der auf der Suche nach Alien-Artefakten eine satellitengestützte Observation des Mondbodens konsequent verwertete, war der unverwüstliche SAAM-Papst Arkhipov in persona. Genauer gesagt durchforstete er mehr als 80.000 HiRes-Fotos (=High Resolution), die der US-Mondorbiter Mondsonde Clementine 1 im Jahr 1994 aufgenommen hatte. Ausgestattet mit der UV/Vis-Kamera, die im ultravioletten und sichtbaren Licht operierte, und einer Infrarotkamera, nahm die Sonde binnen 360 Orbits 1,6 Millionen Bilder auf.

Die NASA-Raumsonde Clementine 1 startete 1994 und operierte nur 115 Tage im All. Bild: NASA

Unter Anwendung bestimmter Algorithmen fokussierte sich Arkhipovs computergestützter Suchlauf auf möglichst auffällige rechteckige Muster in der Clementine-1-Bilderserie. Hierbei verzeichnete der Ukrainer 128 Treffer, von denen 47 in die engere Auswahl kamen. Nachdem er alle Fotos in schlechter Auslösung aussiebte, blieben einige interessante Kandidaten im Rennen, die suspekte Strukturen wie Dammbau ähnliche Gebilde, Vierecke, seltsame Erhöhungen oder Vertiefungen offenbarten. Dabei sprang ihm eine sehr interessante ruinenartige Struktur ins Auge, die in der Nähe des Kraters Lovelace (117° W; 82° N) liegt (siehe Bild).

Das Bild LHD30055.080 scheint ein vielversprechender Kandidat für eine archäologische Erkundung zu sein. Diese Formation sieht aus wie eine isolierte quasi-rechteckige Anhäufung oder wie eine rechteckige Vertiefung. Ist hier vielleicht eine unterirdische Höhle eingestürzt?

In der Hoffnung auf eine baldige bemannte Mission zum Mond listet Arkhipov in seiner Studie alle vielversprechenden Fundstellen mitsamt deren Koordinaten auf. "Diese Funde erinnern an archäologische Fundstätten und moderne Entwürfe von Mondstationen. Es ist daher zu empfehlen, diese in situ auf potenzielle Artefakte hin zu untersuchen." Was auch immer sich dabei später herausstelle - letzten Endes seien all diese Erscheinungen eindrucksvolle Beispiele für eine ungewöhnliche lunare Geologie. Sie verdienen es, weiterhin erforscht zu werden. Aber noch mehr gelte dies für Lunar SETA, so der Ukrainer. Denn die bisher erreichten Resultate bei der Erforschung des Erdtrabanten zeigen deutlich, dass die Suche nach außerirdischen Artefakten auf dem Mond "eine vielversprechende SETI-Strategie" ist, wenn sie einher geht mit ernsthaften lunaren Kolonisationsplänen.

Vorschlag für effektiveren Suchlauf

Wie eine noch effizientere Artefakten-Observation ohne größeren zeitlichen und finanziellen Aufwand funktionieren könnte, weiß kein Geringerer als Paul Davies. Zusammen mit Robert V. Wagner schlug er vorletztes Jahr vor, die Daten des Mondsatelliten Lunar Reconnaissance Orbiter LRO heranzuziehen und systematisch auszuwerten.

Diese von Arkhipov als verdächtig eingestufte Formation wurde von der Mondsonde Clementine am 8. März 1994 aufgenommen (LHD 30055.080). Die vermeintliche rechteckige Vertiefung erstreckt sich über ein Gebiet von zirka 13 Quadratkilometern. Bild: NASA

Die seit Sommer 2009 in der Umlaufbahn des Mondes operierende NASA-Sonde funkte bis heute zahlreiche detaillierte Bilder von der Mondoberfläche zur Erde, von denen die NASA derweil mehr als 400.000 veröffentlicht hat. Mit dem Ende der Mission sollen es eine Million sein. Von der Fülle des zurzeit vorliegenden Bildmaterials zeigen sich beide Physiker sichtlich beeindruckt:

Der Datensatz ist derart gut, dass bereits verschiedene Artefakte gefunden wurden, die sowohl in die Trash- als auch Instrumentenkategorie fallen. Allerdings wurden alle von Menschen erschaffen.

Tatsächlich schossen die zwei hochsensiblen LRO-Engwinkelkameras im Spätsommer 2011 die bislang detailreichsten Aufnahmen vom Mond. Auf den Fotos mit der beeindruckenden Auflösung von einem Viertelmeter pro Pixel sind deutlich Spuren menschlicher Aktivität auf dem Mond zu sehen. Nicht nur die Landeplätze von Apollo 12, 14 und 17, sondern auch die Fußspuren der einst dort werkelnden Astronauten sind schrittgenau zu lokalisieren. Dank der hohen Auflösung der Bilder konnten NASA-Mitarbeiter sogar einige der von den Astronauten zurückgelassenen Rucksäcke ausmachen und nicht zuletzt auch das wissenschaftliche Instrumentarium, das die Apollo-Besucher damals für Messungen abgestellt hatten.

Aufnahme von der Landestelle mitsamt Spuren der Apollo 14-Mission. Bild: NASA

Wenn es schon gelingt, mithilfe der sensiblen LRO-Instrumente kleinere irdische Artefakte auf dem Mond aufzustöbern, sollte dies bei lunaren außerirdischen Artefakten umso mehr klappen, so das Kalkül der Forscher. Schließlich haben die meisten LRO-Bilder eine durchschnittliche Auflösung von 50 Zentimeter pro Pixel. Ein Wert von dem Arkhipov 1995 nur träumen konnte. Seinerzeit merkte er kritisch an, dass ein Artefakt mindestens ein Meter groß sein muss, um mit Hilfe von Satellitenaufnahmen überhaupt entdeckt zu werden.

Das einzige Problem sei indes die enorme Datenmenge, die es zu bewältigen gelte, verdeutlichen Davies und Wagner. Schließlich wartet allein jede LROC-Aufnahme mit 500 Megapixeln auf. Selbst ein auf dem Feld der Astrofotoanalyse geübter Experte würde bei der Fahndung nach künstlichen Strukturen für die genaue Auswertung eines einzelnen Bildes zwischen 30 Minuten und eine Stunde benötigen. Angesichts des ständig wachsenden Datenberges mache daher eine manuelle Suche, durchgeführt von einem kleinen Team, wenig Sinn, betonen die beiden Wissenschaftler. Sie favorisieren eine andere Vorgehensweise:

Es sollte möglich sein, den gesamten Datensatz über Crowdsourcing zu durchforsten, an dem einige Zehntausend User des Internets mitwirken. Tatsächlich geht die Website MoonZoo.org bereits so vor. Sie versucht, so viele verschiedene lunare Strukturen wie möglich zu klassifizieren. Hierbei nehmen sich die User einige LROC-Bilder vor und zeichnen auf, was sie gefunden haben.

Aber auch eine computergestützte Analyse unter Anwendung einer speziellen Software könnte dabei helfen, die Bilder der Mondoberfläche systematisch nach verdächtig aussehenden Strukturen abzutasten. Robert Wagner hat ein solches Programm bereits geschrieben und getestet. Es ist ausgereift genug, um 200 Bilder binnen einer Stunde zu überprüfen und zeitgleich alle verdächtigen Strukturen herauszufiltern. Käme es zu einem Treffer, würde ein Foto-Experte die Aufnahme nochmals mit Argusaugen studieren und entscheiden, ob hier möglicherweise ein Hinweis auf ein echtes außerirdisches Artefakt vorliegt oder nicht.

Das Happy-Face auf dem Mars ist ein gutes Beispiel dafür, wie menschliche Fantasie natürlich gewachsene Strukturen zu einem Kunstwerk zu erheben vermag. Auf diesem Foto ist der im Durchmesser 230 Kilometer große Galle-Krater zu sehen. Bild: NASA

Auch wenn der Mond nach Ansicht von Davies und Wagner ein "ausgezeichneter Platz" ist, um Artefakte zu hinterlassen, stufen sie die Chancen, einen solchen Treffer zu landen, eher gering ein, nicht zuletzt aufgrund des zeitlichen Aspektes.

Wir räumen ein, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, eine Spur außerirdischer Aktivität auf dem Mond zu finden. Selbst wenn der Mond von einer Raumsonde oder einer Expedition besucht wurde, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass dies in jüngster Vergangenheit geschehen ist.

Störender Zeitfaktor

Der temporäre Faktor könnte in der Tat das größte Problem sein. Selbst an einem auf der Rückseite des Mondes vergrabenen Artefakt nagt irgendwann einmal der Zahn der Zeit. Im Verlaufe von Jahrmillionen summieren sich früher oder später die vereinzelten Metoriteneinschläge. In einer Studie aus dem Jahr 2008 berechnete ein amerikanisches Team, dass selbst ein Artefakt mit einem Durchmesser von einigen zehn Metern zwangsläufig der lunaren Erosion zum Opfer fallen würde.

Zwar vollzieht sich ein solcher Prozess über mehrere Hundertmillionen Jahre. Dennoch würde ein künstliches Gebilde mit der Zeit immer tiefer im Staub und dem Regolithgestein versinken, bis es gänzlich verschwindet. So verwundert es nicht, dass das Forscherduo dazu ermahnt, nicht in kurzen, sondern in langen Zeiträumen zu denken. In Zeiträumen, die zehn Millionen Jahre oder mehr betragen:

Wenn das Sonnensystem - sagen wir - vor zwei Milliarden Jahren besucht wurde, wird es äußerst schwierig, irgendwelche Spuren außerirdischer Technologie zu identifizieren, selbst über einen längeren Zeitraum. Wenn der Zeitraum - sagen wir - Hundertmillionen Jahre beträgt, erhöht sich für uns die Wahrscheinlichkeit, solche Spuren zu finden. Aber die größten Hoffnungen dürfen wir uns machen, wenn wir in Zeiträumen von einigen Millionen Jahren oder weniger rechnen.

Auch der führende SAAM-Spezialist Alexey V. Arkhipov hofft. Er hofft, dass bei all jenen Geologen, Geophysikern, Geochemikern und Astronomen, die aktive Mondforschung betreiben und die praktisch für jede wie auch immer geartete und geformte neu entdeckte Struktur fachbedingt immer eine natürliche Erklärung parat haben, endlich ein Umdenken stattfindet, eine Sensibilisierung für das Undenkbare. Selbst Bioastronomen haben seiner Einschätzung nach den Mond bis heute sträflich vernachlässigt, streng genommen sogar ignoriert. Es bedarf schon der Fähigkeit eines Kriminalisten, um natürliche Formationen auf dem Mond von einem echten Artefakt zu unterscheiden. Aber genau diesen Spürsinn vermisst Arkhipov auf interdisziplinärer Ebene schmerzlich. "All dies rechtfertigt meine Behauptung, dass der Mond hinsichtlich der Suche nach außerirdischen Artefakten auf seiner Oberfläche praktisch noch unberührt ist."

Die Zeit wird reif, den Mond zurück zu erobern - und dabei die Chance zu ergreifen, in situ gezielt nach den von Wissenschaftlern vermuteten Anomalien zu suchen. Bild: NASA

So groß der Frust bei den SETA-Anhängern derweil auch sein mag - ihre Stunde wird irgendwann schlagen. Spätestens dann, wenn im Rahmen einer bemannten Mond-Mission erstmals gezielt nach den Quellen der bislang verzeichneten Anomalien gesucht wird. Vielleicht schlägt schon in der nächsten Dekade erstmals die Stunde der Xenoarchäologen. Vielleicht waten diese eines Tages durch den grauweißen samtenen Mondstaub, um eine pyramidenartige Struktur in Augenschein zu nehmen, die nicht von dieser und ihrer Welt ist.

Arthur C. Clarke verklärte dieses Szenarium bereits vor 62 Jahren in seiner Kurzgeschichte "The Sentinel" auf literarische Weise. Sein Protagonist entdeckte auf einer Erhebung eine künstlich angelegte Hochebene, auf der ein pyramidenförmiges, zweimal mannshohes Gebilde "wie ein gigantischer Edelstein mit vielen Facetten" in den Fels eingelassen war. Er begegnete einem Artefakt einer außerirdischen Intelligenz, das absichtlich auf dem Mond und nicht etwa auf der Erde aufgestellt wurde. Und dies aus einem ganz bestimmten Grund, wie Clarkes Hauptfigur zu erzählen weiß:

Ihren Erbauern ging es nicht um Rassen, die noch dabei waren, sich aus dem Stadium primitiver Wilder heraus zu kämpfen. Unsere Zivilisation interessierte sie erst dann, wenn wir bewiesen, dass wir überlebensfähig waren - indem wir den Weltraum durchquerten und so die Erde, unsere Wiege, verließen.

Ende einer Legende: Animation des Mars-Gesichtes in der Cydonia-Region in 3D. (Höhere Auflösung)

Youtube-Video "MARS West Valley - Artifacts and Anomalies - Evidences of past civilization?" Ein warnendes Beispiel. Wie man jede ungewöhnliche Steinformation etc. zu einem Artefakt verklären kann, vor allem wenn die Bilder unscharf daher kommen.