Die Teufelskreise des Technizismus und das gute Leben

Fussnoten

1

Technologie kommt im kapitalistischen Produktionsprozess nur dort zum Einsatz, wo sie hilft, Lohnkosten (nicht: Arbeitszeit) einzusparen. Die technisch voll einsatzfähige Krabbenpulmaschine findet keine Anwendung, solange die Krabben in Nordafrika billiger gepult werden können. Eine andere Ursache für eine kapitalismusspezifische Ausformung von Technik im Produktionsprozess resultiert aus dem Umstand, dass eine hohe Qualifikation und Autonomie der Arbeitenden mit Kompetenzen und Eingriffsmöglichkeiten einhergehen. Sie stärken die Macht der Arbeitenden als (mit dem Unternehmerlager) rivalisierende Interessengruppe oder ermöglichen es, dass sie ihre Fähigkeiten gegen die kapitalistische Unternehmensführung wenden. Dem gilt es vorzubeugen. Die Imperative der Kontrolle von oben formen die Produktionstechnologie und -organisation (vgl. Creydt 2017, 33-37)

2

Schmitt 1963, 89

3

Perelman, zit. n. Latouche 2004, 74

4

Wagner 1964, 99

5

Gleich 1988, 129

6

Ebd., 138

7

Ebd., 139

8

Freyer 1987, 125

9

Ebd.

10

Gronemeyer 2012, 99

11

Offe 1996, 288

12

Ebd., 286

13

Gorz, André, 1980. S. 37

14

Gorz 1980, 42

15

Ebd., 117f.

16

Ebd., 356f.

17

Ebd., 70

18

ebd., 72

19

Jünger 1980, 130

20

Es gibt "viele Prozesse, die für ihre ‚Reifung’ Zeit benötigen oder deren Eigenzeit nicht ungestraft verkürzt werden darf. Beispiele in der Nahrung sind Gärungsprozesse (Milchprodukte, Getränke, Brot). Ein Roggenbrot beispielsweise braucht für seine Reife mit Sauerteig Zeit. Alle Versuche, diese Zeit mit ‚Beschleunigern’ abzukürzen, verderben die Bekömmlichkeit des Brotes. Eine nur auf Effizienzsteigerung angelegte Betrachtung ist blind für die Qualitätsverschlechterung durch die unzähligen ‚Beschleuniger’ in der Lebensmittelindustrie. [...] Für ein ‚gutes Leben’, zu dem gesunde Lebensmittel gehören, müsste sorgfältig geprüft werden, welche Lebensmittel eine Manipulation ihrer Eigenzeit ohne Qualitätseinbuße nicht dulden. [...] Es gibt viele andere Beispiele für die Qualitätseinbuße und Mitweltbeeinträchtigung durch industrielle Beschleunigungen. Farben und Lasuren der Naturstoffchemie benötigen zum Trocknen eine längere Zeit als die Produkte der synthetisierenden Chemie. Hier wurde Zeit durch Gift ersetzt. Holz braucht zur Ablagerung viele Jahre. Die Umschlaggeschwindigkeit des Marktes verwandelt darum wunderschönes Vollholz in vergiftete Spanplatten mit einer kunststoffbeschichteten Holzfaserimitation. Nicht abwarten können führt hier zu Schundprodukten aus qualitativ viel höherwertigen Ausgangsstoffen" (Ullrich 1996)

21

Freyer 1955, 59

22

Ewert 2001, 182, 189

23

Ebd., 178

24

Der Stern 11, 2002 4.3.2004, S. 38

25

Fuchs 2018, 188

26

Wagner 1964, 94

27

Ebd.

28

Ebd.

29

Ebd.

30

Ebd., 96

31

Ebd.

32

Auch der Begriff des "Gebrauchswerts" aus der Marx’schen Kapitalismustheorie und -kritik wird häufig entsprechend missverstanden. Weit verbreitet ist ein regelrechter "Gebrauchswertfetischismus" (Hafner 1992). Vgl. dazu die nach wie vor lesenswerten und im guten Sinne aktuellen Argumente von Apel, Heidorn 1977, 22ff.

33

vgl. Creydt 2017

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