Die Trump-Angst grassiert

Server des InternetArchive. Bild: Jason Scott/CC BY-2.0

Internet Archive will Mirror in Kanada anlegen

Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA bewegt nicht nur Menschen dazu eine Auswanderung nach Kanada zu erwägen, auch Daten sollen durch Migration ins Ausland vor Trump geschützt werden: Brewster Kahle, Begründer des seit 1996 existierenden Internet Archive, das neben Websites auch andere digitale Daten, wie Audiomitschnitte, Scans oder Bilder für die Nachwelt erhalten will, schlägt in einem Posting vor, einen Mirror, sprich eine Kopie des Archives in Kanada anzulegen.

Hintergrund sind Befürchtungen vor einem radikalen politischen Wandel nach Trumps Amtsantritt, von dem auch der Online-Zugang zu Information betroffen sein könnte – schließlich schlug der kommende US-Präsident bereits vor einem Jahr vor: "We have to talk (…) about, maybe in certain areas, closing that Internet up in some way." Bei derselben Gelegenheit bezeichnete er Verfechter der Redefreiheit schlichtweg als "foolish people".

Nur durch das Anlegen einer Kopie in einem anderen Staat, so Kahle, könne das Archive, das auch der Dokumentation der vergangenen Präsidentschaftswahl inklusive der kritischen Berichterstattung dient, "Free, Accessible, and Reader Private" gehalten werden. Die Betreiber des Archives fürchten neben Zensur und Manipulation der digitalen Aufzeichnungen demnach auch die Überwachung der Archive-Nutzer. Brewster Kahle verweist in diesem Zusammenhang besonders auf die Bedeutung des Political TV Ad Archive, das Wahlkampfkampagnen der Kandidaten dokumentiert und Journalisten als wichtige Informationsquelle dient. Auch die Wayback Machine des Internet-Archives, mit der frühere Versionen von Websites oder auch gelöschte Seiten betrachtet werden können, dürfte Potentaten, die Online-Informationen vergessen machen wollen, ein Dorn im Auge sein.

Die Familie Trump machte übrigens bereits unliebsame Erfahrungen mit diesem Langzeitgedächtnis des WWW: Nachdem Christina Wilkie, Reporterin der Huffington Post, gefolgt von anderen Journalisten anzweifelte, dass Melania Trump, wie auf ihrer Homepage behauptet, einen Universitätsabschluss in Design und Architektur habe, verschwand die besagte Website urplötzlich aus dem Netz, kann aber nach wie vor über die Wayback Machine abgerufen werden und beweist so die Korrektheit der Berichterstattung von Wilkie und Kollegen.

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