Die Türkei mauert sich weiter ein

Die Nachrichtenagentur Dogan veröffentlichte Bilder vom Mauerbau.

Der Bau der Mauer an der iranischen Grenze wurde begonnen, die Mauer an der syrischen Grenze ist weitgehend fertiggestellt

Im Mai verkündete die türkische Regierung, auch an der Grenze zum Iran eine Mauer bauen zu wollen. An der Grenze sollen PKK-Kämpfer leben, die Angriffe in der Türkei ausführen und dann wieder in den Iran zurückkehren. Als "Vorsichtsmaßnahme" soll daher ein 70 km langer Grenzzaun mit Wachtürmen, Kameras und Scheinwerfern an der Grenze errichtet werden, um solche Grenzübertritte zu verhindern.

Vorgesehen war der Baubeginn für Oktober. Aber man scheint es eilig zu haben. Jetzt ist mit dem Bau bereits begonnen worden. Offenbar handelt es sich um 7 Tonnen schwere, 3 Meter hohe und 2 Meter dicke Betonblöcke, die eine Grenzüberquerung verhindern sollen. Nach neuesten Meldungen wird die Grenze nun auf einer Strecke von 144 km verbarrikadiert, insgesamt ist sie aber 500 km lang. Wie Daily Sabah, eine die AKP unterstützende Publikation, schreibt, soll "die drei Meter hohe Mauer die Infiltration von PKK-, PYD-, YPG und Daesh-Terroristen sowie Schmugglern aus dem Nachbarland verhindern".

Teheran empfindet den Mauerbau offenbar nicht als Provokation, sondern begrüßte im Mai die "Sicherheitsmauer", die die Grenze für beide Länder sicherer mache. Die Mauer richtet sich gegen die Kurden, ebenso wie die Mauer an der syrischen Grenze. Sie wurde weniger begonnen, um den Grenzübertritt des Islamischen Staats zu verhindern, sondern um die syrischen Kurden von der Türkei abzuschotten. Sie werden von der Türkei als Terroristen bezeichnet und der PKK zugerechnet, syrische Kurden der YPG oder der SDF, die zu den Alliierten der USA wurden, haben allerdings im Unterschied zur PKK keine Angriffe und Anschläge in der Türkei ausgeführt.

Jetzt erklärte das iranische Außenministerium erneut, dass man nichts gegen die Mauer habe, verlangte aber, dass die Türkei Teheran vor jedem Schritt informieren müsse. Schließlich kämpft die PKK auch im Iran und zieht sich dann in die Türkei oder in den Irak zurück. Zwar lagen Ankara und Teheran längere Zeit im Clinch, weil beide in Syrien unterschiedliche Interessen verfolgten, aber mit der Annäherung der Türkei an Russland und auch mit dem Katar-Konflikt, in dem sich die Türkei auch militärisch auf die Seite von Katar gegen die saudische Koalition stellte, wurden die Spannungen geringer.

Die Einmauerung der Türkei Richtung Syrien ist bereits weit fortgeschritten. Fast an der gesamten Grenze in einer Länge von 900 km soll eine Mauer errichtet werden. Von den geplanten 828 km seien bereits 690 km fertiggestellt worden, sagte der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik im Juni.

(Florian Rötzer)

Anzeige