Die "Überall"-Fernseher

Die nächste Generation der Tragbaren ist es wirklich – dank LC-Display

Glaubt man den Marketingabteilungen einiger Hersteller, ist die Röhre auf dem Rückzug oder soll gar in Rente gehen ("Mach die Glotze endlich platt"). Sharp beispielsweise will bereits nächstes Jahr überhaupt keine Röhrengeräte mehr verkaufen (Bye bye Bildröhre) und rührt besonders rührig die Trommel für die neue Technologie. Einen Vorteil bietet diese immerhin: sie ermöglicht wirklich tragbare Geräte – wie zum Beispiel den Technisat "SkyFunk LCD", den wir näher unter die Lupe nahmen.

In den Siebzigern waren tragbare Fernseher Kult. Sie separierten den Mann vom Jungen, wer einen eigenen Fernseher besaß – und war es nur ein orange-hässliches Schwarzweißgerät von Telefunken – galt in den Augen der Anderen als "cool" (oder wie das damals auch immer genannt wurde). Nachdem die kleineren Flimmerkisten inzwischen in vielen Kinderzimmern zur Standardausstattung gehörten, ließ auch der Kultfaktor der TV-Tragbaren nach. Zumal sie wegen der Glasröhre nie besonders tragbar waren oder wenn, dann wenig zweckdienlich. Die Mini-TVs von Casio beispielsweise konnten sich wegen ihrer mangelnden Praxistauglichkeit und minderen Bildqualität nicht besonders durchsetzen.

Tragbare LC-Fernseher werden erst jetzt, wo es vernünftige Diagonalen zu vernünftigen Preisen gibt, wieder interessant. Sharp hat es vorgemacht und montierte an seinem Mobile Aquos LC15-L1E einen Henkel – garantiert nicht zum Wegwerfen. Auch Loewe setzt konsequent auf Sharp-LCDs und offeriert mit dem Mimo 15 ein besonders kompaktes "Überall"-Gerät.

Zusammen mit WLAN und eingebautem Akku gibt es mit LC-Bildschirmen Videogucken und Satelliten-TV im ganzen Haus und auch im Garten: Sharp LC15-L1E (Bild: W.D.Roth)

Besonders interessant erscheint uns der "SkyFunk LCD" von Technisat. Der Hersteller, sonst eher mit Set-Top-Boxen für Digital-TV (Satellit und terrestrisch) aktiv, möchte damit das TV "überall" hinbringen. Etwa 440 Euro sind für den Fernseher zu bezahlen. Das ist mehr, als Röhrengeräte kosten, aber die sind selten tragbar (siehe oben). Und die genannten größeren Geräte von Sharp und Loewe kosten zurzeit bis zu viermal so viel (Loewe Mimo 15 ca. 1.000 Euro, Sharp Mobile Aquos ca. 1.800 Euro).

Das Technisat SkyFunk LCD enthält nur ein 17-cm-Display - das ist gerade genug, dem Geschehen in "Sex and the City" zu folgen. Bei Fußball wird es etwas knapp, aber dank öffentlich-rechtlicher Übertragung helfen einem hier die redseligen Reporter auf die optischen Sprünge. Einen Empfänger enthält der SkyFunk LCD nur für die separat beigelegte Sendestation SkyFunk 3, die wiederum an eine Videoquelle anzuschließen ist. Für die müssen die Anwender selbst sorgen. Ein analoger TV-/Kabeltuner oder ein Sat- oder DVB-T-Empfangsteil sind nicht vorhanden. Dafür aber ein Rückkanal für die Fernbedienung: So kann auch aus der Ferne umgeschaltet werden. Obwohl auf dem Gerät "TechniSat Digital" steht, agiert es analog über das 2,4-GHz-Frequenzband. Sender und Empfänger müssen dementsprechend sinnvoll platziert werden, damit keine Störgeräusche anderer Geräte wie Mikrowellen oder WLANs den Empfang behindern.

Zum Vergleich: Sharp Mobile Aquos und Loewe Mimo haben einen 38-cm-Bildschirm, nur der Sharp verfügt ebenfalls über Akku sowie eine separate Sendeeinheit. Die enthält immerhin direkt einen TV-Tuner. Und die Signalübertragung erfolgt digital, also innerhalb eines Einfamilienhauses ohne Störungen. Auch bietet der Sharp Aquos einen Rückkanal, sein Benutzer kann also aus der Ferne ebenfalls beispielsweise den DVD-Player befehligen.

Mobiles Fernsehgerät mit merkwürdigen Funktionen: Technisat SkyFunk LCD (Bild: T.Jungbluth)

Im SkyFunk LCD sorgt ebenfalls ein Akku für zeitweisen netzunabhängigen Betrieb – auf der Terrasse, im Arbeitszimmer, im Bad – "überall", wohin der SkyFunk LCD getragen werden kann. Ein direkter Anschluss an Videoquellen ist über eine Kabelpeitsche ebenfalls möglich. Das LC-Display bietet eine ausreichend gute Bildqualität – Kinofeeling wird bei 17 cm Diagonale niemand erwarten. Bei uns übersteuerte das Videosignal vom einen Stockwerk entfernten Sat-Empfänger das SkyFunk LCD etwas. Merkwürdig sind auch einige Eigenschaften des LCD-Empfangsgeräts: So wird in der Umschaltung RGB-Input angeboten, obwohl kein RGB-Input möglich ist. Auch die Spiegelbildfunktion für das Display hat nur begrenzten Nutzwert - wahrscheinlich sollte die gesamte Einheit zunächst anders genutzt werden.

Fazit: Das SkyFunk LCD bietet eine einfache, wenn auch wegen der Störungen nicht immer problemlose Mitnahme des TV- bzw. Videovergnügens im gesamten Haus, "überall" im wahrsten Sinne. Weniger problemlos dürfte bei allen LCD-Portablen auch die Finanzierung sein, aber es ist im Augenblick immer noch etwas teurer, sich einen Fernseher mit Flüssigkristall-Bildschirm anzuschaffen. (Thomas Jungbluth)

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