Die Verachtung hinter dem solidarischen Grundeinkommen

Grafik. TP

Teil 3: Suchtkranke sind unpünktliche Babysitter

Zu Teil 1: Die Kur für das selbstverursachte Problem

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Zu Teil 2: Deine Arbeit ist doch nichts wert oder: Hausmeisterschnitte und Babysitten

Auch wenn der "soziale Arbeitsmarkt" bzw. das "solidarische Grundeinkommen" als Alternative zu ALG II angepriesen wird, soll es sich zuallererst um ein Instrument handeln, was Langzeitarbeitslose wieder in eine Erwerbstätigkeit führt. Bereits seit Jahren werden die Langzeitarbeitslosen, deren Anzahl sich in den letzten Jahren nur marginal verändert, regelmäßig von der Politik als Thema erkannt. Meist geschieht dies entweder kurz vor oder nach den Wahlen, ggf. kommt es dann zu kurzen Ergebnissen, danach verliert sich das Thema wieder.

Ob Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung, Ideen wie Peter Hartz' Minipreneure - die Überlegungen sind ebenso zahlreich wie bisher wirkungslos. Auch die vielgerühmten Weiterbildungsmaßnahmen entpuppen sich weiterhin als sinnfrei. Statt dass zielgerichtet "gefördert" wird, werden Maßnahmen überbucht, ALG-II-Empfänger ohne weitere Überlegung in diese Maßnahmen geschickt.

Die Langzeitarbeitslosen, dies bestreiten weder die Bundesagentur für Arbeit noch die Politiker im allgemeinen, sind oft genug Menschen, die unter dem leiden, was im Jobcenterdeutsch als "Vermittlungshemmnis" angesehen wird. Das Jobcenter Recklinghausen hat in einer Handreichung (Stand 2011) folgende Aspekte als Vermittlungshemmnisse definiert:


- Langzeitarbeitslosigkeit
- Keine oder nur geringe berufliche und/oder schulische Kenntnisse
- Überschuldung
- Unterhaltsverpflichtungen
- Ohne ausreichende oder nur mit geringen Kinderbetreuungsmöglichkeiten
- Negatives Erscheinungsbild
- Schlechtes Berufsbild/ Lücken im Lebenslauf
- Alkoholabhängigkeit
- Drogenkonsum
- Geringe Deutschkenntnisse
- Geringe Motivation
- Geringe Mobilität ( regional und/oder beruflich )
- Unselbständiges Verhalten
- Eintragungen im Führungszeugnis / Vorstrafen
- Erhebliche Schwierigkeiten im familiären Umfeld
- U.s.w.

Aktuelle Untersuchungen benennen auch psychische Erkrankungen.

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Nun stellt sich die Frage, inwiefern einem Drogensüchtigen dadurch geholfen werden soll, dass er in eine Erwerbstätigkeit gepresst wird. Hier zeigt sich schon gegenüber dem Erkrankten eine Verachtung, wenn er statt Hilfe zur Überwindung der Suchtkrankheit und deren Ursachen zu erhalten, mit einem "strukturierten Tagesablauf" zum Mindestlohn abgespeist wird. Doch nicht nur denjenigen, die unter den Vermittlungshemmnissen leiden, ist die Idee des "sozialen Arbeitsmarktes" gegenüber asozial. Sie zeigt sich insbesondere auch asozial gegenüber jenen, die von diesem Arbeitsmarkt profitieren sollen.

Abseits des Verdrängungseffektes, der bereits beschrieben wurde, bleibt ja offen, wie z.B. die erwähnte Alleinerziehende nun mit einem unpünktlichen, drogensüchtigem Menschen umgehen soll, der sich bei ihr zum Babysitten meldet. Soll tatsächlich ein alkoholabhängiger Mensch mit "erheblichen Schwierigkeiten im familiären Umfeld" die verantwortungsvollen Tätigkeiten eines Schulsekretärs übernehmen oder in der Jugendhilfe eingesetzt werden?

Die Idee, das Babysitten von Kindern von Alleinerziehenden oder aber die Hilfe für Behinderte durch diejenigen erledigen zu lassen, denen man gleichzeitig bescheinigt, für eine regulär bezahlte Arbeit nicht einmal geeignet zu sein, zeugt von einer Menschenverachtung par excellence. Wie wenig muss die Tätigkeit eines Babysitters, der ja auf Gefahrensituationen genauso vorbereitet sein muss wie auf Allergien, auf den Umgang mit (Klein)kindern überhaupt, einem Hubertus Heil wert sein, wenn er davon fabuliert, jene, die dank der Vermittlungshemmnisse nicht für einen "Normaljob" bereit sind, diese Aufgabe übernehmen zu lassen?

Wer diese Ideen dann noch mit den Attributen "Sozialer Arbeitsmarkt" oder "solidarisches Grundeinkommen" verknüpft, der hat entweder die Bedeutung der Begriffe sozial und solidarisch nicht verstanden oder will sie absichtlich (weiter) pervertieren - ganz im Sinne des Dogmas "sozial ist, was Arbeit schafft". Egal wie. (Alexander und Bettina Hammer)

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