Die Versäumnisse der Energiewende

Kommentar zur Forderung des Verbots von Ölheizungen

Seit die Grünen bei den letzten Wahlen stark zugelegt haben, haben alle im Bundestag vertretenen Parteien, außer der AfD, grüne Themen, insbesondere den Klimaschutz, für sich entdeckt. Das sollte eigentlich positiv sein, treibt aber leider seltsame Blüten, weil jetzt schnell unausgegorene Scheinlösungen vorgeschlagen werden.

Eine ist die Idee von der "Abwrackprämie für Ölheizungen", die Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Wochenende neu bekräftigte. Die andere ist die Idee des "Verbots der Ölheizungen", wofür die SPD-Umweltministerin Svenja Schulz eintritt. Eine Lösung ist so wenig zu Ende gedacht wie die andere.

Richtig ist, dass wir so schnell wie möglich so viel wie möglich CO2-Emissionen einsparen müssen. Richtig ist auch, dass Gebäudeheizung und Warmwasserbereitung einer der größten CO2-Verursacher sind und dass in diesem Bereich in der Vergangenheit nur geringe Einsparungen realisiert wurden. Daraus ergibt sich logischerweise die richtige Forderung nach ordentlichen Einsparungen in diesem Sektor.

Aber wenn wir bestimmte Heizsysteme abschaffen wollen, weil sie zu viel CO2 erzeugen, müssen wir uns Gedanken machen, wie wir sie ersetzen. Wodurch wollen wir die Ölheizungen ersetzen? Da es sich um über 5 Millionen Anlagen handelt, scheiden Holz- und Pelletheizungen aus, da wir die benötigten Brennstoffmengen nicht sicherstellen können. Bleiben Gasheizungen und Wärmepumpen.

Zurzeit werden noch etwa 5,8 Millionen Gebäude in Deutschland mit Öl beheizt. Etwa 2,1 Millionen davon liegen in Gebieten mit Gasrohren und könnten so problemlos auf Gasheizung umgestellt werden, was etwa 14 Millionen Tonnen CO2-Einsparung im Jahr ergibt, bei Komplettumstellung aller alten Ölheizkessel sogar 30 Millionen Tonnen.

Aber ist das auch sinnvoll? Mit Gasheizungen lassen sich gegenüber Ölheizungen etwa 20% CO2 einsparen, d.h. wir drücken die CO2-Emissionen von etwa 1/3 der vorhandenen Heizkessel, der Rest sind schon Gasheizungen, auf 80% des jetzigen Wertes. Das ergibt dann eine CO2- Einsparung von maximal 7-10% im gesamten Gebäudeheizungsbereich. Damit ersetzen wir nur eine "ganz schlechte" durch eine etwas weniger schlechte fossile Technologie.

Wir müssen aber in den nächsten 10 Jahren nicht nur 7-10% der CO2-Emissionen im Gebäudeheizungsbereich einsparen, sondern mindestens 30%, wenn wir bis 2050 CO2-neutral sein wollen. Das ist mit Gasheizungen nicht zu schaffen.

Gemischte Fahrweise mit zwei Heizsystemen

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir auf Wärmepumpen umstellen und diese mit Ökostrom betreiben. Das hat aber einige Haken. Eine Wärmepumpe entzieht einer Niedertemperaturquelle, die sich dabei abkühlt, Wärme und transformiert sie, um das Temperaturniveau der Umgebung anzuheben. Der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe sinkt mit steigender Temperaturdifferenz zwischen Niedrigtemperaturwärme und Heizwärme stark ab, d.h. der Stromverbrauch pro kWh Heizwärme steigt stark an. Daraus folgt, dass man ein ausreichend großes Niedertemperaturwärmereservoir mit möglichst hoher Temperatur benötigt.

Als Niedertemperaturwärmequelle kommen Erdwärme, Wasser oder Luft in Frage. Wird die Niedertemperaturwärmequelle übernutzt, sinkt ihre Temperatur stark ab und im Extremfall friert die Anlage ein und geht auf Störung (so etwas kommt vor allem bei falsch ausgelegten Anlagen vor). Luft-Luft-Wärmepumpen lassen sich aus diesem Grund auch nur bis etwa -5°C als Wärmepumpen betreiben.

Damit sie dann nicht ausfallen, wird meist noch zusätzlich ein elektrischer Heizstab mit eingebaut, der bei tieferen Temperaturen in Betrieb genommen wird. Dadurch wird aus der Wärmepumpenheizung dann aber eine ganz normale Elektroheizung mit entsprechend hohem Stromverbrauch. Das ist nicht nur für den Betreiber ärgerlich, der die Stromrechnung bezahlen muss, sondern kann auch schnell das Stromnetz überlasten, wenn in Kälteperioden alle elektrisch heizen und einfach nicht genug Strom produziert werden kann (Frankreich im Winter vor 2 Jahren).

Erschwerend kommt hinzu, dass richtige Kälteperioden im Winter auftreten, wo die Sonne in unseren Breiten sehr tief steht und die Photovoltaik nur sehr wenig Strom liefert. Wenn dann auch noch wenig Wind weht (meist im Februar), muss fast der gesamte Strom aus fossilen Brennstoffen erzeugt werden. Dabei beträgt der Wirkungsgrad aber auch in Zukunft nur etwa 40%.

Damit eine normale Elektroheizung zu betreiben, ist klimapolitisch das Schlimmste, das man tun kann. Damit erzeugt man nämlich die doppelte Menge CO2 im Vergleich mit einer entsprechenden Ölheizung, auch wenn die den ältesten und schlechtesten Kessel hat. Und außerdem wollen wir die Atom- und Kohlekraftwerke stilllegen und kommen dann sehr schnell an die Kapazitätsgrenzen unserer verbleibenden fossilen (Gas-)Kraftwerke. Es wäre zudem auch Irrsinn, für derartige Belastungsspitzen ausreichende Reservekapazitäten vorzuhalten.

Aber das meiste CO2 wird bei der Gebäudeheizung ja gar nicht in den extremen Kälteperioden erzeugt. Die Heizperiode geht von Oktober bis April und die meiste Zeit liegt die Temperatur über dem Gefrierpunkt oder knapp darunter. Geheizt werden muss trotzdem. Wenn man in den wirklichen Kälteperioden mit den alten Ölheizungen heizt und sonst Wärmepumpen verwendet, sollte sich der Ölbedarf und damit der CO2-Ausstoß der Ölheizungen auf unter 25% senken lassen. Und Luft-Luft-Wärmepumpen sollten auf diese Weise auch bei Altbautennachrüstung eine Jahresarbeitszahl von 3,5 und besser erreichen.

Durch eine solche gemischte Fahrweise mit 2 Heizsystemen würde man insgesamt eine höhere CO2-Einsparung erreichen als bei der Umrüstung auf Gas, selbst wenn man nur fossilen Strom aus Gaskraftwerken verwendet. Die Verwendung von fossilem Strom ist natürlich nicht das Ziel und eigentlich kontraproduktiv, wird sich aber zunächst oft nicht vermeiden lassen, da wir gegenwärtig einfach nicht genügend Ökostrom erzeugen.

Stromtrassen

Aber wir müssen die Erzeugung von Solar- und Windstrom sowieso stark erhöhen. Die Bundesregierung hat leider den Zubau bei Solar und Windstrom, der dringend notwendig wäre, abgewürgt. Grund dafür ist wahrscheinlich die Tatsache, dass unser Stromnetz in seinem derzeitigen Zustand nicht in der Lage ist, die in Peakzeiten erzeugten Mengen Ökostrom zu den Verbrauchern zu transportieren.

Das gilt besonders für den Windstrom. Windstrom muss man dort erzeugen, wo möglichst viel Wind das ganze Jahr weht. In Deutschland also bevorzugt in der norddeutschen Tiefebene und offshore in Nord- und Ostsee. Unser Hauptstromverbrauch findet aber in den industriellen Ballungszentren in Bayern und Baden-Würtemberg statt und die Pumpspeicherwerke zur Speicherung überschüssigen Peak-Stroms befinden sich zum großen Teil in Österreich und der Schweiz. Leider gibt es bei uns zurzeit keine leistungsfähigen Nord-Süd-Stromleitungen, so dass es nicht möglich ist, den Strom in Deutschland dorthin zu transportieren, wo er gebraucht wird.

Stattdessen wird der Strom aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern entweder in die Niederlande oder über Polen und Tschechien nach Österreich und in die Schweiz exportiert. Auf diesem Weg treten natürlich unnötig hohe Transportverluste auf und der Peakstrom wird zu Dumpingpreisen ins Ausland quasi verschenkt. Außerdem kritisiert man in Polen, dass wir die dortige Netzsteuerung überlasten.

Das ist zwar Unsinn, aber der Strom wird in Österreich und der Schweiz gebraucht und Polen würde lieber Kohlestrom dorthin liefern, als seine Kohlekraftwerke evtl. zu drosseln, damit der deutsche Ökostrom durchgeleitet werden kann. Hier geht es um Marktanteile im europäischen Strommarkt und um Arbeitsplätze in der polnischen Kohle. Das CO2 interessiert dabei nicht wirklich.

Deshalb müssen wir so schnell wie möglich entsprechende Stromtrassen in der Bundesrepublik bauen. Leider wird der Bau dieser Leitungen, die seit langem geplant sind, mit allen Mitteln sabotiert und verzögert.

Aber jeder, der sich gegen diese Leitungen stellt, muss sich darüber klar sein, dass er damit die gesamte Energiewende ausbremst. Die von den Umweltverbänden geforderte dezentrale Energieerzeugung ist gut und richtig, aber wenn wir vor Ort nicht genügend Windstrom dezentral erzeugen können, müssen wir ihn eben von da, wo er erzeugt wird, zum Verbraucher transportieren.

Dazu brauchen wir Stromtrassen. Und die Argumentation, dass ein Teil der Stromtrassen gar nicht zur Versorgung Bayerns mit Strom gebraucht wird, sondern zur Durchleitung des Stroms nach Österreich dient, ist ganz dumm. Wenn wir den Ökostrom nicht abtransportieren können, müssen wir die Windparks abregeln. Und der anderswo benötigte Strom wird dann eben durch Verbrennen von fossilen Brennstoffen erzeugt. Dumm nur, dass der Klimawandel nicht an den Grenzen unseres Landes haltmacht. Der Bau von Stromtrassen ist aber nur eine der notwendigen Maßnahmen zur Umstellung der Stromnetze auf Ökostrom.