Die Wünsche der Überwacher

Eine Ausschreibung des US-Justizministers für Konzepte zu neuen Sensoren und Überwachungstechnologien lässt buchstäblich tief blicken

Mit den Informations- und Kommunikationstechnologien sind auch die Möglichkeiten der Überwachung gewachsen. Es gibt eine Vielzahl von Sensoren, die es ermöglichen, unabhängig von Menschen vor Ort und auch aus großer Entfernung Verhalten, Bewegung und Aufenthalt von Menschen praktisch überall zu beobachten. Doch die Wünsche der Überwacher wachsen mit den Möglichkeiten. Aus einer Ausschreibung des US-Justizministeriums, das bis zum 17.11. zur Einreichung von Konzeptpapieren zur Entwicklung neuer "Sensoren und Überwachungstechniken" auffordert, ergibt sich ein Einblick in die Wunschliste und damit auch in die Fantasie der Ordnungshüter.

Das National Institute of Justice (NIJ) ist sozusagen die Darpa des Justizministeriums. Das Institut ist zuständig für Forschung und Entwicklung sowie die Evaluation von Techniken, die Strafverfolgung und Polizeiarbeit unterstützen sollen. Mit der Ausschreibung sucht man neue Überwachungstechniken, aber auch nur Ideen, wie man existierende Techniken anders einsetzen kann, um die Effizienz zu steigern. Dabei geht es wohl auch erst einmal darum, aus den gewünschten Konzeptpapieren einen Überblick darüber zu erhalten, was möglich und vielleicht realisierbar ist.

Man hat allerdings schon Vorstellungen davon, was man gerne haben würde. Allgemein gesprochen, will man aus sicherer Entfernung alles durch Wände "sehen" können, also eine möglichst weitgehende und durch nichts beschränkte "Aufklärung" verwirklichen. Zudem sollen die Forschungs- und Entwicklungskosten bis zur Herstellung von Prototypen zur Demonstration relativ billig sein. Und die geförderten Konzepte sollten Techniken im Visier haben, die leicht zu warten und zu bedienen sind, so dass sie von jedem Polizisten verwendet werden können. Gewünscht wird auch, dass möglichst Daten an einen räumlich entfernten Ort übertragen werden können.

Schon zum Schutz des eigenen Personals wäre so natürlich gut, wenn Sicherheitskräfte aus einer sicheren Entfernung bereits am Körper, in einer Tasche, in einem Rucksack oder anderswo wie in Containern oder Autos versteckte Waffen entdecken könnten. Es geht nicht nur um Waffen aus Metall wie Schusswaffen oder Messer, sondern auch um Chemikalien und Sprengstoff, beispielsweise die Entdeckung von Sprengstoffgürteln- oder -westen. Man ist ganz offen für die technischen Grundlagen (Röntgenstrahlen, Magnetresonanz-Tomographie, Mikrowellen-Holografie, akustische Detektion, Metalldetektoren, bildgebende Radar-, Infrarot- oder Mikrowellen-Systeme etc.). Am besten wäre es, wenn die Geräte tragbar sind und versteckt mit sich geführt werden können. Schusswaffen sollten mindestens auf eine Entfernung von 15 Metern in Echtzeit entdeckt, innerhalb von 10 Sekunden identifiziert und von Handys unterschieden werden können.

Man will aber auch große Menschenmengen schnell nach versteckten Waffen aller Art absuchen können. So sollen 4.000 Personen innerhalb einer Stunde überprüft werden können, um keine langen Warteschlangen zu erzeugen. Ganz wichtig ist auch die Minimierung der Fehlerrate. Jetzt müssten 15-20 Prozent der von Geräten überprüften Personen von den Sicherheitskräften noch einmal untersucht werden.

In Zentrum der Wunschliste stehen Techniken, mit denen sich Personen in ganz unterschiedlichen Gebäuden und hinter sehr unterschiedlichen Wänden oder Mauern lokalisieren oder verfolgen lassen. Die "Through-the-wall-Surveillance" (TWS) soll aus der Entfernung eine Karte von den Innenräumen eines Gebäudes anfertigen und die Innenwände identifizieren. Überdies sollen möglichst alle unbewegten Objekte wie Möbel erkannt werden. Wichtig ist auch, nicht nur alle Personen in einem Gebäude zu lokalisieren und zu verfolgen, sondern auch, beispielsweise mit einem Chip, die eigenen Leute davon unterscheiden zu können. Das darf aber nicht nur von einem Identifikationschip gewährleistet werden, weil dieser ja ohne Probleme von einer anderen Person mitgeführt werden kann.

Man stellt sich vor, dass die Gebäudeinnenansicht mitsamt der Personen in Echtzeit auf dem Bildschirm eines Notebooks, die wichtigsten Details auch auf PDAs dargestellt werden. Das System könne mit mehreren Sensoren arbeiten und sollte, wenn auch nicht zwingend, unbemerkbar sein. Gerne würde man eine dreidimensionale Darstellung der Personen (Umfang, Höhe und Orientierung) sehen, vor allem ist auch erwünscht, durch Wände sehen zu können, die aus Metall bestehen oder mit Metall gesichert wurden.

Aber man hätte auch gerne effizientere Mittel, um Menschenmengen oder gleich ganze Städte zu überwachen, zumindest aber wichtige Straßenzüge genau überwachen zu können. Dazu seien hochauflösende Kameras für einen Rundumblick mitsamt Zoom notwendig. Natürlich sollen auch unterschiedliche Sensoren zur Lokalisierung, Identifizierung und Beweissicherung integriert und auf einer Karte mit "point and click" Informationen über ein Ziel liefern. Und schön fände man im Justizministerium auch die Möglichkeit, Sicherheitspersonal vor Ort durch "unbemannte, selbsttätige und automatische Fernüberwachungstechnik" ersetzen zu können. Damit könnte man Brücken, Schulen, Gefängnisse, Grenzen oder wichtige Gebäude ausstatten. Die Systeme, die hochaufgelöste Video- und Audio-Aufzeichnungen machen, würden bei verdächtigen Vorkommnissen oder illegalen bzw. gefährlichen Ereignissen, die mittels der Sensoren erkannt werden, Sicherheitskräfte alarmieren. Sensoren könnten beispielsweise den Verkehr überwachen, Feuer feststellen, die Überschreitung einer Begrenzung registrieren, Schüsse identifizieren, aber auch bestimmte Verhaltensweisen oder Absichten von Menschen erkennen. (Florian Rötzer)