Die Zahl der Hungernden weltweit steigt wieder

In Kenia sind 500.000 Menschen von einer Hungersnot bedroht. Bild (2012): UK Department for International Development / CC BY-SA 2.0

FAO-Bericht zum Stand der weltweiten Ernährung: In allen Regionen wächst auch der Anteil der Übergewichtigen

Der Hunger sei das "größte lösbare Problem der Welt" war neulich noch im Spiegel zu lesen, der damit die UN zitierte. In dem Artikel von Ende August hieß es, dass sich die Situation "tatsächlich enorm verbessert" habe. Verwiesen wurde auf eine Mitteilung des Welternährungsprogramms vom März dieses Jahres, wonach die Zahl der Hungernden weitweit seit 1990 um 216 Millionen zurückgegangen sei.

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Die Welt scheint zumindest auf dem richtigen Weg zu sein, lautete die hoffnungsvolle Botschaft. Obwohl es mehr Menschen gebe, gebe es auch weniger Hunger, wie Großperspektiv-Grafiken untermauern. Es wurde aber auch darauf verwiesen, dass einer von neun Bewohnern dieses Planeten - 795 Millionen weltweit - heute nicht genug zu essen habe.

Nicht einmal drei Wochen später verbreitet der neue Jahresbericht zum Stand der weltweiten Ernährung (eine übersichtliche Zusammenfassung gibt es hier) eine Botschaft, die im Kontrast zum erwähnten hoffnungsvollen Ton steht. Nach Jahrzehnten des Rückgangs wachse der weltweite Hunger wieder, wird nun von der UN-Welternährungsorganisation FAO und dem Welternährungsprogramm WFP festgestellt.

Dazu gibt es eine neue Zahl der weltweit Hungernden: Im Jahr 2016 waren es demnach 815 Millionen, was 11 Prozent der Weltbevölkerung entspreche. Für den Anstieg, der von beklagenswerten Zahlen über mangelernährte Kinder begleitet wird, macht der Bericht Konflikte sowie Auswirkungen des Klimawandels verantwortlich. Darauf lenkt er auf jeden Fall ein Hauptaugenmerk.

Herausgestrichen wird der Zusammenhang einmal dadurch, dass der Großteil der Notleidenden, nämlich 489 Millionen der 815 Millionen Hungernden, in Ländern leben, die von Konflikten betroffen sind. In den Krisenländern seien die Bewohner mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,5 häufiger unterernährt als in anderen Zonen, wird die Korrelation untermauert.

Besonders betroffen ist Ostafrika, wie sich an der prozentualen Aufschlüsselung der weltweit Hungernden zeigt. Liegt der Anteil für Asien bei 11,7 Prozent, so wird für Afrika gesamt 20 Prozent genannt und für Ostafrika 33,9 Prozent. Für Lateinamerika und die Karibik werden 6,6 Prozent angeben. Der Großteil der Hungernden lebt in Asien, wo man sie auf 520 Millionen beziffert. In Afrika sollen es 243 Millionen sein.

Herausgestellt wird, dass die Zahl der Kinder, die wegen der Mangelernährung auffallende Wachsstumsstörungen haben, enorm hoch ist. 155 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden daran. 52 Millionen sind deutlich untergewichtig. Immerhin statuiert der Bericht bei diesen Zahlen einen rückläufigen Trend.

Zu den Kontrasten, die eine solche Weltschau vor Augen führt, gehört, dass neben dem Hunger und der Mangelernährung auch Übergewicht und falsche Ernährung als Problem mit weltweiter Relevanz auftauchen (siehe dazu Hochrisikofaktor: Schlechte Ernährung). Weltweit leiden 641 Millionen Erwachsene unter Fettleibigkeit. Das sind 13 Prozent aller Erwachsenen auf dem Planeten.

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Die Quote Übergewichtiger wächst, stellt der Ernährungsbericht fest. In vielen Entwicklungsländern gebe es gleichzeitig Hunger unter den Armen und Fettleibigkeit unter den neuen Reichen, zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Bericht: "Dazu tragen große Supermarktketten und Konzerne bei, die mit Fertiggerichten die oft gesünderen traditionellen Ernährungsgewohnheiten verdrängen." (Thomas Pany)

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