Die Zukunft der Energieversorgung

Das erste Passivhaus Deutschlands in Darmstadt. Bild: Passivhaus Institut/ CC-BY-SA-3.0

Sollten wir allein dem Klima zuliebe alles tun, um unseren CO2-Ausstoß zu mindern oder nicht eher fossile Rohstoffe einsparen, um die Umwelt zu schonen und um unsere Zukunft nicht zu gefährden?

Oder ist das überhaupt in der Folge Unterschied? Dieser Beitrag will beleuchten, dass es noch ganz andere Beweggründe geben könnte, im Sinne des Erhalts unserer Lebensqualität mit aller Kraft auf etwas hinzuwirken, was der Verminderung unseres CO2-Ausstoßes letztendlich gleich kommt.

Der ursprüngliche Anlass, diesen Artikel zu schreiben, war, dass ich über erfreuliche Erfolgsmeldungen bei der Herstellung alternativer und nachhaltiger Treibstoffe mit der Methode der Pyrolyse gestolpert war. Aber dazu werde ich später berichten. Zunächst will ich darlegen, in welch prekärer Lage wir uns in Bezug auf unsere Energieversorgung mit fossilen Rohstoffen befinden.

Prekär ist die Rohstoff-Versorgungslage insbesondere beim Erdöl und beim Erdgas, wie wir gleich sehen werden. Ausgerechnet bei der Kohle, deren Verbrennung mit dem größten CO2-Ausstoß verbunden ist, gestaltet sich die Versorgungslage etwas "komfortabler". Gleichwohl ist leider auch die Förderung der Kohle mit enormen Umweltbelastungen verbunden.

Bis vor kurzem versprach die IEA wachsende Erdöl-Förderung in alle Ewigkeit - seit 2018 kommt grafisch und wortlos eine Prognose, wie sie auch Aspo seit Jahrzehnten ausführlich erklärt und vorhersagt. Bild: Aspo / IEA

Ich will auch voraus schicken, dass aus meiner Sicht eine echte Abhängigkeit von fossiler Energie nicht in dem Maße gegeben wäre, wie wir uns immer einreden lassen. Wenn wir aufgrund eines Energieengpasses keine Flugzeuge mehr fliegen lassen könnten, keine Schiffe mehr fahren lassen könnten, nicht mehr Autofahren könnten und keine Kunststoffe mehr produzieren könnten, dann würden wir deswegen nicht verhungern.

Das einzige, was uns ein Wenig Furcht einflößen könnte, wäre, wenn wir unsere Wohnungen nicht mehr heizen könnten und wenn wir keine Traktoren mehr betreiben könnten (selbst letzteres wäre auch nicht so fatal). Zu allen anderen lebenswichtigen Funktionen ist eine technisch nutzbare Energieform eigentlich kaum erforderlich.

Zum Heizen könnten wir in der "größten Not" auch die Kohle verwenden. Aber viel schöner fände ich es, wenn wir Passiv-Häuser bauen würden - dann bräuchten wir so enorm wenig Energie zur Beheizung, dass es in Bezug auf CO2 vollkommen pillepalle wäre, ob wir sie mit Gas, Heizöl oder Kohle beheizen würden.

Ein Freund von mir hat sich ein Passiv-Haus gebaut und heizt nach seiner Aussage mit einer Wärmepumpe, die er sogar im Winter mit seiner kleinen Solaranlage auf dem Dach seines Hauses betreiben könne. Aber über die Raumheizung, die natürlich einen Großteil unseres privaten Energieverbrauchs ausmacht, wollte ich hier eigentlich nicht weiter schreiben.

Mit anderen Worten: Auch wenn uns die Energie ausginge, wäre das für erfinderische Menschen selbst bei Nutzung des heutigen Standes der Technik, selbst ohne "Freie Energie" oder sonst etwas unerwartet Neues nicht ganz so schrecklich, wie es viele denken.

Aber gleichwohl wünschen wir natürlich nicht, dass uns die Energie ausgeht, und insbesondere sollten wir uns über die Verfügbarkeit unserer Energie ein wenig Gedanken machen und gegebenenfalls etwas Vorsorge betreiben. Und daher will ich im Folgenden die Situation ein beleuchten.

Die Zahlen der folgenden Informationen habe ich aus vielen Quellen ermittelt und die Quellen sind in der OpenOffice-Tabelle alle hinterlegt, mit der ich auch die Grafiken erstellt habe. Reserven sind dabei laut BGR Mengen der betreffenden Rohstoffe, die in der Erde lagern, aber nach dem Stand der Technik und unter gegenwärtigen wirtschatlichen Gesichtspunkten nicht förderbar erscheinen. Ressourcen hingegen sind die im Boden lagernden Rohstoffe, die erwartungsgemäß wirtschaftlich und technisch als förderbar angenommen werden.

Die Zukunft der Enerie-Versorgung (8 Bilder)

Die konventionellen flüssigen und gasförmigen fossilen Brennstoffe sind (in Bezug auf Reserven) praktisch zur Hälfte aufgebraucht. Die nicht konventionellen Öle und Gase (Fracking, Tiefseebohrungen, Öl aus Sand, hellrot dargestellt) bieten nur ein kleines Potential an Reserven. Ihre Förderung ist aber mit horrenden Umweltschädigungen verbunden. Ressourcen und Reserven laut BGR von 2014; Bisheriger Verbrauch aus verschiedenen Quellen.

Die Informationen, die hier zusammen gestellt sind, legen den Eindruck nahe, dass wir bereits ein Versorgungsproblem für Erdöl haben und kurz vor einem Versorgungsproblem für Erdgas stehen.

Wir können erkennen, dass weltweit immense Vorkommen an Kohle vorhanden sind und weltweit immense Mengen an Kohle jährlich verbrannt werden, vorwiegend in der Industrie und zur Stromerzeugung. Wir können erkennen, dass im Vergleich zur Energienutzung fossiler Brennstoffe nur eine sehr kleine Menge an wirklich nachhaltigen Energien genutzt wird.

Problem: Elektroautos

Gerade in Bezug auf den Betrieb von Autos mag sich daher jeder die Frage stellen, mit welcher Energie Elektroautos in mittelfristiger Zukunft weltweit betrieben werden, wenn wir nun einen nennenswerten Teil der Autos auf den elektrischen Betrieb umstellen. Dass die engagierten Entwickler der Elektroautos gerne den Betrieb der Elektroautos mit nachhaltig erzeugtem Strom sähen, steht außer Frage. Aber ob die industriellen und politischen Kreise, die eine entsprechende Entwicklung steuern können, dieses Interesse teilen, sei dahin gestellt.

Ferner stellt sich mir folgende Frage: Wenn China offenkundig ein wesentlicher Treiber der Entwicklung hin zu Elektroautos weltweit ist, wenn China bekanntermaßen nur geringe Erdölvorkommen hat, aber einer der weltweit größten Besitzer an Kohlevorkommen ist - welche Motivation steht dann wirklich dahinter, wenn China mit aller Kraft Elektroautos entwickelt und andere Länder nötigt, Elektroautos zu entwickeln (siehe auch: "Das Gejammer der Umweltverbände ist blanker Unsinn") ?

Mittlerweile ist weithin bekannt, dass Elektroautos bei der Herstellung um ein vielfaches gravierendere Umweltschäden verursachen, im Vergleich zu verbrennungsmotorisch betriebenen Autos. Auch die Recycling-Frage der Batterien ist offenbar alleine technisch noch ein Stück weit von einer Lösung entfernt.

Ich denke, es steht außer Frage, dass Elektroautos dann, wenn sie mit Kohle-Strom betrieben werden, auch im Betrieb mehr CO2 emittieren, als ein auf Sparsamkeit entwickeltes Diesel-Auto, wahrscheinlich auch als ein sparsamer Benziner. Es gibt also aus ökologischer Sicht nicht den geringsten Grund, verbrennungsmotorisch betriebene Autos gegen Elektroautos einzutauschen, mindestens solange diese überwiegend mit Kohlekraft oder gar mit Kernkraft betrieben werden.

Doch einen Grund gäbe es noch, auch außerhalb chinesischer Interessen: Ein Elektroauto ist in einem Fall möglicherweise ökologisch immer noch im Vorteil, selbst wenn es mit Kohlestrom betrieben würde. Dies wäre der Fall, wenn dieses Elektroauto mit einem Verbrenner-Auto verglichen wird, welches mit Treibstoff aus Fracking- oder Sandöl oder mit Treibstoff aus Lebensmitteln angetrieben wird. Und wie wir sehen, geraten wir gerade in die Zeit, in der genau dieses geschieht.

Die ökologischen und menschlichen Folgen dieser nicht konventionellen Treibstoffe sind so fatal, dass dies die Nutzung von Kohlekraft in einem Auto mit schlechtem ökologischem Herstellungs-Rucksack eventuell rechtfertigen könnte. Ist also die Elektroauto-Agenda in Wirklichkeit der Versuch, von nicht konventionellen, umweltschädlichen und unmenschlichen Treibstoffen unabhängig zu werden?

Möglicherweise. Aber wenn dem so wäre, dann könnten wir unmöglich Elektroautos als umweltfreundliche Alternative zu Verbrenner-Autos erklären.

An dieser Stelle müssten wir uns eingestehen, dass das Auto durch das Ende des konventionellen Erdöls erheblich umweltbelastender geworden wäre, als es das bislang ohnehin bereits gewesen ist - unabhängig davon, ob es mit Elektromotor oder mit Verbrennungsmotor betrieben wird. Wenn wir uns diese Erkenntnis oder diese Sicht vergegenwärtigen, müssten wir umgehend alles, aber auch wirklich alles tun, damit Autos kleiner, leichter, aerodynamischer und sparsamer würden. Ein Tesla mit über zwei Tonnen wäre vor einem derartigen Hintergrund ebenso zynisch wie ein SUV oder ein Minivan für Kleinfamilien, insbesondere wenn sie dann noch mit über 100 kW installierter Motorleistung verwendet würden.

Es wäre an sich ein leichtes, den gesamten Verbrauch an flüssigem Treibstoff massiv zu senken, wenn wir kleinere Autos bauen und verwenden würden, wenn wir weniger Auto fahren würden, weniger fliegen würden (endlich, endlich mal Flugbenzin versteuerten - ich bin sonst kein Freund von Steuern), wenn wir den Schiffsverkehr bzw. das Schweröl besteuern würden, wenigstens einfache Rußfilter für Schiffe einführen würden und eine Kontrolle zur Vermeidung der Verklappung von Gift-Stoffen in der Seefahrt einführen würden und so weiter.

Wir könnten über nachhaltige und dauerhafte Produkte sprechen und so weiter. Wir bräuchten in den nächsten wenigen Jahren nicht allzuviel tun, um auf die umweltschädlichen nicht konventioneller Öle verzichten zu können, weil heute, kurz nach dem Peak für konventionelles Erdöl, der Bedarf an nicht konventionellen Ölen noch vergleichsweise gering ist. Natürlich müssten sich die Anstrengungen mit der Zeit intensivieren, in wenigen Jahrzehnten könnte uns nur noch ein Bruchteil des Erdöls zur Verfügung stehen.

Es steht außer Frage, dass die Verantwortung für solche Entwicklungen nicht alleine bei den Verbrauchern, bei uns einfachen Menschen liegt, sondern auch bei Politikern und Industriellen und den Leitern von Think-Tanks. Aber auch die scheinbar über dem Gesetz stehenden Think-Tanks legen mehr Wert auf unser Einverständnis, als viele glauben. Also spielt wieder unser schlichter Wille eine enorme Rolle (und vor dem Willen steht das Wissen oder eine gute Idee dafür, was wir sinnvollerweise wollen könnten... - aber das ist ein eigenes Thema).

Wir könnten also festlegen, dass wir aus klimatischer Sicht normalerweise die Kohle an die letzte Stelle unserer Prioritäten stellten. Aber bevor wir nicht konventionelle fossile Treibstoffe verballern, wäre uns möglicherweise die Kohle doch noch lieber. Am liebsten wäre uns freilich eine nachhaltige Energieform, die vermutlich beispielsweise die Photovoltaik darstellt. Aber um die Fotovoltaik in eine günstige Ausgangslage zu bringen, müssten wir doch noch einmal gewaltig in die Fotovoltaik investieren.

Am wirksamsten wäre es vermutlich im Verhältnis zum Aufwand, wenn wir Energie einsparen. Schön wäre es dann, wenn wir noch neue oder bislang unbeachtete Energieformen fänden, die nachhaltig wären.

Einsparen statt Besteuern

Ich möchte noch ein paar Worte zu meinen Quellen und zu gewissen Streit-Themen um Energie und Klima anbringen:

Auch mir sind nur die gleichen Quellen zugänglich, wie jedem andern Interessierten. Natürlich gibt es viele Quellen, die einer Agenda folgend die Wirklichkeit verzerren. Ich habe lange Jahre das Thema der Energieversorgung beobachtet und ich habe den Eindruck, dass die gewählten Quellen die Wirklichkeit wenigstens in der Größenordnung so halbwegs zutreffend abbilden.

In Bezug auf das Klima laufen ja gegenwärtig die hitzigsten Diskussionen und diese führen, vermutlich durchaus gewollt, auch zu einer Spaltung der Menschen. Meine Empfehlung geht dahin, als Laie (und da zähle ich mich dazu) sich aus dieser Diskussion ein wenig heraus zu halten, wenigstens keine allzugroßen Gefühlsregungen hinein zu geben. Ich bin vor kurzem auf einer "renommierten" Klima-Skeptiker-Seite, eher aus dem so genannten "neu-rechten" Spektrum auf folgenden Satz gestoßen:

...Ich denke, dass niemand in Frage stellt, dass ich sehr kritisch jenen gegenüber eingestellt war, die den Einfluss von Treibhausgasen auf das Klima der Erde komplett bestreiten...

Gesagt hat dies ein angeblich anerkannter Klima-Forscher, der wie gesagt die "Klima-Skeptiker-Seite" bedient. Wenn also Klima-Skeptiker lautstark behaupten, es gäbe "erwiesenermaßen" (überhaupt) keinen Zusammenhang zwischen CO2 und Erdtemperatur, dann stellen sie sich aus meiner Sicht außerhalb eines sachlich begründbaren Standpunktes.

Andererseits ist durch vielfältige Meldungen bekannt, dass der IPCC Wissenschaftler ausgrenzt, die eine abweichende Meinung vertreten und somit gibt es offenbar keine Einigkeit darüber, ob das Klima oberhalb einer gewissen CO2-Menge explosionsartig aus dem Ruder läuft. Nach meinem Ermessen kann niemand gegenwärtig sagen, was wirklich passiert, wenn wir weiterhin "zu viel" CO2 ausstoßen.

Ich habe mit diesem Beitrag hoffentlich eine gewisse Motivation erzeugen können, fossile Rohstoffe einzusparen, was einer Verminderung des CO2-Ausstoßes ja gleich käme. Ich hoffe, dass es durch solche Anstöße möglich ist, die Diskussion zu versachlichen (oder eine unsachliche Diskussion zu vermeiden über Dinge, die wir so wenig beurteilen können, wie die Mondlandung). Es wäre schön, wenn viele engagierte Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern zu einer gemeinsamen Verständigung fänden.

Ich weiß, dass viele Menschen glauben, fossile Rohstoffe würden sich in der Erde fortwährend automatisch nachbilden oder dass die fossilen Ressourcen in Wirklichkeit um ein Vielfaches größer seien, als oft berichtet. Nur frage ich dann, warum trotz weiterhin billig verfügbarer konventioneller Ölvorkommen so teure Fördermethoden angewendet werden, wie es die nicht konventionellen Fördermethoden sind.

Auch halte ich es schlicht für eine Frage des Respekts vor der Erde, wie wir sie vorfinden und wie sie uns nährt, dass wir uns Gedanken machen, wie wir die wertvollen Ressourcen, die sie uns bietet, so sparsam und behutsam wie möglich verwenden. Eine Verwendung der Ressourcen nach einem Diktat des Wirtschaftswachstums als Grundlage des Wohlstandes halte ich eigentlich für keine sinnvoll begründbare Option.

In Bezug auf die gegenwärtige Diskussion über die CO2-Steuern fällt mir auf, dass es ausschließlich um Mehrbelastungen für die einfachen Menschen geht. Diese Steuern haben für die großindustriellen Vorgänge keinerlei Auswirkungen.

In Zeiten des Missbrauchs von Volksvermögen stehe ich jeglichen Steuern eher kritisch gegenüber. Abgesehen davon wäre ich durchaus ein Befürworter von Ressourcensteuern jeglicher Art. Wenn jedoch gegenwärtig Treibstoff und Heiz-Brennstoff-Steuern im Gespräch stehen, dann würde ich dies ausschließlich tolerieren, wenn im gleichen Zusammenhang glaubhafte Ankündigungen von entsprechenden Steuersenkungen für die einfachen Menschen erfolgen würden, so dass insbesondere die ärmeren Menschen keine Zusatzbelastung erfahren. Gegenwärtig ist aber das Gegenteil der Fall. Eine steuerliche Mehrbelastung ist in Zeiten europäischer Kriegsführung, Bankenrettung und desaströsen Großprojekten auf keinen Fall tolerabel, bei aller Sympathie für Greta...